Retrocalcaneare Bursitis

Die retrocalcaneare Bursitis ist eine schmerzhafte Entzündung des Schleimbeutels, der zwischen der Achillessehne und dem Fersenbein (Calcaneus) liegt. Sie verursacht typischerweise Schmerzen an der hinteren Ferse, vor allem beim Gehen, Laufen, Treppensteigen oder beim Tragen harter Schuhkappen. Häufig besteht ein Zusammenhang mit einer knöchernen Kante am Fersenbein (Haglund-Exostose) und/oder einer Reizung der Achillessehne. In unserer orthopädischen Praxis in Hamburg behandeln wir diese Beschwerde evidenzbasiert – konservativ zuerst, individuell abgestimmt und mit klarer Aufklärung.

Konservative & regenerative Orthopädie – Operation nur als letzte Option.

Anatomie: Was ist die retrocalcaneare Bursa?

Schleimbeutel (Bursen) sind kleine, flüssigkeitsgefüllte Puffer zwischen Sehnen, Knochen und Haut. Die retrocalcaneare Bursa liegt tief zwischen der Achillessehne und dem oberen hinteren Anteil des Fersenbeins. Sie reduziert Reibung beim Abrollen und bei der Dorsalflexion (Anheben des Fußes).

Wichtig: Sie ist von der oberflächlichen (subkutanen) Bursa zu unterscheiden, die zwischen Haut und Achillessehne liegt. Beschwerden können eine oder beide Bursen betreffen. Eine posterosuperiore Knochenvorsprung am Fersenbein (Haglund-Exostose) kann die Bursa mechanisch reizen.

  • Lage: zwischen Achillessehne und Fersenbein
  • Funktion: Reibungsreduktion und Druckentlastung
  • Nachbarn: Achillessehne, Haglund-Region, oberflächliche Bursa

Ursachen und Risikofaktoren

Die retrocalcaneare Bursa kann sich durch wiederholte mechanische Reizung oder Druck entzünden. Häufig liegt eine Kombination aus anatomischen Faktoren und Belastungsfehlern vor.

  • Mechanische Irritation durch Haglund-Exostose (posterosuperiore Fersenbein-Prominenz)
  • Erhöhte Zugkräfte durch verkürzte Wadenmuskulatur/limitierte Dorsalflexion (Equinus)
  • Fehlstellungen und -belastungen am Rückfuß (z. B. Valgus), Beinachsen- und Gangbildfaktoren
  • Sportliche Überlastung (insb. Lauf-, Sprung-, Feldsport), rasche Trainingssteigerung, bergauf Laufen
  • Ungeeignetes Schuhwerk (harte Fersenkappen, enge Fersenschalen)
  • Begleitende Achillessehnenreizung an der Insertion (Insertionstendinopathie)
  • Systemische Faktoren: entzündlich-rheumatische Erkrankungen, metabolische Faktoren (z. B. Gicht) – seltener

Symptome: Woran erkenne ich eine retrocalcaneare Bursitis?

  • Schmerz an der hinteren Ferse, tiefliegend vor der Achillessehne
  • Verstärkung bei Druck durch Schuhkappen, beim Anlaufen, Treppensteigen oder Dorsalflexion
  • Schwellung/verdicktes Gewebe seitlich der Achillessehne, mitunter Rötung und Wärme
  • Morgensteifigkeit oder Anlaufschmerz
  • Mitbeteiligung der Achillessehne möglich: Druckschmerz an der Sehneninsertion

Warnzeichen, die abgeklärt werden sollten: plötzlich einschießender Schmerz mit Knall und Funktionsverlust (Verdacht auf Achillessehnenriss), starke Rötung/Überwärmung mit Fieber (Infektion), ausgedehnte Nachtschmerzen ohne Belastung (selten, aber abklärungsbedürftig).

