Achillessehnen-Tendinitis
Die Achillessehne ist die stärkste Sehne des Körpers – und bei sportlicher oder beruflicher Belastung häufig gereizt. Eine Achillessehnen-Tendinitis verursacht stechende oder ziehende Schmerzen oberhalb der Ferse, oft mit morgendlicher Steifigkeit und Anlaufschmerz. In unserer orthopädischen Praxis in Hamburg behandeln wir vor allem konservativ und strukturiert – mit Lastmanagement, gezieltem Training und, wenn sinnvoll, ergänzenden Verfahren.
- Anatomie: Was leistet die Achillessehne?
- Was ist eine Achillessehnen-Tendinitis?
- Typische Symptome
- Ursachen und Risikofaktoren
- Diagnostik: so gehen wir vor
- Differenzialdiagnosen
- Konservative Therapie: strukturierter Stufenplan
- Regenerative und ergänzende Verfahren – wann sinnvoll?
- Orthesen, Bandagen und Schuhwerk
- Übungen für zu Hause
- Prävention und Belastungssteuerung
- Verlauf und Prognose
- Sicher zurück in Sport und Alltag
- Wann sollten Sie ärztlich abklären?
- Operative Optionen – selten notwendig
- Ihre Behandlung in Hamburg-Winterhude
Anatomie: Was leistet die Achillessehne?
Die Achillessehne verbindet die Wadenmuskulatur (Gastrocnemius und Soleus) mit dem Fersenbein (Calcaneus). Sie überträgt hohe Kräfte beim Gehen, Laufen und Springen. Die mittlere Sehnenzone („Midportion“) liegt 2–6 cm oberhalb des Fersenbeins und ist weniger durchblutet. Das erklärt die Neigung zu Reizzuständen und langsameren Heilungsverläufen.
- Midportion: typische Lokalisation der Tendinitis/Tendinopathie
- Insertion (Ansatz am Fersenbein): eher Enthesiopathie, oft mit Knochensporn oder Schleimbeutelbeteiligung
- Paratenon: dünne Gleitgewebeschicht um die Sehne, kann separat entzünden (Paratendinitis)
Was ist eine Achillessehnen-Tendinitis?
Unter Achillessehnen-Tendinitis versteht man eine schmerzhafte Reizung der Sehne, meist im Midportion-Bereich. Häufig steckt eine Tendinopathie dahinter: ein Reizzustand mit strukturellen Veränderungen, ausgelöst durch Überlastung, ungenügende Regeneration oder biomechanische Faktoren. Akute Entzündungszeichen können vorhanden sein, dominierend ist jedoch eine belastungsabhängige Schmerzsymptomatik.
- Betroffen sind Sporttreibende (z. B. Läuferinnen und Läufer), aber auch beruflich viel Stehende/ Gehende
- Beschwerden entwickeln sich schleichend oder nach einem Belastungssprung
- Frühes Management verbessert den Verlauf
Typische Symptome
- Schmerz und Druckempfindlichkeit 2–6 cm oberhalb der Ferse
- Morgensteifigkeit, Start- bzw. Anlaufschmerz, später Belastungsschmerz
- Schwellung oder Verdickung der Sehne
- Schmerzen bei Treppensteigen, Bergauflaufen, Sprinten
- Gelegentlich Reibegeräusche oder Knirschen bei Paratendinitis
Ursachen und Risikofaktoren
Häufig ist die Sehne durch einen plötzlichen Trainingsanstieg oder monotone Wiederholungsbelastung überfordert. Auch Technik, Schuhwerk und individuelle Faktoren spielen mit.
- Belastung: schneller Umfangs- oder Intensitätsanstieg, viele Bergläufe/Sprints
- Wadenmuskuläre Dysbalance, eingeschränkte Dorsalextension (verkürzte Wadenmuskulatur)
- Fußachse/Fehlstellungen (z. B. Überpronation), Beinlängendifferenzen
- Unpassendes oder verschlissenes Schuhwerk, harter Untergrund
- Systemische Faktoren: Adipositas, Diabetes, Dyslipidämie
- Medikamente: Fluorchinolone, selten Statine (ärztlich abklären)
- Vorangegangene Verletzungen und unzureichende Regeneration
Diagnostik: so gehen wir vor
Am Beginn steht das Gespräch zu Beschwerden, Belastung und Zielen. Es folgt die körperliche Untersuchung mit Funktions- und Provokationstests.
