Achillessehnenriss

Ein Achillessehnenriss (Achillessehnenruptur) ist eine plötzliche, meist schmerzhafte Funktionsstörung der stärksten Sehne des Körpers. Häufig betroffen sind sportlich aktive Erwachsene, aber auch weniger aktive Menschen können durch eine ungünstige Bewegung oder Vorschädigung der Sehne eine Ruptur erleiden. Eine frühe, strukturierte Diagnostik und die individuell passende Therapie – konservativ oder operativ – sind entscheidend für die sichere Heilung und die Rückkehr in Alltag, Beruf und Sport. In unserer Praxis in Hamburg-Winterhude begleiten wir Sie evidenzbasiert und mit klaren Rehaprotokollen.

Konservative & regenerative Orthopädie – Operation nur als letzte Option.

Anatomie und Funktion der Achillessehne

Die Achillessehne verbindet die Wadenmuskulatur (Musculus gastrocnemius und soleus) mit dem Fersenbein (Calcaneus). Sie überträgt hohe Kräfte und ermöglicht das Abstoßen beim Gehen, Treppensteigen und Laufen. Im Rückfuß verläuft sie unmittelbar hinter dem Sprunggelenk, umgeben von Gleitgewebe und in der Nähe des Nervus suralis.

  • Höchste Sehnenzugkräfte des Körpers, besonders bei Sprints und Sprüngen
  • Relativ geringe Durchblutung im mittleren Sehnendrittel (häufige Risszone)
  • Nachbarschaft: retrocalcaneare Bursa (Schleimbeutel) und Haglund-Exostose können Reizungen begünstigen

Was ist ein Achillessehnenriss?

Ein Achillessehnenriss ist eine teilweise oder vollständige Durchtrennung der Sehnenfasern. Er tritt typischerweise 2–6 cm oberhalb des Fersenbeins auf (mittleres Drittel). Seltener reißen knöcherne Anteile aus (Avulsion) oder es handelt sich um einen Einriss (Teilruptur).

  • Akuter Riss: plötzliches Ereignis, oft mit Knallgeräusch und Nachlassen der Kraft
  • Chronische Ruptur: verzögert erkannt; Sehnenenden ziehen sich zurück, Lücke füllt sich mit Narbengewebe
  • Teilruptur: schmerzhaft, aber gelegentlich initial noch belastbar

Ursachen und Risikofaktoren

Häufig ist eine Kombination aus Vorschädigung der Sehne und plötzlicher Belastung ausschlaggebend. Mikrotraumata und degenerative Veränderungen reduzieren die Belastbarkeit.

  • Plötzliche Beschleunigung/Abbremsen (Sprints, Richtungswechsel, Absprung)
  • Vorangegangene Achillessehnenbeschwerden (Tendinopathie, Haglund-Exostose, Bursitis)
  • Unpassendes Schuhwerk oder hartes Unterlagentraining
  • Medikamente: Fluorchinolon-Antibiotika, systemische oder lokale Kortikosteroide
  • Risikofaktoren: höheres Alter, Diabetes, Rauchen, Übergewicht, muskuläre Dysbalancen

Symptome: Woran erkenne ich einen Achillessehnenriss?

  • Plötzliches, stechendes Gefühl oder „Peitschenknall“ im Rückfuß/Wade
  • Unfähigkeit, auf den Zehenspitzen zu stehen oder kraftvoll abzurollen
  • Schwellung, Bluterguss, tastbare Lücke entlang der Sehne
  • Schmerzen, die nach dem Ereignis abnehmen können, Kraftverlust bleibt
  • Gehen oft noch möglich, aber unsicher und ohne aktiven Zehenstand

Warnzeichen: ein hörbarer Knall, sofortiger Kraftverlust und ein positives Testergebnis (z. B. Thompson-Test) sprechen stark für eine Ruptur.

Diagnostik: Untersuchung und Bildgebung

Die Diagnose basiert auf der klinischen Untersuchung und wird durch bildgebende Verfahren gesichert. Eine frühzeitige Abklärung ist wichtig, um die passende Therapie einzuleiten.