Diagnostik in der Praxis

Die Diagnose beruht auf einem strukturierten Gespräch, der klinischen Untersuchung und – wenn sinnvoll – bildgebenden Verfahren. Ziel ist, die Schmerzquelle präzise zuzuordnen und begünstigende Faktoren zu erkennen.

  • Klinik: Inspektion auf Schwellung/Prominenz, Druckschmerz tief vor der Achillessehne, Schmerzprovokation bei Dorsalflexion
  • Funktionsprüfung: Beweglichkeit des Sprunggelenks, Wadenlängen-Test, Fußachsenanalyse
  • Sonografie (in der Praxis): Darstellung der Bursa (ergussgefüllt, verdickt), Hypervaskularisation im Power-Doppler, Beurteilung der Achillessehne
  • Röntgen seitlich (bei Verdacht auf Haglund): knöcherne Prominenz, Form des Fersenbeins
  • MRT (selektiv): bei unklarer Diagnose, Verdacht auf ausgeprägte Sehnenbeteiligung oder Operationsplanung

Labordiagnostik ist nur bei Verdacht auf systemische Entzündung oder Kristallablagerungen (z. B. Gicht) angezeigt.

Differenzialdiagnosen

Rückseitiger Fersenschmerz kann verschiedene Ursachen haben. Eine sorgfältige Abgrenzung ist wichtig, um zielgerichtet zu behandeln.

  • Insertionale Achillessehnen-Tendinopathie (mit/ohne Verkalkungen)
  • Oberflächliche (subkutane) Achillessehnen-Bursitis
  • Haglund-Exostose/-Syndrom (Kombination aus Exostose, Bursitis und Sehnenreizung)
  • Partielle Achillessehnenläsion bis Ruptur
  • Entzündlich-rheumatische Beteiligung der Sehne/Bursa
  • Seltener: Infektion, Gicht
  • Weitere Fersenschmerz-Ursachen: Baxter-Neuropathie (plantar), Tarsaltunnelsyndrom (neuropathisch, medial), posteriorer Sprunggelenksimpingement

Konservative Therapie: Schritt für Schritt

In der überwiegenden Mehrzahl lassen sich Beschwerden konservativ kontrollieren. Die Behandlung orientiert sich an Schmerz, Funktion und den auslösenden Faktoren. Ein strukturierter Plan kombiniert Laststeuerung, gezieltes Training, Schuh-/Hilfsmittelanpassung und – bei Bedarf – ergänzende Maßnahmen.

  1. Belastungsanpassung: relative Ruhe, Reduktion schmerzauslösender Aktivitäten (Bergauf-Läufe, Sprünge), allmählicher Wiedereinstieg
  2. Schuhwerk optimieren: weiche Fersenkappen, ausreichend Fersenfreiheit; temporär Fersenerhöhung/Heel-Lifts (5–10 mm) zur Zugentlastung
  3. Kühlung lokal (10–15 Minuten, 2–3×/Tag) in der Akutphase
  4. Medikamentös: entzündungshemmende Salben; ggf. kurzzeitig orale NSAR – nach Nutzen-Risiko-Abwägung
  5. Physiotherapie: manualtherapeutische Weichteiltechniken, Mobilisation Sprunggelenk, progressive Waden- und Sehnenbelastung
  6. Gezieltes Übungsprogramm (siehe unten): isometrisch → konzentrisch → exzentrisch, schmerzangepasst
  7. Taping/Polsterung: Druckentlastung der Fersenkappe
  8. Einlagen/Orthesen bei Achsabweichungen: Stabilisation des Rückfußes (z. B. Pronationskontrolle)

Stoßwellentherapie (ESWT) kann bei Begleitbefunden wie insertionaler Achillessehnenreizung erwogen werden. Die Evidenz für reine Bursitis ist begrenzt, in der Praxis kann ESWT jedoch als ergänzende Option zur Schmerzlinderung diskutiert werden.

