Midcarpal-Arthrose

Die Midcarpal-Arthrose (mediokarpale Arthrose) betrifft das mittlere Gelenk des Handgelenks zwischen der proximalen und distalen Handwurzelreihe. Typisch sind belastungsabhängige Schmerzen auf der Handrückenseite, nachlassende Kraft beim Zugreifen und Einschränkungen bei Beugung/Streckung. Häufig entsteht sie als Folge von Bandverletzungen (z. B. scapholunäre Insuffizienz) oder nach Brüchen (z. B. Skaphoidpseudarthrose) im Sinne eines SLAC-/SNAC-Musters. Unser Fokus liegt auf einer fundierten Diagnostik und einer klar strukturierten, möglichst konservativen Behandlung – mit realistischen Erwartungen und individueller Indikationsstellung.

Konservative & regenerative Orthopädie – Operation nur als letzte Option.

Anatomie: Wo liegt das midkarpale Gelenk?

Das Handgelenk setzt sich aus zwei Hauptgelenkebenen zusammen: dem radiokarpalen Gelenk (zwischen Speiche und der proximalen Handwurzelreihe) und dem midkarpalen Gelenk (zwischen proximaler und distaler Handwurzelreihe). Die proximalen Knochen sind Kahnbein (Skaphoid), Mondbein (Lunatum) und Dreiecksbein (Triquetrum); distal liegen u. a. Kopfbein (Capitatum) und Hakenbein (Hamatum).

  • Midkarpales Gelenk: Kontaktflächen v. a. zwischen Capitatum und Lunatum (capitolunär) sowie zwischen Hamatum und Triquetrum.
  • Wichtige Bandstrukturen: scapholunäres und lunotriquetrales Band, plus midkarpale interossäre und extrinsische Bänder.
  • Funktion: Kraftübertragung von der Hand auf den Unterarm, Feineinstellung von Beuge-/Streck- und Seitbewegungen, Stabilisierung bei Griffbelastung.

Gerade der capitolunäre Gelenkanteil ist bei degenerativen Kollapsmustern (z. B. SLAC) stark belastet. Überlastung und Bandinsuffizienzen können die Druckverteilung verändern – die Folge ist Knorpelverschleiß im midkarpalen Gelenk.

Was ist eine Midcarpal-Arthrose?

Unter Midcarpal-Arthrose versteht man den Knorpelverschleiß im mittleren Handwurzelgelenk. Betroffen sind häufig die Kontaktflächen zwischen Capitatum und Lunatum (capitolunäre Arthrose). Das Beschwerdebild unterscheidet sich von der radiokarpalen Arthrose: Schmerzen werden eher zentral-dorsal beschrieben, oft verstärkt durch Druckbelastung (z. B. Liegestütz, Aufstützen, Schraubarbeiten) und durch wiederholte Beuge-/Streckbewegungen.

  • Primär degenerativ ist selten; häufiger posttraumatisch oder postinstabil.
  • Kann Teil eines SLAC-/SNAC-Verlaufs sein.
  • Verläuft oft schubweise, mit Ruhephasen und Belastungszunahmen.

Symptome: Woran erkenne ich eine Midcarpal-Arthrose?

  • Belastungsschmerz am Handrücken (zentral oder ulnarseitig), teils stechend bei bestimmten Bewegungen.
  • Anlaufschmerz und Morgensteifigkeit, die sich nach kurzer Bewegung etwas bessern können.
  • Abnahme der Griffkraft, Schwierigkeiten beim Öffnen von Flaschen, Tragen von Taschen oder Stützen des Körpergewichts.
  • Schmerzprovokation bei maximaler Handgelenksextension (z. B. Liegestütz) oder wiederholtem Schrauben/Hämmern.
  • Gelegentlich ein schmerzhaftes „Klicken“ oder „Clunk“ als Ausdruck begleitender Instabilität.
  • In fortgeschrittenen Stadien Ruheschmerz, Schwellung und Bewegungseinschränkung.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Midcarpal-Arthrose entsteht meist durch Veränderungen der Kinematik infolge von Bandverletzungen oder knöchernen Heilungsstörungen. Dabei verschiebt sich die Lastverteilung im Handgelenk, was den Knorpel im midkarpalen Gelenk überlasten kann.

  • SLAC (Scapholunate Advanced Collapse) bei scapholunärer Bandinsuffizienz.
  • SNAC (Scaphoid Nonunion Advanced Collapse) bei Skaphoidpseudarthrose.
  • Posttraumatische Veränderungen nach distaler Radiusfraktur oder karpalen Frakturen.
  • Chronische Überlastung durch repetitive Tätigkeiten, Vibration, Kraftsport mit starker Handgelenkextension.
  • Fehlstellungen, Varianzen (z. B. ulnar variance), selten entzündliche Systemerkrankungen.

