Morbus Kienböck (Lunatumnekrose)

Morbus Kienböck ist eine Durchblutungsstörung des Mondbeins (Os lunatum) in der Handwurzel. Bleibt die Minderversorgung bestehen, kann Knochengewebe geschwächt werden, zusammenfallen und schließlich zu Fehlstellungen sowie Arthrose im Handgelenk führen. Wir setzen in Hamburg auf eine strukturierte Diagnostik, konservative Verfahren als ersten Schritt und – wenn erforderlich – gezielte, stadiengerechte Operationen. Ziel ist es, Schmerzen zu reduzieren, Funktion zu erhalten und Folgeschäden zu vermeiden – ohne unrealistische Versprechen.

Konservative & regenerative Orthopädie – Operation nur als letzte Option.

Anatomie: Warum das Mondbein so empfindlich ist

Das Os lunatum liegt zentral in der Handwurzel und überträgt hohe Kräfte zwischen Unterarm und Hand. Seine Blutversorgung erfolgt über feine Gefäße, die teils endständig verlaufen. Diese anatomische Besonderheit macht das Mondbein anfällig für Durchblutungsstörungen. Ein weiterer Einflussfaktor ist die Längenrelation von Elle und Speiche (ulnare Varianz). Bei negativer ulnarer Varianz ist die Speiche im Verhältnis zur Elle länger – das kann die Belastung auf das Mondbein erhöhen.

  • Os lunatum: zentrales Handwurzelknochen-Element
  • Hält Lasten aus Greif- und Stützbewegungen
  • Fein verästelte, störanfällige Blutversorgung
  • Belastungsverteilung abhängig von ulnarer/speichenseitiger Länge

Symptome: Woran Sie Morbus Kienböck erkennen können

Die Beschwerden entwickeln sich häufig schleichend und werden anfänglich als belastungsabhängige Handgelenksschmerzen fehlinterpretiert. Je nach Stadium nehmen Schmerzen und Funktionseinschränkungen zu.

  • Dumpfer, belastungsabhängiger Schmerz auf der Handrückenseite (dorsal), oft mittig
  • Druckschmerz über dem Mondbein (zwischen Speiche und Mittelhand)
  • Abnahme der Greifkraft, rasche Ermüdung
  • Bewegungseinschränkung, besonders Rückwärtsbeugung (Dorsalextension)
  • Gelegentliche Schwellung, Wärmegefühl, selten Knacken
  • Zunahme der Beschwerden bei Arbeiten mit Vibration (z. B. Presslufthammer) oder beim Sport

Warnzeichen, die eine zeitnahe Abklärung benötigen: anhaltende Schmerzen über mehrere Wochen, zunehmende Funktionsminderung, Schmerzen nach Sturz/Trauma.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich wirken mehrere Faktoren zusammen, die die Mikrodurchblutung des Mondbeins stören und die mechanische Last erhöhen.

  • Mechanische Überlastung: wiederholte Mikrobewegungen, Vibrationsarbeit, intensive Belastung
  • Anatomische Faktoren: negative ulnare Varianz (relative „Überlänge“ der Speiche), Formvarianten der Handwurzel
  • Vorangegangenes Trauma: Prellungen, Stürze, selten Frakturen
  • Systemische Einflüsse: Rauchen (Mikrozirkulation), selten Kortison-Langzeittherapie oder Gerinnungsstörungen
  • Männliches Geschlecht und Alter 20–40 Jahre – klassische Häufung, aber alle können betroffen sein

Diagnostik in Hamburg: Schritt für Schritt

Wir kombinieren Anamnese, klinische Untersuchung und bildgebende Verfahren, um Stadium und Belastungsmechanik zu verstehen. So leiten wir eine stadiengerechte Behandlung ab.

  1. Klinik: Lokalisation des Druckschmerzes über dem Mondbein, Bewegungsumfang, Greifkraft, Schwellung.
  2. Röntgen beider Handgelenke: Beurteilung der Knochenstruktur, ulnaren Varianz, Zeichen von Kollaps/Arthrose.
  3. MRT (frühestes Stadium erfassbar): Knochenmarksödem, Vitalität des Mondbeins, Bandapparat, Begleitpathologien.
  4. CT (bei fortgeschrittenen Stadien): detaillierte Kollaps- und Frakturlinien-Erfassung.
  5. Arthroskopie (selektiv): stadiengerechte Beurteilung, ggf. therapeutische Schritte.

Differenzialdiagnosen: Morbus Preiser (Durchblutungsstörung des Kahnbeins), Kahnbein-Pseudarthrose, Ganglion, Bandläsionen (z. B. SL-Band), Synovitis oder frühe Arthrosen.

Verlauf und Stadien (Lichtman-Klassifikation)

Die Behandlung orientiert sich am Stadium. Je früher erkannt, desto eher lassen sich Progression und Folgeschäden begrenzen.