Physiotherapie und Übungen: sicher und wirksam

Ziel ist die Reduktion der Reizung, die Verbesserung der Sehnentoleranz und die Entlastung der Bursa durch optimierte Bewegungsmuster. Übungen werden schmerzgeführt dosiert: ein leichter, tolerabler Trainingsschmerz ist akzeptabel; stechender oder länger anhaltender Schmerz spricht für Anpassungsbedarf.

  • Isometrische Wadenübungen: 5×45–60 Sekunden auf dem Vorfuß stehen (neutral, nicht in maximale Dorsalflexion), 1–2× täglich
  • Konzentrisch-exzentrische Wadenheben an der Stufe, aber mit begrenzter Dorsalflexion (Ferse nicht zu tief absenken) bei insertionaler Beteiligung
  • Dehnung Wadenmuskulatur (Gastrocnemius/Soleus) moderat und schmerzarm, 3×30–45 Sekunden, 1–2× täglich
  • Propriozeption/Balance: Einbeinstand, instabile Unterlagen – Stabilität des Rückfußes
  • Hüft-/Kernmuskulatur: Gluteale Kräftigung zur Verbesserung der Beinachsenkontrolle

Progression erfolgt alle 1–2 Wochen nach Beschwerdebild. Laufen und Sprünge werden erst dann gesteigert, wenn Gehen und Treppensteigen weitgehend beschwerdearm sind.

Injektionen und regenerative Verfahren: mit Bedacht

Injektionstherapien können Einzelfällen vorbehalten sein, wenn konservative Basismaßnahmen ausgeschöpft wurden. Eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung ist entscheidend.

  • Ultraschallgezielte Injektion in die retrocalcaneare Bursa: kann Entzündungssymptome reduzieren. Kortikosteroide werden – wenn überhaupt – sehr zurückhaltend eingesetzt, da Fehlplatzierung nahe/in die Achillessehne das Rupturrisiko erhöht. Durchführung nur zielgenau und unter Aufklärung.
  • Hyaluronat oder lokalanästhetische Spülungen werden in manchen Fällen diskutiert; Evidenzlage begrenzt.
  • PRP/ACP (Eigenblutpräparate): Datenlage für reine Bursitis ist uneinheitlich und schwächer als für Tendinopathien. Kann in therapierefraktären Situationen erwogen werden – ohne Garantie auf Wirkung.

Wir besprechen mit Ihnen transparent, welche Optionen in Ihrem Fall sinnvoll sind und welche Erwartungen realistisch sind.

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Operative Maßnahmen kommen erst in Betracht, wenn eine fachgerecht durchgeführte konservative Therapie über mehrere Monate keine ausreichende Besserung bringt oder wenn eine ausgeprägte knöcherne Prominenz (Haglund-Exostose) die Bursa dauerhaft mechanisch irritiert.

  • Endoskopische oder offene Bursektomie (Entfernung des entzündeten Schleimbeutels)
  • Kalkaneoplastik/Abtragung der Haglund-Exostose zur Druckreduktion
  • Bei relevanter Sehnenbeteiligung: zusätzliche Maßnahmen an der Achillessehne (z. B. Debridement, Refixation) – individuell geplant

Eingriffe erfordern eine strukturierte Nachbehandlung mit temporärer Entlastung, stufenweiser Belastungssteigerung und Physiotherapie. Ziel und erwartbarer Verlauf werden vorab ausführlich besprochen.

Verlauf und Prognose

Viele Patientinnen und Patienten berichten unter konsequenter konservativer Therapie über eine deutliche Besserung innerhalb von 6–12 Wochen. Bei kombinierter insertionaler Achillessehnenreizung kann die Rehabilitation länger dauern (mehrere Monate).

  • Frühe Anpassung von Schuhwerk und Belastung fördert die Heilung.
  • Eine zu aggressive Dehnung in maximale Dorsalflexion kann die Bursa in der Frühphase reizen – dosieren Sie behutsam.
  • Rückfälle sind möglich, wenn mechanische Auslöser (z. B. harte Fersenkappen, Trainingsfehler) bestehen bleiben – Prävention ist Teil der Therapie.

