Distale Radiusfraktur

Die distale Radiusfraktur – umgangssprachlich Speichenbruch – ist der häufigste Bruch am Handgelenk. Meist entsteht sie durch einen Sturz auf die ausgestreckte Hand. Je nach Bruchform kann eine konsequente konservative Behandlung mit Ruhigstellung ausreichen; bei instabilen oder Gelenkbeteiligungen ist eine operative Stabilisierung sinnvoll. In unserer orthopädischen Praxis in Hamburg (Dorotheenstraße 48, 22301 Hamburg) beraten wir Sie individuell, evidenzbasiert und ohne Heilversprechen.

Konservative & regenerative Orthopädie – Operation nur als letzte Option.

Kurzüberblick: Was ist eine distale Radiusfraktur?

Bei der distalen Radiusfraktur bricht die Speiche nahe des Handgelenks. Häufig sind ältere Menschen mit Osteoporose nach einem Stolpersturz betroffen, aber auch Sport- und Verkehrsunfälle bei Jüngeren kommen vor. Die Fraktur kann außerhalb des Gelenks (extraartikulär) oder unter Beteiligung der Gelenkfläche (intraartikulär) verlaufen und mit einer Verletzung der Gelenkstabilität zur Elle (DRUJ) einhergehen.

  • Typische Mechanik: Sturz auf die Hand (FOOSH) – meist Dorsalabkippung (Colles-Fraktur), seltener Volarabkippung (Smith-Fraktur).
  • Leitsymptome: Schmerzen, Schwellung, Fehlstellung, Bewegungseinschränkung, Druckschmerz am Speichenende.
  • Diagnostik: Klinische Untersuchung, Röntgen in 2 Ebenen; bei komplexen Frakturen CT.
  • Therapie: Ruhigstellung und Reposition bei stabilen Frakturen; Operation bei Instabilität, Gelenkstufe, starker Fehlstellung oder drohender Fehlheilung.
  • Heilungszeit: Knochenheilung ca. 6–8 Wochen; volle Belastbarkeit oft erst nach 3–6 Monaten.

Anatomie: Warum ist das Speichenende so wichtig?

Die distale Speiche bildet mit der distalen Elle das distale Radioulnargelenk (DRUJ) und zusammen mit den Handwurzelknochen das Handgelenk. Die Gelenkstabilität sichern Bänder und der TFCC-Komplex (disko-ligamentärer Knorpelkomplex an der Ulnarseite). Nerven (v. a. N. medianus) und Sehnen der Fingerstrecker/-beuger verlaufen eng am Handgelenk. Schon kleine Stufen in der Gelenkfläche können die Gleitfunktion beeinträchtigen und später zu Arthrose führen.

  • Gelenkachse und Kraftübertragung: Das Radiusende trägt den Großteil der Last.
  • DRUJ und TFCC: Verantwortlich für Unterarmdrehbewegungen (Pro-/Supination).
  • Nachbarschaft: Medianusnerv (Karpaltunnel), Strecksehnen dorsal – relevant für Komplikationen.

Ursachen und Risikofaktoren

Typischer Auslöser ist der Sturz auf die ausgestreckte Hand. Bei Älteren reichen oft geringe Energien (Osteoporose), bei Jüngeren sind es häufig Sport- oder Verkehrsunfälle mit höherer Energie.

  • Sturzmechanismus: Dorsale Krafteinwirkung → Colles-Fraktur; volare Krafteinwirkung → Smith-Fraktur.
  • Hochrasanztrauma: Komplexe, mehrfragmentäre, intraartikuläre Frakturen möglich.
  • Risikofaktoren: Osteoporose, Gleichgewichtsstörungen, Sehprobleme, bestimmte Medikamente, vorherige Stürze.

Symptome

  • Akute Schmerzen am Handgelenk, belastungs- und bewegungsabhängig
  • Schwellung, Hämatom, gelegentlich sichtbare Fehlstellung (Bajonett- oder Gabeldeformität)
  • Druckschmerz über dem Speichenende, eingeschränkte Beweglichkeit
  • Kribbeln/Taubheit im Daumen–Mittelfingerbereich (Hinweis auf Medianusreizung)
  • Greifschwäche, Schonhaltung

Warnzeichen: Wann sofort abklären?

