Morbus Preiser (aseptische Kahnbeinnekrose)
Morbus Preiser bezeichnet eine seltene Durchblutungsstörung des Kahnbeins (Os scaphoideum) im Handgelenk. Ohne vorausgegangenen Bruch kommt es zu einem schleichenden Knochenstress bis hin zum Substanzverlust. Typisch sind belastungsabhängige Schmerzen an der speichenseitigen Handgelenkskante, Druckempfindlichkeit über dem Kahnbein und nachlassende Griffkraft. Eine frühzeitige, stadiengerechte Therapie kann Beschwerden lindern und das Fortschreiten verlangsamen. In unserer Praxis in Hamburg (Dorotheenstraße 48, 22301 Hamburg) beraten wir konservativ und stimmen bei Bedarf die operative Weiterbehandlung mit handchirurgischen Partnern ab.
- Anatomie: Rolle des Kahnbeins im Handgelenk
- Was ist Morbus Preiser?
- Ursachen und Risikofaktoren
- Symptome: Woran erkenne ich Morbus Preiser?
- Diagnostik in der Praxis
- Stadien und Verlauf
- Konservative Therapie – was wir zuerst ausschöpfen
- Regenerative/biologische Verfahren – realistische Einordnung
- Operative Optionen – wenn konservativ nicht ausreicht
- Prognose, Alltag und Rehabilitation
- Prävention und Selbsthilfe
- Abgrenzung zu anderen Erkrankungen
- Wann sollten Sie zu uns kommen?
Anatomie: Rolle des Kahnbeins im Handgelenk
Das Kahnbein (Os scaphoideum) liegt auf der Daumenseite der Handwurzel und verbindet die proximale mit der distalen Handwurzelreihe. Es ist zentral für die Kraftübertragung und die feine Kinematik des Handgelenks. Seine Blutversorgung ist von Natur aus vulnerabel: Ein Großteil der Gefäße tritt distal ein und verläuft rückläufig zum körpernahen Pol. Diese Besonderheit erklärt, warum Durchblutungsstörungen am Kahnbein zu strukturellen Problemen führen können.
- Gelenkpartner: Speiche (Radius), Mondbein (Lunatum), großes Vieleckbein (Trapezium) u. a.
- Funktion: Führung und Stabilität bei Beugung/ Streckung und Seitneigung
- Durchblutung: retrograder Zufluss – anatomisch anfälliger proximaler Pol
Was ist Morbus Preiser?
Morbus Preiser ist eine aseptische (nicht-infektiöse) Knochennekrose des Kahnbeins ohne vorangegangene Fraktur. Der Knochen erhält phasenweise zu wenig Blut, wodurch es zu Knochenmarködem, Verhärtung (Sklerose), Mikroeinbrüchen und in späten Stadien zu Formveränderungen und Gelenkverschleiß kommen kann. Die Erkrankung ist von der Pseudarthrose (Falschgelenk) nach Kahnbeinbruch abzugrenzen und auch nicht mit Morbus Kienböck (Mondbeinnekrose) zu verwechseln.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genaue Ursache ist häufig unklar (idiopathisch). Vermutet wird ein Zusammenspiel aus anatomischer Gefäßanfälligkeit, wiederholter Mikrobelastung und individuellen Risikofaktoren.
- Mikrotraumata/Überlastung (z. B. repetitive Stütz- und Greifbelastungen, Vibrationswerkzeuge)
- Rauchen (beeinträchtigt die Mikrozirkulation)
- Systemische Faktoren: Kortikosteroid-Langzeittherapie, Alkoholabusus, Gerinnungsstörungen
- Stoffwechsel/Autoimmunerkrankungen (z. B. Lupus, Sichelzellerkrankung) – selten
- Anatomische Variationen der Blutversorgung
Ein stattgehabter Kahnbeinbruch mit fehlender Heilung führt typischerweise nicht zu Morbus Preiser, sondern zu einer Pseudarthrose – beide Zustände unterscheiden sich in Entstehung und Behandlung.
Symptome: Woran erkenne ich Morbus Preiser?