Risikofaktoren sind höheres Alter, frühere Unfälle, manuelle Tätigkeiten, Sportarten mit Stützbelastung, Rauchen (verschlechtert Gewebeheilung) und unzureichende Rehabilitation nach Band- oder Knochenverletzungen.

Diagnostik: So gehen wir vor

Eine präzise Diagnostik ist entscheidend, um die Arthrose-Lokalisation (radiokarpal vs. midkarpal) sowie Begleitfaktoren wie Instabilität einzuschätzen. Neben einer sorgfältigen Anamnese prüfen wir die Beweglichkeit, führen Provokationstests durch und planen zielgerichtete Bildgebung.

  • Klinik: Palpationsschmerz dorsal zentral, Schmerz bei Extension/axialer Last. Instabilitätszeichen (z. B. midcarpal clunk).
  • Röntgen in mindestens 2 Ebenen; ggf. „clenched fist“-Aufnahme zur Instabilitätsbeurteilung.
  • Beurteilung degenerativer Muster (SLAC-/SNAC-Stadien) und Gelenkspaltverschmälerungen im midkarpalen Kompartiment.
  • CT zur detaillierten Gelenkflächen- und Knochenbeurteilung, besonders präoperativ.
  • MRT zur Beurteilung von Knorpel, Knochenmarködemen und Bändern; hilfreich bei unklaren Befunden.
  • Differenzialdiagnosen: Radiokarpale Arthrose, STT-Arthrose, Morbus Kienböck, Morbus Preiser, Tendinopathien, Nervenengpasssyndrome.

Konservative Therapie: Stufenplan zuerst

Das Ziel der konservativen Behandlung ist Schmerzreduktion, Funktionsverbesserung und das Vermeiden unnötiger Eingriffe. Wir kombinieren Schonung, Schienenversorgung, Physiotherapie/Handtherapie, Analgetika und ergonomische Anpassungen – individuell dosiert und zeitlich begrenzt evaluiert.

  1. Belastungsanpassung: Vermeiden von starker Extension/axialem Druck (Liegestütze, Aufstützen). Kurzfristige Entlastung in Akutphasen.
  2. Handgelenksschiene (kurze Orthese) für belastende Tätigkeiten; nachts nur bei Bedarf.
  3. Medikamentös: NSAR kurzfristig und niedrig dosiert; lokal wirksame Gele/Salben; Eis/Heat je nach Verträglichkeit.
  4. Handtherapie: Beweglichkeits- und Stabilitätsübungen, propriozeptives Training, Kräftigung der Unterarmmuskulatur ohne Schmerzprovokation.
  5. Ergonomie: Werkzeuggriffe vergrößern, Stoß-/Vibrationsbelastung minimieren, Mikropausen und wechselnde Greifpositionen.

Die konservative Therapie sollte konsequent über mehrere Wochen (typisch 6–12) umgesetzt und anhand Ihrer Ziele überprüft werden. Bleiben Schmerzen und Funktionsdefizite ausgeprägt, besprechen wir Optionen der gezielten Infiltration oder – bei klarer Indikation – operative Verfahren.

Injektionen und regenerative Verfahren: Nutzen und Grenzen

Intraartikuläre Injektionen können Beschwerden zeitweise lindern. Die Auswahl richtet sich nach Befund, Vorerkrankungen und Ihren Präferenzen. Eine garantierte Langzeitwirkung gibt es nicht; wir klären Chancen und Risiken transparent.

  • Kortikosteroid-Injektion: Kann kurzfristig Schmerzen reduzieren und Entzündung dämpfen. Wiederholungen zurückhaltend, u. a. wegen möglicher Gewebeatrophie und Infektionsrisiko.
  • Hyaluronsäure (Viskosupplementation): Evidenz für das Handgelenk ist begrenzt; im Einzelfall als Versuch möglich.
  • PRP (plättchenreiches Plasma): Datenlage bei Handgelenksarthrose uneinheitlich; kann bei ausgewählten Patientinnen/Patienten erwogen werden.
  • Technik: Möglichst bildgesteuert (Ultraschall/Fluoroskopie) zur präzisen Applikation und Minimierung von Risiken.

Wichtig: Injektionen ersetzen nicht die Basismaßnahmen wie Belastungsmanagement, Schiene und Handtherapie. Entscheidungen treffen wir gemeinsam auf Basis der Befunde und Ihrer Ziele.

Schienen, Physiotherapie und Ergonomie im Detail

Eine abgestimmte Kombination aus Orthesenversorgung und gezielter Handtherapie bildet das Rückgrat der konservativen Behandlung.