  • Offene Fraktur (sichtbarer Knochen/Wunde über dem Bruch)
  • Starke Fehlstellung, anhaltende Taubheit/Kribbeln oder zunehmende Schmerzen
  • Blasse, kalte Hand oder fehlender Puls (Durchblutungsstörung)
  • Unerträgliche Schmerzen trotz Schmerzmitteln oder ausgeprägte Spannungsschmerzen (Kompartment-Syndrom-Verdacht)

Bei diesen Zeichen bitte umgehend in eine Notaufnahme. Ansonsten zeitnah orthopädisch vorstellen.

Diagnostik: So gehen wir vor

Die Diagnostik kombiniert Anamnese, klinische Untersuchung (Durchblutung, Motorik, Sensibilität, DRUJ-Stabilität) und Bildgebung.

  • Röntgen pa und seitlich (ggf. Schrägaufnahme): Beurteilung von Achsen, Verkürzung, Gelenkbeteiligung, Trümmerzone.
  • CT: Bei intraartikulären Frakturen oder unklarer Gelenkstufe/Trümmerausdehnung.
  • MRT: Selten initial; bei Verdacht auf Band-/TFCC-Verletzung oder okkulte Begleitverletzungen.
  • Sonografie: Beurteilung von Sehnenlager; Weichteilhämatome.
  • Klinische Tests: DRUJ-Instabilität, Medianuskompression (Karpaltunnel).

Klassifikation und Begriffe

  • Eponyme: Colles (dorsal abgekippt), Smith (volar abgekippt), Barton (randnah, intraartikulär, dorsal oder volar).
  • AO-Klassifikation: 23-A (extraartikulär), 23-B (teilweise intraartikulär), 23-C (komplett intraartikulär).
  • Begleitverletzungen: Ulnastyloïdfraktur, TFCC-Läsion, DRUJ-Instabilität, Bandverletzungen der Handwurzel.

Therapie: konservativ oder Operation?

Ziel ist eine schmerzfreie, funktionelle Wiederherstellung mit stabiler Achse und möglichst glatter Gelenkfläche. Die Wahl zwischen konservativ und operativ richtet sich nach Stabilität, Gelenkbeteiligung, Fehlstellung, biologischem Alter, Anspruch und Begleiterkrankungen.

Konservative Behandlung (bei stabilen Frakturen)

  • Indikation (typische Kriterien): Dorsalneigung < 10°, Verkürzung < 3 mm, Gelenkstufe < 2 mm, keine relevante Trümmerzone, stabile Reposition im Verlauf.
  • Vorgehen: Schmerzlinderung, ggf. geschlossene Reposition in Analgosedierung, Ruhigstellung im Unterarmgips oder abnehmbaren Cast/Orthese für 4–6 Wochen.
  • Kontrollen: Röntgen nach 1 Woche (Stabilität), bei Bedarf nach 2–3 Wochen; klinische Verlaufskontrollen.
  • Frühfunktion: Aktive Finger-/Schulterbewegung sofort; Handgelenksmobilisation nach ärztlicher Freigabe.
  • Vorteile: Keine OP-Risiken; Nachteile: längere Immobilisation, Risiko der Sekundärdislokation.

Operative Behandlung (bei Instabilität oder Gelenkbeteiligung)

  • Indikationen: Intraartikuläre Stufe/Spalt > 2 mm, relevante Achsabweichung/Verkürzung, sekundäre Dislokation unter Gips, offene Fraktur, kombinierte DRUJ-Instabilität, hohe funktionelle Ansprüche.
  • Ziele: Anatomische Reposition, stabile Fixation für frühfunktionelle Nachbehandlung.
  • Timing: Meist innerhalb weniger Tage nach dem Trauma; Weichteilschwellung berücksichtigen.

Operationstechniken im Überblick

  • Volare winkelstabile Plattenosteosynthese: Standard bei vielen extra- und intraartikulären Frakturen; erlaubt frühe Mobilisation.
  • Perkutane Drahtosteosynthese (K‑Drähte): Bei einfachen, stabil reponierbaren Frakturen.
  • Externer Fixateur/Bridging: Bei hochinstabilen, stark geschwollenen oder offenen Frakturen, oft als temporäre Lösung.
  • Volar/dorsal gerichtete Schrauben/Miniplatten: Bei Randfrakturen (Barton) oder dorsalen Fragmenten.
  • Begleitmaßnahmen: TFCC-Behandlung, temporäre DRUJ-Ruhigstellung; Ulnastyloïd wird selektiv versorgt, wenn funktionell instabil.