- Belastungsabhängige Schmerzen an der speichenseitigen Handgelenksvorderseite (Tabatière/Kahnbeingrube)
- Druckschmerz über dem Kahnbein, besonders bei Rückbeugung/Seitneigung
- Nachlassende Griffkraft, Unsicherheit bei Stützbewegungen
- Gelegentlich Schwellung, Morgensteifigkeit
- Verstärkung bei Sport (z. B. Calisthenics, Tennis) oder Arbeit mit Werkzeugen
Diagnostik in der Praxis
Die Diagnose stützt sich auf Anamnese, klinische Untersuchung und bildgebende Verfahren. In frühen Stadien sind Röntgenaufnahmen oft unauffällig, weshalb die Magnetresonanztomographie (MRT) eine zentrale Rolle einnimmt.
- Klinik: Palpationsschmerz in der Kahnbeingrube, Schmerzprovokation bei Streck-/Radialabduktion; Prüfung der Handgelenkskinematik
- Röntgen: Beurteilung der Knochenstruktur, Sklerose, Fragmentierung, Formveränderung; Ausschluss von Fraktur/Pseudarthrose
- MRT: Nachweis von Knochenmarködem, Vitalitätsbeurteilung; frühe Stadien detektierbar
- CT: Hochauflösend für Mikroeinbrüche, Kollaps, gelenknahe Veränderungen
- Differenzialdiagnosen: Pseudarthrose nach Kahnbeinfraktur, Morbus Kienböck (Mondbein), Bandläsionen, arthrotische Veränderungen
Labor kann bei Verdacht auf systemische Ursachen (z. B. Gerinnungsstörungen, entzündliche Erkrankungen) sinnvoll sein. Die stadiengerechte Einordnung hilft, Therapieziele realistisch zu definieren.
Stadien und Verlauf
Zur Einordnung werden klinische und bildgebende Befunde kombiniert. Verschiedene Klassifikationen beschreiben einen ähnlichen Verlauf von frühen Vitalitätsstörungen bis zu Strukturkollaps und Folgearthrose.
- Frühes Stadium: MRT zeigt Knochenmarködem; Röntgen oft normal
- Zwischenstadium: Sklerosezonen im Röntgen, Schmerzen bei Last; Form noch erhalten
- Fortgeschritten: Mikrofrakturen, beginnende Abflachung/Kollaps des Kahnbeins
- Spätstadium: Fragmentierung, carpal instability und sekundäre Arthrose v. a. radioscaphal
Der Verlauf ist individuell. Ziel ist, Beschwerden zu lindern, Funktion zu erhalten und ein Fortschreiten zu verlangsamen.
Konservative Therapie – was wir zuerst ausschöpfen
Die leitende Strategie ist stadien- und belastungsadaptiert. In frühen und intermediären Stadien hat die konservative Behandlung einen hohen Stellenwert. Sie erfordert Geduld und konsequente Mitarbeit.
- Ruhigstellung/Entlastung: zeitweise Daumen-Handgelenk-Orthese (Schiene) oder Gips; schmerzadaptierte Tragedauer
- Aktivitätsmodifikation: Vermeiden von Stütz- und Stoßbelastungen, ergonomische Anpassungen im Beruf
- Medikamentös: entzündungshemmende Schmerzmittel kurzzeitig; magenschonend und indikationsgerecht
- Physio-/Handtherapie: gelenkschonende Mobilisation, Stabilisation der umgebenden Muskulatur, propriozeptives Training
- Risikofaktoren adressieren: Rauchstopp, Reduktion belastender Medikamente (z. B. systemische Steroide) – nur in Abstimmung mit den verordnenden Ärztinnen/Ärzten
- Knochenstoffwechsel optimieren: Vitamin-D-Status, Kalziumzufuhr, ggf. osteologische Abklärung
Über mögliche knochenwirksame Medikamente (z. B. Bisphosphonate) in Analogie zu anderen aseptischen Nekrosen kann individuell aufgeklärt werden. Für Morbus Preiser ist die Evidenz begrenzt; ein Einsatz erfolgt – wenn überhaupt – sorgfältig abgewogen und off-label.
Apparative Verfahren wie Ultraschall-Knochenstimulation oder hyperbare Sauerstofftherapie werden diskutiert, sind jedoch nicht als Standard belegt. Wir besprechen Nutzen und Grenzen transparent.