  • Orthese: Kurze Handgelenksschiene stabilisiert in alltagsrelevanten Situationen. Ziel ist dosierte Entlastung, nicht Immobilisation über lange Zeit.
  • Therapieziele: Erhalt von Beweglichkeit, Verbesserung der neuromuskulären Kontrolle, schmerzadaptierte Kräftigung, Schulung alltagsnaher Bewegungsmuster.
  • Übungen: Unterarmstrecker/-beuger isometrisch, kontrollierte aktive Bewegungen im schmerzarmen Bereich, Koordinationsübungen (z. B. mit Therapieknete/Handtrainer).
  • Ergonomie: Arbeitsplatzanalyse, stoßdämpfende Handschuhe bei Vibration, Vermeidung extremer Handgelenkswinkel, Pausenmanagement.

Operative Optionen: gezielt und funktionsschonend

Operative Maßnahmen kommen in Betracht, wenn konservative Strategien trotz konsequenter Umsetzung nicht ausreichend helfen und der Alltag deutlich eingeschränkt bleibt. Die Wahl des Verfahrens richtet sich nach der Arthrose-Lokalisation, dem Stadium (z. B. SLAC-/SNAC-Muster), dem Alter, den beruflichen/sportlichen Anforderungen und der Bandstabilität.

  • Arthroskopie (Debridement/Synovektomie): Kann bei umschriebenen Knorpelschäden und entzündlicher Synovia Schmerzen reduzieren. Bewegungsumfang bleibt meistens erhalten.
  • Partielle Handgelenksdenervation: Durchtrennung ausgewählter schmerzleitender Nervenäste, um Schmerzen zu senken, ohne die Mechanik zu verändern. Funktionserhaltend, Wirkung individuell.
  • Skaphoidektomie mit Vier-Ecken-Fusion (lunate, triquetrum, capitatum, hamatum): Bewährtes Verfahren bei SLAC/SNAC mit midkarpaler Arthrose; Ziel ist Schmerzreduktion bei Erhalt eines funktionellen Bewegungsumfangs.
  • Capitolunäre Fusion (selektive Teilarthrodese): Bei auf die capitolunäre Fläche begrenzter Arthrose; erhält mehr Beweglichkeit als eine Komplettarthrodese.
  • Proximal Row Carpectomy (PRC): Entfernung der proximalen Handwurzelreihe; geeignet, wenn die Gelenkflächen zwischen Capitatumkopf und Radius erhalten sind. Erhält Bewegungsumfang und Kraft in alltagstauglichem Maß; nicht für jede Konfiguration sinnvoll.
  • Totale Handgelenksarthrodese: Ultima Ratio bei ausgeprägtem, therapieresistentem Schmerz und globaler Arthrose; schmerzarm, aber keine Bewegung im Handgelenk mehr.

Keine Methode ist „die beste“ für alle. Wir besprechen realistische Erwartungen: Schmerz kann häufig reduziert werden, Beweglichkeit ist abhängig vom Verfahren und Ausgangszustand. Risiken (z. B. Infektion, verzögerte Knochenheilung, Hardware-Irritation, anhaltende Beschwerden) werden vorab erläutert.

Verlauf und Prognose

Die Midcarpal-Arthrose ist meist eine chronische, langsam fortschreitende Erkrankung. Mit konsequent konservativer Therapie gelingt vielen Betroffenen eine deutliche Entlastung und bessere Alltagsfunktion. Bei fortgeschrittenem Verschleiß können gelenkerhaltende oder -versteifende Eingriffe die Schmerzen oft spürbar verringern; der Bewegungsumfang bleibt jedoch je nach Verfahren reduziert.

  • Ziel ist Funktionsgewinn trotz struktureller Veränderungen.
  • Verlauf variiert je nach Ursache (z. B. Instabilität, Kollapsmuster) und beruflicher/ sportlicher Belastung.
  • Regelmäßige Nachkontrollen helfen, Therapieziele anzupassen und Überlastungen früh zu erkennen.

Alltag, Beruf und Sport

Viele Aktivitäten sind mit Anpassungen weiterhin möglich. Im Vordergrund steht ein gutes Selbstmanagement – wissen, was guttut, was schadet, und wie sich Belastung steuern lässt.

  • Bevorzugen Sie neutrale Handgelenksstellungen; vermeiden Sie extremes Abknicken nach dorsal.
  • Wählen Sie stoßarme Sportarten (z. B. Radfahren mit ergonomischen Griffen, Schwimmen mit angepasster Technik); Stützsportarten sind oft nur eingeschränkt möglich.
  • Nutzen Sie bei Bedarf eine stützende Orthese für belastende Tätigkeiten.
  • Planen Sie Mikropausen und wechseln Sie Greifarten, um Dauerbelastungen zu verringern.
  • Nach Operationen erfolgt die Belastungssteigerung schrittweise nach individueller Anleitung.