  • Stadium I: Röntgen unauffällig, MRT mit Knochenmarksödem; Struktur noch erhalten.
  • Stadium II: Sklerose und Verdichtung im Röntgen, Form erhalten.
  • Stadium IIIA: Beginnender Kollaps des Mondbeins ohne deutliche Fehlstellung der Handwurzel.
  • Stadium IIIB: Kollaps mit Fehlstellung/Instabilität (z. B. Scaphoid-Flexion).
  • Stadium IIIC: sagittale Frakturlinie im Mondbein.
  • Stadium IV: Sekundäre Arthrose im Handgelenk.

Konservative Therapie: zuerst ausschöpfen

In frühen Stadien und bei moderaten Beschwerden ist ein konservatives Vorgehen sinnvoll. Ziel: Schmerzen lindern, Durchblutung nicht weiter kompromittieren und Belastung auf das Mondbein reduzieren.

  • Ruhigstellung/Schiene: individuell angepasste Unterarm-Hand-Schiene für 6–8 Wochen (bei Bedarf Intervallruhigstellung).
  • Belastungsanpassung: Vermeidung von Vibration, Stoßbelastung, schwerem Heben; ergonomische Anpassungen im Beruf.
  • Medikamentös: zeitlich begrenzte, bedarfsorientierte Schmerz- und Entzündungsmedikation (z. B. NSAR) – unter Beachtung individueller Verträglichkeit.
  • Physio-/Ergotherapie: Ödemkontrolle, schmerzarme Mobilisation, Kräftigung der Unterarm- und Handmuskulatur, Alltagsstrategien.
  • Orthesen im Alltag/bei Arbeit: zur Entlastung in belastenden Phasen.
  • Raucherentwöhnung: verbessert die Mikrodurchblutung.

Hinweis: Für manche „regenerativen“ Verfahren (z. B. medikamentöse Knochenaufbau-Therapien, hyperbare Sauerstofftherapie) ist die Evidenz bei Morbus Kienböck begrenzt. Wir beraten transparent zu Chancen und Grenzen und setzen solche Optionen – wenn überhaupt – nur im Rahmen klarer Indikationen ein.

Operative Verfahren: stadiengerecht und gezielt

Eine Operation kommt in Betracht, wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen, eine Progression droht oder bereits strukturelle Schäden vorliegen. Die Auswahl richtet sich nach Stadium, ulnarer Varianz, Gewebequalität und Ihren Funktionszielen.

  • Druckentlastende Osteotomien: ulnare Verkürzungsosteotomie bei negativer ulnarer Varianz; alternativ radiale Verkürzungs- oder Korrekturosteotomie. Ziel: Kraftlinien vom Mondbein weg verlagern.
  • Revaskularisation: vaskularisierte Knochentransplantate (z. B. pedikulierte Knochenspäne) zur Förderung der Durchblutung – vor allem in Stadium II–frühes III.
  • Kopfundruck-Reduktion: z. B. Capitatum-Kürzung (selten, selektiv) zur Entlastung des Mondbeins.
  • Lunatum-erhaltende Verfahren plus temporäre Stabilisierung: Kombinationen aus Knochenaufbau, Draht-/Schraubenfixation.
  • Lunatum-Entfernung (selektiv) mit Stabilisierung: z. B. Scaphokapitat-Fusion nach Lunatektomie, wenn das Mondbein nicht erhalten werden kann.
  • Salvage-Verfahren bei Arthrose/Kollaps: proximale Reihenkarpektomie (PRK) oder partielle Handgelenksversteifungen; totale Arthrodese nur bei weit fortgeschrittener Arthrose und hohem Schmerz.
  • Selektive Denervation des Handgelenks: schmerzlindernd, ohne die Gelenkmechanik zu verändern – Option bei Schmerzen und Erhaltungswunsch der Beweglichkeit.

Arthroskopische Techniken können Diagnose und Therapie kombinieren, z. B. zur Beurteilung von Knorpel- und Bandstatus oder für knöcherne Maßnahmen in ausgewählten Fällen.

Entscheidungsfindung: Wir besprechen Chancen, Risiken, Belastungsziele (Beruf/Sport) und realistische Erwartungen. Ein standardisiertes Schema gibt es nicht – die Therapie wird individuell geplant.

Rehabilitation und Rückkehr in Alltag, Beruf, Sport

Die Nachbehandlung ist entscheidend für das Ergebnis. Sie wird prozedurspezifisch festgelegt und eng mit Handtherapie begleitet.

  • Nach Osteotomien/Revaskularisation: Ruhigstellung 4–8 Wochen, schrittweise Mobilisation ab Woche 3–6, Kräftigung ab Konsolidation.
  • Nach PRK oder Teilversteifung: funktionelle Nachbehandlung, frühfunktionelle Übungen, Alltagsbelastungen ab 6–8 Wochen, volle Belastung später.
  • Arbeitsfähigkeit: bürotätig oft nach 2–6 Wochen, körperlich belastend eher nach 3–6 Monaten – abhängig von Verfahren und Heilverlauf.
  • Sport: individuell freigegeben; startend mit schmerzarmen Aktivitäten (z. B. Ergometer), Kontaktsport/Belastung mit Stoßwirkung deutlich später.