- Inspektion und Palpation: Schmerzpunkt, Verdickung, Erwärmung
- Funktion: Zehenstand, Wadenkraft, Einbein-Hebetest
- Beweglichkeit: Dorsalextension, Silfverskiöld-Test (Gastrocnemius vs. Soleus)
- Ausschluss Sehnenriss: z. B. Thompson-Test bei akutem Traumageschehen
- Ultraschall: Sehnendicke, Faserstruktur, Gleitfähigkeit; optional Doppler (Neovaskularisation)
- MRT: bei unklarer Diagnose, ausbleibendem Ansprechen oder Verdacht auf Teilriss
- Röntgen: v. a. bei Verdacht auf Ansatzprobleme (Knochensporne, Haglund-Konfiguration)
Differenzialdiagnosen
- Achillessehnenansatzreizungen/Enthesiopathie (Insertion) – andere Lokalisation, oft mit retrocalcanearem Schleimbeutel
- Paratendinitis (Entzündung des Gleitgewebes)
- Teilriss oder kompletter Riss der Achillessehne
- Bursitis retrocalcanea, Haglund-Exostose
- Plantarfaszienreizungen im Rückfußbereich
- Referred pain/neuropathische Ursachen, selten Spondyloarthropathien
Konservative Therapie: strukturierter Stufenplan
Die meisten Achillessehnen-Tendinitiden lassen sich mit konservativen Maßnahmen gut behandeln. Entscheidend sind eine angepasste Belastungssteuerung und progressives Krafttraining. Wir planen Therapien individualisiert – an Aktivitätsniveau und Zielsetzung orientiert.
Phase 1: Akutmanagement (1–3 Wochen)
- Relative Ruhe statt vollständiger Immobilisation: Schmerzprovokation vermeiden, Alltagsaktivität dosiert fortführen
- Kühlung nach Belastung, Schmerzniveau beobachten
- Kurzzeitige Einnahme von NSAR kann Schmerzen lindern (ärztliche Rücksprache, keine Langzeitlösung)
- Temporärer Fersenkeil (5–10 mm) zur Lastreduktion für 1–2 Wochen
- Tape/Verbände zur Entlastung, weiche Fersenkappe
- Isometrische Wadenübungen (z. B. 5×45–60 s Halt, mäßige Schmerzintensität tolerabel)
Phase 2: Aufbau (4–12 Wochen)
- Exzentrisches Training oder Schwerlasttraining (HSR): 2× täglich 3×15 Wiederholungen exzentrisch oder 3×/Woche HSR, progressiv steigernd
- Dehnung der Wadenmuskulatur dosiert, ohne starken Schmerz
- Physiotherapie: Manualtherapie, Gleitverbesserung, Technikschulung
- Einlagen/Schuhberatung bei Überpronation oder Achsauffälligkeiten
- Aktivitätsmodifikation: Radfahren/Schwimmen statt Sprint/Berglauf
Phase 3: Return to Running/Sport (ab Woche 8–12)
- Stufenweise Laufprogramme (Walk-Run-Intervall), Schmerz während/nach Belastung ≤ 3–4/10
- Sprung- und Plyometrieelemente erst, wenn Alltags- und Laufbelastungen beschwerdearm
- Weiterführung von Krafttraining 2–3×/Woche zur Rezidivprophylaxe
Schmerz ist ein Leitsignal: leichte Beschwerden sind im Aufbau tolerierbar, deutliche Zunahme nach 24–48 Stunden spricht für Überlastung und erfordert Anpassungen.
Regenerative und ergänzende Verfahren – wann sinnvoll?
Wenn strukturierte Basistherapie über mehrere Wochen nicht ausreichend greift, können ergänzende Verfahren erwogen werden. Wir klären sorgfältig über Nutzen, Risiken und Evidenzlage auf.
- Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT): kann Schmerzen reduzieren und die Heilung stimulieren, v. a. bei persistierender Midportion-Tendinopathie
- Autologes konditioniertes Plasma (ACP/PRP): Studienlage gemischt; Option bei therapieresistenter Symptomatik
- Infiltrationen: Kortison wird in die Sehne nicht injiziert (erhöhtes Rupturrisiko). Paratendinöse, ultraschallgezielte Maßnahmen werden individuell abgewogen.