Prävention und Selbsthilfe

  • Frühzeitige Abklärung und Behandlung von Bandverletzungen und Frakturen am Handgelenk.
  • Gezieltes Training der Unterarmmuskulatur, Koordination und Griffvariabilität.
  • Rauchstopp unterstützt die Gewebeheilung.
  • Ergonomische Arbeitsmittel und stoßdämpfende Handschuhe bei Vibration.
  • Belastungen langsam steigern, auf Warnsignale achten.

Wann ärztlich abklären?

  • Akuter Schmerz mit Schwellung/Fehlstellung nach Unfall.
  • Anhaltender Ruheschmerz, nächtliche Schmerzen, deutlich zunehmende Bewegungseinschränkung.
  • Taubheit/Kribbeln in den Fingern, Kraftverlust oder Fallenlassen von Gegenständen.
  • Rötung, Überwärmung, Fieber – Verdacht auf Infektion.
  • Neue Schnapp-/Blockierphänomene.

Diese Zeichen sollten zeitnah ärztlich abgeklärt werden, um Komplikationen vorzubeugen und die richtige Behandlung einzuleiten.

Verwandte Krankheitsbilder (Differenzialdiagnosen)

Je nach Beschwerdebild kommen andere Arthroseformen oder Durchblutungsstörungen als Ursache in Frage. Eine saubere Abgrenzung ist wichtig, da Therapieoptionen und Prognosen variieren.

  • Radiokarpale Arthrose (Verschleiß zwischen Speiche und proximaler Handwurzelreihe).
  • STT-Arthrose (Skaphoid-Trapezium-Trapezoid).
  • Rhizarthrose (Daumensattelgelenk).
  • Fingerarthrose (DIP, PIP, MCP).
  • Morbus Kienböck (Mondbeinnekrose) und Morbus Preiser (Skaphoidnekrose).
  • Pseudarthrosen nach Frakturen, v. a. Skaphoid.

Häufige Fragen

Die Midcarpal-Arthrose betrifft das mittlere Handwurzelgelenk zwischen proximaler und distaler Reihe (häufig capitolunär). Die radiokarpale Arthrose liegt zwischen Speiche und proximaler Reihe. Symptome, Belastungsschmerz und Behandlungsstrategien überschneiden sich, die Lokalisation steuert jedoch die Therapieentscheidung.

Häufig ja. Ein strukturierter konservativer Ansatz mit Belastungsanpassung, Orthese, Handtherapie, Analgetika und ggf. gezielten Injektionen kann Schmerzen deutlich reduzieren. Eine Garantie für vollständige Beschwerdefreiheit gibt es nicht; wir passen die Therapie individuell an.

Wenn trotz konsequenter konservativer Therapie relevante Schmerzen und Funktionsdefizite bestehen und die Bildgebung eine passende Zielstruktur zeigt. Die Wahl (z. B. Arthroskopie, Denervation, Teilarthrodese, PRC, Vier-Ecken-Fusion) hängt vom Arthrosemuster, Alter, Anspruch und Bandstabilität ab.

Die Schmerzlinderung setzt oft innerhalb weniger Wochen ein; die knöcherne Heilung und funktionelle Rehabilitation dauern mehrere Wochen bis Monate. Der genaue Verlauf ist individuell und hängt von Verfahren, Heilung und Training ab.

Die Datenlage für das Handgelenk ist begrenzt. Bei ausgewählten Patientinnen/Patienten können solche Verfahren versucht werden. Wir besprechen realistische Erwartungen, mögliche Nebenwirkungen und Alternativen, bevor wir entscheiden.

Stoßarme Aktivitäten wie Radfahren (mit ergonomischen Griffen), Walken, moderates Krafttraining mit neutralem Handgelenk sowie Schwimmen sind oft möglich. Stützbelastungen (z. B. Turnen, Liegestütze) provozieren häufig Schmerz und sollten angepasst werden.

Abgenutzter Knorpel regeneriert sich nicht vollständig. Ziel der Behandlung ist, Schmerzen zu senken, Funktion zu verbessern und die Progression zu verlangsamen. Mit der richtigen Strategie ist ein aktiver Alltag oft gut möglich.

Sprechstunde Handgelenk in Hamburg

Gern beraten wir Sie zu Midcarpal-Arthrose – fundiert, verständlich und ohne unnötige Eingriffe. Praxisstandort: Dorotheenstraße 48, 22301 Hamburg. Termine erhalten Sie bequem online oder per E‑Mail.

Information ersetzt keine individuelle Untersuchung. Bei Warnzeichen bitte ärztlich abklären.