  • Klinik: Inspektion, Tastbefund (Sehnenlücke), Funktionsprüfung
  • Thompson-Test: Kompression der Wade löst bei vollständiger Ruptur keine Plantarflexion aus
  • Matles-Test: in Bauchlage zeigt der Fuß eine erhöhte Dorsalextension bei Ruptur
  • Ultraschall: dynamisch messbar, Lückengröße (Diastase) und Faserverlauf
  • MRT: bei unklaren Befunden, Teilrupturen, degenerativen Veränderungen oder OP-Planung
  • Röntgen: bei Verdacht auf knöcherne Ausrisse oder Begleitpathologien

Die Lückengröße in definierten Stellungen (z. B. Plantarflexion) hilft, konservative vs. operative Strategien zu begründen. Komorbiditäten und Aktivitätsziele werden einbezogen.

Differenzialdiagnosen im Rückfußbereich

Nicht jede Rückfußschmerzepisode ist ein Sehnenriss. Folgende Erkrankungen können ähnliche Beschwerden verursachen und werden differenzialdiagnostisch berücksichtigt:

  • Retrocalcaneare Bursitis (Schleimbeutelentzündung hinter der Ferse)
  • Haglund-Exostose (knöcherne Prominenz am Fersenbein mit Reibung)
  • Tibialis-posterior-Insuffizienz (medialer Fußschmerz, Knick-Senkfußneigung)
  • Peronealsehnen-Tendinopathie oder Subluxation (laterale Schmerzen/Instabilität)
  • Nervenengpass im Tarsaltunnel oder Baxter-Neuropathie (neuropathische Schmerzen, Taubheit/Kribbeln)

Therapie: konservativ zuerst denken, gezielt operieren

Ziel ist eine stabile, funktionsfähige Sehne mit möglichst geringer Re-Rupturrate und schneller, sicherer Wiederherstellung von Alltag und Sport. Konservative und operative Behandlung können – bei geeigneter Indikation und moderner funktioneller Nachbehandlung – vergleichbare Ergebnisse erzielen.

  • Konservativ geeignet bei: frischer Ruptur, geringer Diastase in funktioneller Stellung, guter Sehnenqualität, niedrigem OP-Risiko-Wunsch
  • Operativ erwägen bei: großer Diastase, degenerativer Sehnenstruktur, sportlich-hohen Leistungsansprüchen, Avulsion, Interponat, chronischer/alt erkannter Ruptur
  • Entscheidung individuell auf Basis von Klinik, Bildgebung, Aktivitätsprofil und Begleiterkrankungen

Konservative Behandlung

Die konservative Therapie setzt auf eine frühe funktionelle Ruhigstellung in Schutzhaltung und eine stufenweise Mobilisation. Sie erfordert konsequente Mitarbeit und engmaschige Kontrolle.

  1. Akutphase (Woche 0–2): Entlastung mit Unterschenkelorthese/Walker und Fersenkeilen (20–30° Plantarflexion), Hochlagern, Kühlung, Schmerzmanagement; Thromboseprophylaxe nach Risiko.
  2. Frühfunktion (Woche 2–6): Graduelle Reduktion der Keilhöhe, Teilbelastung nach Schema, geführte Mobilisation ohne Dehnung in Dorsalextension, isometrische Wadenspannung.
  3. Aufbau (Woche 6–12): Schrittweise Vollbelastung, Kräftigung der Wadenmuskulatur, Gangschulung, Balance/Propriozeption.
  4. Return-to-Activity (ab Monat 3–6): Steigerung der Belastung, später exzentrisches Training; erst Spätphase mit Lauf-/Sprungbelastungen nach Testkriterien.
  • Regelmäßige Ultraschallkontrollen prüfen die Sehnenadaptation
  • Keine forcierte Dehnung in Dorsalextension in den ersten Wochen
  • Exzentrische Kräftigung wird phasenadaptiert eingesetzt
  • Risikofaktoren adressieren: Rauchen, Blutzucker, Schuhwerk, Trainingssteuerung

Operative Optionen

Operationen zielen auf eine sichere Adaptation der Sehnenenden mit suffizienter Naht und spannungsarmer Rekonstruktion. Das Verfahren richtet sich nach Rissart, -höhe und Gewebequalität.