Operationsrisiken werden sorgfältig abgewogen: Infektion, Nervenreizung (v. a. N. medianus), Sehnenirritation/-ruptur (z. B. EPL), Materialprobleme, Verkalkungen, schmerzhafte Narben. Eine differenzierte Indikationsstellung und saubere Nachbehandlung reduzieren Komplikationen.

Nachbehandlung und Rehabilitation

Eine strukturierte Nachbehandlung ist entscheidend für die Funktion. Ziel ist die kontrollierte, schrittweise Steigerung von Beweglichkeit und Belastbarkeit.

  • Schmerz- und Schwellungsmanagement: Hochlagerung, Kühlung (kurzzeitig), angemessene Analgesie nach ärztlicher Empfehlung.
  • Wund-/Gipskontrolle: Druckstellen, Taubheit, starke Schmerzen frühzeitig melden.
  • Bewegung: Finger, Ellbogen, Schulter sofort aktiv bewegen; Handgelenk je nach Stabilität und Verfahren.
  • Physio-/Ergotherapie: Gelenkbeweglichkeit, Narbenpflege, Ödemreduktion, Griffkrafttraining.
  • Belastung: Alltagsbelastung nach Konsens; schwere Lasten frühestens nach knöcherner Heilung (ca. 6–8 Wochen), sportliche Belastung schrittweise ab 8–12 Wochen.
  • Kontrollröntgen: Typischerweise nach 1–2 und 6 Wochen; bei OP nach Protokoll.
  • Arbeitsfähigkeit: Schreibtischtätigkeit oft nach 1–2 Wochen (OP) bzw. 2–3 Wochen (konservativ) möglich; manuelle Arbeit meist nach 6–10 Wochen – individuell variabel.

Mögliche Komplikationen

  • Sekundärdislokation, Fehlheilung (Achsen-/Längenfehler), Gelenkstufe → spätere Arthrose
  • DRUJ-Instabilität, schmerzhafte Bewegungseinschränkung
  • Nervenprobleme: Medianuskompression/Karpaltunnelsyndrom
  • Sehnenirritation oder -ruptur (z. B. lange Daumenstrecksehne, EPL)
  • Komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS, Morbus Sudeck)
  • Pseudarthrose (selten), Infektion (v. a. nach OP)

Frühe Erkennung und Anpassung der Behandlung verbessern die Ergebnisse. Bei anhaltenden Beschwerden prüfen wir gezielt Begleitursachen und leiten weitere Schritte ein.

Heilungsverlauf und Prognose

  • Knochenheilung: Meist 6–8 Wochen; biologische Heilung variiert.
  • Funktion: Alltagsfunktionen oft nach 8–12 Wochen; Kraft und Endbeweglichkeit verbessern sich über Monate.
  • Prognosefaktoren: Alter, Osteoporose, Frakturtyp (intraartikulär ungünstiger), Genauigkeit der Reposition, konsequente Nachbehandlung.

Ein voll belastbarer Zustand ist nicht garantiert und hängt von vielen Faktoren ab. Unser Ziel ist eine bestmögliche, alltags- und berufsorientierte Wiederherstellung.

Erste Hilfe und Selbsthilfe – was Sie selbst tun können

  • Ruhigstellen und Hochlagern des Handgelenks nach dem Unfall; Kühlen in kurzen Intervallen.
  • Schmerzmittel nur nach Rücksprache/anhand ärztlicher Empfehlung.
  • Schmuck (Ringe/Uhren) früh abnehmen, bevor Schwellung zunimmt.
  • Rauchen vermeiden – kann die Knochenheilung beeinträchtigen.
  • Übungen für Finger/Schulter gemäß Anleitung; Überlastungen vermeiden.

Prävention und Osteoporose-Check

Nach Speichenbrüchen im höheren Alter lohnt die Abklärung einer Osteoporose. Sturzprävention und Knochengesundheit reduzieren das Risiko weiterer Frakturen.