Realistische Ziele sind Schmerzreduktion und Alltagstauglichkeit. Volle Beschwerdefreiheit oder uneingeschränkte Belastbarkeit lassen sich nicht in jedem Fall erreichen.

Prognose und mögliche Komplikationen

Der Verlauf ist variabel. Einige frühe Fälle stabilisieren sich unter Entlastung, andere schreiten trotz Therapie fort. Frühzeitige Diagnose und entlastende Maßnahmen verbessern die Chancen, das Fortschreiten zu bremsen.

  • Mögliche Komplikationen der Erkrankung: Kollaps des Mondbeins, Fehlstellung der Handwurzel, sekundäre Arthrose (radiokarpal/midkarpal).
  • Operationsrisiken: Infektion, verzögerte Knochenheilung/Nichtheilung (v. a. bei Osteotomien), Implantatirritation, anhaltende Schmerzen, Bewegungseinschränkung, Nervenirritationen.
  • Langfristige Ziele: Schmerzreduktion, Funktions- und Kraft-Erhalt, Vermeidung/Verzögerung von Arthrosefolgen.

Wann sollten Sie sich vorstellen?

  • Handgelenksschmerz > 4–6 Wochen oder zunehmende Einschränkungen
  • Druckschmerz über dem Mondbein mit Kraftverlust
  • Beschwerden nach Sturz/Prellung
  • Berufliche Hochbelastung/Vibration mit erneuten Beschwerden

In unserer Praxis in der Dorotheenstraße 48, 22301 Hamburg, klären wir Beschwerden strukturiert ab und besprechen die für Sie passende Behandlung – konservativ zuerst, operativ nur bei klarer Indikation.

Spezielle Situationen

  • Jüngere Patientinnen/Patienten: eher lunatum-erhaltende Verfahren (Revaskularisation/Entlastung) prüfen.
  • Vibrationsarbeit/Schwerarbeit: frühzeitige Ergonomieanpassung, ggf. temporäre Umsetzungen; enge arbeitsmedizinische Abstimmung.
  • Begleiterkrankungen (z. B. Gerinnungsstörungen, Steroidtherapie): Risiko-Nutzen sorgfältig abwägen, interdisziplinär planen.

Unser Vorgehen: transparent, evidenzorientiert

Wir legen Wert auf transparente Aufklärung, realistische Zielvereinbarungen und eine nachvollziehbare Stufenplanung. Wo die Datenlage begrenzt ist, sprechen wir das offen an. Entscheidungen treffen wir gemeinsam mit Ihnen – orientiert an Beschwerden, Lebensumständen und Funktionszielen.

Häufige Fragen

Morbus Kienböck betrifft das Mondbein (Os lunatum), Morbus Preiser das Kahnbein (Os scaphoideum). Beide sind Durchblutungsstörungen der Handwurzel, unterscheiden sich aber in Lokalisation, Mechanik und Therapie. Bei Verdacht klären wir dies per MRT/Röntgen. Mehr Infos finden Sie unter „Morbus Preiser“.

In frühen Stadien kann sich die Symptomatik unter Entlastung und Ruhigstellung bessern und stabilisieren. Eine gesicherte „Selbstheilung“ lässt sich jedoch nicht versprechen. Regelmäßige Kontrollen sind wichtig, um ein Fortschreiten zu erkennen.

Im frühen Stadium ist das MRT die empfindlichste Methode, um die Vitalität des Mondbeins zu beurteilen. Bei fortgeschrittenen Stadien ergänzen Röntgen und ggf. CT die Planung. Die Bildgebung wird individuell festgelegt.

Die „beste“ Operation gibt es nicht für alle. Stadium, ulnare Varianz, Gewebequalität, Beruf/Sport und Ihre Ziele bestimmen das Vorgehen. Optionen reichen von Entlastungsosteotomien und Revaskularisation bis zu PRK oder Teilversteifung in späten Stadien.

Bürotätigkeiten oft nach 2–6 Wochen, körperliche Arbeit nach 3–6 Monaten – abhängig vom Verfahren und Heilverlauf. Sport startet schrittweise mit schmerzarmen Aktivitäten; Kontaktsport später. Handtherapie begleitet die Rückkehr.

Für Injektionen und manche regenerative Ansätze bei Morbus Kienböck ist die Evidenz begrenzt. Wir prüfen solche Optionen nur im Einzelfall, klären nüchtern über Nutzen-Risiko auf und setzen primär bewährte, stadiengerechte Maßnahmen ein.

Handgelenksschmerzen abklären – Termin in Hamburg

Wir beraten Sie in der Dorotheenstraße 48, 22301 Hamburg, individuell und stadiengerecht. Zunächst konservativ, operativ nur bei klarer Indikation.

Information ersetzt keine individuelle Untersuchung. Bei Warnzeichen bitte ärztlich abklären.