- Dry Needling/Peeling-Techniken werden nur in ausgewählten Fällen eingesetzt
Orthesen, Bandagen und Schuhwerk
- Temporäre Fersenkeile und Achillessehnenbandagen können die Lastspitze reduzieren
- Stabile, gut gedämpfte Laufschuhe; bei Bedarf Pronationskontrolle
- Einlagenversorgung bei Achsabweichungen oder funktioneller Überpronation
- Barfuß- oder Minimal-Schuhkonzepte nur schrittweise und nach Stabilitätsaufbau
Übungen für zu Hause
- Exzentrische Wadenübung an der Stufe: Beidbeinig hoch, betroffene Seite langsam (3–4 s) absenken. 3 Sätze à 15 Wdh., 2× täglich. Steigerung mit Zusatzgewicht.
- Isometrischer Waden-Hold: Im Zehenstand 45–60 s halten, moderate Spannung. 5 Wiederholungen, 1–2× täglich.
- Fußgewölbe-Training („Short Foot“): Vorfuß und Ferse am Boden, Längsgewölbe aktiv anheben ohne Zehenkrallen. 3×10–15 Wiederholungen.
Übungen sollten fordernd, aber kontrolliert sein. Schmerzen bis etwa 3/10 sind tolerabel, anhaltender Nachbeschwerdeschub erfordert Anpassung.
Prävention und Belastungssteuerung
- Belastung langsam steigern (z. B. 10%-Regel), Erholungstage einplanen
- Regelmäßiges Waden- und Hüftkrafttraining
- Technik- und Schrittschulung, Varianz im Training (Untergrund, Tempo)
- Aufwärmen vor intensiven Einheiten, Cool-down danach
- Schuhe rechtzeitig wechseln; Einlagen prüfen
- Bei ersten Warnzeichen frühzeitig reagieren
Verlauf und Prognose
Mit konsequenter konservativer Therapie bessern sich Beschwerden häufig innerhalb von 6–12 Wochen. Eine vollständige Belastungsnormalisierung kann 3–6 Monate dauern, bei chronischen Verläufen länger. Kontinuität und ein strukturiertes Kraftprogramm sind entscheidend, um Rückfälle zu vermeiden.
Sicher zurück in Sport und Alltag
- Schmerzarm im Alltag, einbeiniger Zehenstand schmerzfrei ausführbar
- Laufintervallprogramm ohne deutliche Reaktion am Folgetag
- Plyometrie erst, wenn Sprungtests (beid-/einbeinig) ohne Nachbeschwerden möglich
- Krafttraining beibehalten, Umfänge schrittweise erhöhen
Wann sollten Sie ärztlich abklären?
- Akuter, peitschenknallartiger Schmerz mit plötzlicher Schwäche – Verdacht auf Riss
- Zunehmende Ruheschmerzen, deutliche Schwellung/Überwärmung
- Beschwerden > 4–6 Wochen trotz Anpassung der Belastung
- Begleitende systemische Erkrankungen oder Medikamentenfragen (z. B. Fluorchinolone)
Operative Optionen – selten notwendig
Operationen sind eine Option, wenn nach 6–12 Monaten konsequenter konservativer Therapie keine ausreichende Besserung eintritt oder relevante strukturelle Schäden bestehen. Verfahren umfassen u. a. Debridement degenerativer Anteile, Paratenolyse oder gastrocnemius recession bei funktioneller Verkürzung. Die Indikation wird zurückhaltend und individuell gestellt.
Nach Operation sind eine strukturierte Nachbehandlung, gedosste Belastung und langfristiges Krafttraining wichtig. Über Risiken, mögliche Komplikationen und den realistischen Nutzen klären wir im persönlichen Gespräch auf.
Ihre Behandlung in Hamburg-Winterhude
Unsere Praxis in der Dorotheenstraße 48, 22301 Hamburg, ist auf konservative Orthopädie und gelenkerhaltende Therapien spezialisiert. Wir kombinieren genaue Diagnostik mit einem klaren Reha-Fahrplan, abgestimmt auf Ihren Alltag oder Sport. Termine sind flexibel über Doctolib oder per E-Mail anfragbar.
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Orthopädische Sprechstunde in Hamburg
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Information ersetzt keine individuelle Untersuchung. Bei Warnzeichen bitte ärztlich abklären.