Regenerative/biologische Verfahren – realistische Einordnung
Blutplättchenkonzentrate (PRP) oder zellbasierte Verfahren sind für die Kahnbeinnekrose nicht etabliert. Datenlage und Zulassung sind eingeschränkt. In unserer Praxis stehen evidenzbasierte, konservative Optionen an erster Stelle; experimentelle Verfahren erwägen wir – wenn überhaupt – nur im individuellen Kontext und nach Aufklärung.
Operative Optionen – wenn konservativ nicht ausreicht
Bei ausgeprägten Beschwerden, Fortschreiten trotz konsequenter Schonung oder strukturellen Schäden kann eine Operation sinnvoll sein. Die Auswahl erfolgt stadienabhängig und wird durch erfahrene Handchirurginnen/Handchirurgen getroffen. Wir beraten, stellen Befunde zusammen und koordinieren die Überweisung.
- Bohrung/Decompression und mikrofrakturartige Verfahren zur Reperfusion in frühen Stadien
- Vaskularisierte Knochentransplantate (z. B. pedikulierte 1,2-ICSRA-Lappen) zur Vitalitätsverbesserung
- Korrektureingriffe bei Formkollaps; ggf. radiale Styloidektomie bei Engpass
- Schmerz- und Erhaltungsoperationen bei Arthrose: partielle Handgelenksfusion, Vier-Ecken-Fusion, proximale Handwurzelresektion (proximale Row-Carpectomy) oder selektive Denervation – je nach Befund
Operative Verfahren haben unterschiedliche Erholungszeiten und Funktionsprofile. Wir besprechen Ziele und Alternativen vorab, ohne ein bestimmtes Ergebnis zu versprechen.
Prognose, Alltag und Rehabilitation
Die Genesung verläuft in Wochen bis Monaten. In konservativen Verläufen richtet sich die Belastungssteigerung nach Schmerz und Bildgebung. Ziel ist eine belastbare, alltagstaugliche Hand bei möglichst gut erhaltener Beweglichkeit.
- Sport: kontakt- und stützintensive Sportarten erst nach Freigabe, Einstieg mit zyklischen, stoßarmen Aktivitäten
- Arbeit: ergonomische Anpassung, Pausenmanagement, ggf. zeitweilige Schonung/leichtere Tätigkeiten
- Schmerzmanagement: abgestuft, möglichst kurzzeitig medikamentös; ergänzend physikalische Maßnahmen
- Kontrolltermine: klinisch und bildgebend, um Verlauf und Belastbarkeit abzustimmen
Prävention und Selbsthilfe
- Rauchstopp und gesunder Lebensstil zur Förderung der Mikrozirkulation
- Ergonomie: Handgelenk-neutral arbeiten, Stoß- und Vibrationsbelastungen reduzieren
- Kraft-Ausdauer-Balance der Unterarmmuskulatur, gelenkschonende Technik
- Frühe Abklärung bei anhaltenden radialen Handgelenksschmerzen, besonders bei Risikofaktoren
Abgrenzung zu anderen Erkrankungen
Wichtig sind die Unterscheidung zur Kahnbein-Pseudarthrose nach Fraktur und zu Morbus Kienböck (Mondbeinnekrose). Beide erfordern andere Strategien. Auch bandbedingte Instabilitäten und arthrotische Veränderungen können ähnliche Beschwerden verursachen.
Wann sollten Sie zu uns kommen?
- Handgelenksschmerz an der Daumenseite länger als 2–3 Wochen
- Druckschmerz in der Kahnbeingrube, Kraftverlust oder Schwellung
- Belastungsschmerz nach Sturz/Überbelastung trotz Schonung
- Bei bekannten Risikofaktoren (z. B. Langzeitsteroidtherapie, Rauchen)
Je früher die Abklärung, desto besser lassen sich konservative Maßnahmen planen.
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Häufige Fragen
Spezialisierte Abklärung bei Morbus Preiser in Hamburg
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Information ersetzt keine individuelle Untersuchung. Bei Warnzeichen bitte ärztlich abklären.