Was Sie selbst tun können – Prävention

  • Trainingsfehler vermeiden: langsame Steigerungen, besonders bei Laufumfang und Höhenmetern
  • Wadenflexibilität regelmäßig pflegen, ohne in Schmerzbereiche zu dehnen
  • Geeignetes Schuhwerk: ausreichend Fersenraum, weiche Kappen; rechtzeitig wechseln, wenn abgenutzt
  • Bei ersten Reizzeichen: Belastung reduzieren, kühlen, Fersenerhöhung prüfen
  • Rückfuß- und Beinachsenkontrolle trainieren (Kraft/Balance); Einlagen bei Indikation

Ihre Behandlung in Hamburg-Winterhude

In unserer Praxis in der Dorotheenstraße 48, 22301 Hamburg, erhalten Sie eine sorgfältige Diagnostik mit klinischer Untersuchung und hochauflösender Sonografie. Wir erstellen einen individuellen Behandlungsplan mit klarer Priorität auf konservativen Maßnahmen, begleiten die Umsetzung (Physiotherapie, Übungssteuerung, Schuh-/Einlagenberatung) und besprechen zusätzliche Optionen, wenn erforderlich.

Terminwunsch? Nutzen Sie gern Doctolib oder schreiben Sie uns eine E-Mail – wir melden uns zeitnah zurück.

Häufige Fragen

Die retrocalcaneare Bursa liegt tief zwischen Achillessehne und Fersenbein; die oberflächliche Bursa liegt zwischen Haut und Sehne. Tiefe Bursitis verursacht meist druckabhängige Schmerzen bei Dorsalflexion und Reibung an der knöchernen Hinterkante; die oberflächliche zeigt häufiger sichtbare Rötung/Schwellung direkt unter der Haut.

Nein. Eine Haglund-Exostose kann die Bursa mechanisch reizen, ist aber nicht in jedem Fall vorhanden. Auch Schuhdruck, eingeschränkte Dorsalflexion, Trainingsfehler oder eine Sehnenreizung können ursächlich sein.

Ja, sofern die Schmerzen mild sind und nach der Belastung rasch abklingen. Reduzieren Sie Intensität/Umfang, vermeiden Sie Steigungen und harte Fersenkappen. Bei anhaltenden oder zunehmenden Schmerzen ist eine Laufpause mit alternativen Aktivitäten (Rad, Schwimmen) sinnvoll.

Unter konsequenter konservativer Behandlung bessern sich Beschwerden häufig innerhalb von 6–12 Wochen. Bei gleichzeitiger insertionaler Achillessehnenbeteiligung kann die Rehabilitation länger dauern. Der Verlauf ist individuell.

Ultraschallgezielte Injektionen können bei sorgfältiger Indikationsstellung helfen. Kortison-nahe Injektionen bergen ein Risiko für Sehnenkomplikationen, wenn sie in oder zu nah an die Achillessehne gelangen. Daher werden sie zurückhaltend, zielgenau und nur nach Aufklärung eingesetzt.

Erst nach Ausschöpfen konservativer Optionen über mehrere Monate oder bei ausgeprägter knöcherner Prominenz mit persistierender Reizung. Verfahren sind z. B. Bursektomie und Abtragung einer Haglund-Exostose. Die Entscheidung ist individuell und erfolgt nach ausführlicher Beratung.

Rückseitiger Fersenschmerz? Wir helfen weiter.

Individuelle Diagnostik und konservative Therapie bei retrocalcaneare Bursitis in Hamburg-Winterhude. Termin in der Dorotheenstraße 48, 22301 Hamburg.

Information ersetzt keine individuelle Untersuchung. Bei Warnzeichen bitte ärztlich abklären.