  • Vitamin D/Kalzium-Zufuhr, knochengesunde Ernährung
  • Kraft- und Gleichgewichtstraining, Hilfsmittel prüfen
  • Medikamentöse Osteoporosetherapie gemäß Leitlinie (nach Abklärung)
  • Sicheres Wohnumfeld: Teppichkanten, Beleuchtung, Handläufe

Spezialfälle: Kinder, Sportler, komplexe Verletzungen

  • Kinder/Jugendliche: Häufig Wachstumsfugenbeteiligung; besondere Heilungstendenz, aber korrekte Achsenstellung wichtig.
  • Sportler/Manuelle Berufe: Anspruch an frühe Funktion; stabile Fixation und eng geführte Rehabilitation sind zentral.
  • Komplexe Trümmer-/intraartikuläre Frakturen: Ggf. schrittweises Vorgehen mit temporärer Stabilisierung, CT-gestützte Planung.

Behandlung in Hamburg: Seriös, leitliniennah, individuell

In unserer Praxis in Hamburg-Winterhude (Dorotheenstraße 48, 22301 Hamburg) beraten wir Sie zu konservativen und operativen Optionen. Wir legen Wert auf eine sorgfältige Indikationsstellung, klare Aufklärung und eine strukturierte, alltagsorientierte Nachbehandlung. Regenerative Verfahren oder Infiltrationen kommen bei Begleitproblemen nur nach sorgfältiger Abwägung zum Einsatz.

Häufige Fragen

Nein. Viele stabile, extraartikuläre Frakturen lassen sich nach Reposition konservativ mit Gips/Orthese behandeln. Operiert wird bei Instabilität, Gelenkstufe, relevanter Fehlstellung, offener Fraktur oder hohen funktionellen Ansprüchen. Die Entscheidung erfolgt individuell nach Bildgebung und Untersuchung.

Die knöcherne Heilung dauert meist 6–8 Wochen. Beweglichkeit und Kraft verbessern sich darüber hinaus mehrere Monate. Frühe, angeleitete Übungen beschleunigen die funktionelle Erholung, Überlastung sollte vermieden werden.

Hinweise sind starke Fehlstellung, Gelenkbeteiligung, Trümmerzone, Verkürzung und sekundäre Verrückung in den ersten Wochen. Dies wird im Röntgen/CT beurteilt. Eine stabile Fraktur bleibt in akzeptabler Stellung und zeigt keinen sekundären Korrekturverlust.

Finger, Ellbogen und Schulter sofort aktiv bewegen. Das Handgelenk wird je nach Stabilität und Versorgung schrittweise mobilisiert: nach Plattenosteosynthese oft frühfunktionell, bei konservativer Therapie meist nach einigen Wochen. Bitte dem ärztlichen Plan folgen.

Aus Sicherheits- und Haftungsgründen wird davon abgeraten. Die Fahreignung ist eingeschränkt. Klären Sie die individuelle Situation mit Ihrem behandelnden Arzt und der Versicherung.

Mögliche Komplikationen sind Fehlstellung, DRUJ-Instabilität, schmerzhafte Bewegungseinschränkung, Medianuskompression, Sehnenprobleme (EPL), CRPS, Infektion nach OP und selten Pseudarthrose. Frühzeitige Kontrollen verringern Risiken.

Bei der Colles-Fraktur kippt das distale Fragment nach dorsal (typisch nach Sturz auf die Handfläche). Bei der Smith-Fraktur kippt es nach volar (Sturz auf den Handrücken). Therapie richtet sich nach Stabilität und Ausmaß.

Ja, besonders bei Frakturen ab dem mittleren/älteren Lebensalter ohne Hochenergie-Trauma. Eine Abklärung kann weitere Brüche verhindern helfen.

Beratung zur distalen Radiusfraktur in Hamburg

Sie wünschen eine fundierte Einschätzung zu konservativer oder operativer Behandlung und zur Nachbehandlung? Vereinbaren Sie einen Termin in unserer Praxis in der Dorotheenstraße 48, 22301 Hamburg.

Information ersetzt keine individuelle Untersuchung. Bei Warnzeichen bitte ärztlich abklären.