  • Perkutane/minimalinvasive Sehnennaht: kleine Zugänge, Nahtsysteme; Risiko der Nervus-suralis-Irritation beachten
  • Offene Sehnennaht: bei komplexen Rissen oder schlechter Sehnenqualität; ggf. mit Nahtverstärkung
  • Augmentation/Sehnentransfer (z. B. FHL-Transfer) bei chronischer Ruptur, Re-Ruptur oder starker Degeneration
  • Begleitmaßnahmen: Débridement degenerativen Gewebes, Behandlung knöcherner Sporne (z. B. Haglund) bei entsprechender Indikation

Die Nachbehandlung folgt einem funktionellen Protokoll ähnlich der konservativen Therapie, oft mit etwas früherer stabiler Vollbelastung unter Schutz. Eine sorgfältige Wundkontrolle ist essenziell.

Nachbehandlung und Rehabilitation

Ein klar strukturiertes Rehaprogramm ist entscheidend – unabhängig davon, ob konservativ oder operativ behandelt wird. Kraft, Koordination und Sehnenqualität bauen sich über Monate auf.

  • Orthesenmanagement: Fersenkeile schrittweise reduzieren, Gangbild regelmäßig prüfen
  • Physiotherapie: phasengerechte Mobilisation, Kräftigung, propriozeptives Training
  • Return-to-Run: nach bestandenen Funktionstests (einbeiniger Fersenstand, Symmetrie der Wadenumfänge, schmerzfreie Hop-Tests)
  • Return-to-Sport: je nach Sportart; Sprung- und Richtungswechsel erst nach ausreichender Lasttoleranz und Kraftsymmetrie

Orientierende Zeitfenster (individuell sehr variabel): Alltagsbelastbarkeit meist nach 8–12 Wochen, Hobbysport ab ca. 4–6 Monaten, intensive Pivot- oder Sprungsportarten oft erst nach 9–12 Monaten.

Mögliche Komplikationen und Risiken

  • Re-Ruptur oder Elongation (Längenzunahme) mit Kraftdefizit
  • Wundheilungsstörungen, Infektion (v. a. bei offener Operation)
  • Nervus-suralis-Irritation oder -Läsion (Taubheit/Parästhesie lateral)
  • Thrombose/Embolie-Risiko bei Immobilisation
  • Persistierende Schmerzen bei Begleitpathologien (z. B. Bursitis, knöcherne Prominenzen) oder Tendinopathie

Eine sorgfältige Indikationsstellung, engmaschige Nachsorge und Risikofaktor-Management senken das Komplikationsrisiko.

Regenerative Verfahren: realistische Einordnung

Bei akuten Achillessehnenrissen steht die mechanische Heilung durch adäquate Adaptation und funktionelle Nachbehandlung im Vordergrund. Ergänzende Verfahren wie PRP werden diskutiert, die Evidenz zur Überlegenheit gegenüber Standardtherapien ist aktuell heterogen.

  • PRP/Blutprodukte: ggf. als Ergänzung in ausgewählten Situationen; Nutzen-Risiko und Kosten sollten individuell abgewogen werden
  • Stoßwellentherapie: eher bei chronischer Tendinopathie als bei frischer Ruptur etabliert
  • Keine Therapie ersetzt die strukturierte Rehabilitation und Laststeuerung

Alltag, Beruf und Sport: Was ist realistisch?

Die Rückkehr in Alltag und Beruf hängt von Tätigkeit und Heilungsverlauf ab. Eine Über- oder Unterforderung in den ersten Wochen kann den Verlauf negativ beeinflussen.

  • Büro/Schreibtisch: häufig nach 2–4 Wochen möglich (mit Orthese, Hochlagerungspausen)
  • Stehende/gehende Tätigkeiten: oft nach 6–12 Wochen, abhängig von Belastungsprofil
  • Körperlich schwere Arbeit/Leiterarbeiten: eher nach 3–4 Monaten oder später
  • Sport: zunächst Rad/Schwimmen (ohne Flossen) gefolgt von Laufaufbau; Sprung-/Pivot-Sport in Spätphase nach Testkriterien

Selbsthilfe und Prävention

  • Aufwärmen und progressive Belastungssteigerung im Training
  • Exzentrisches Wadenmuskeltraining zur Sehnenkonditionierung
  • Schuhwerk mit ausreichender Dämpfung und Fersenführung; bei Bedarf temporär Fersenkeile
  • Risikofaktoren reduzieren: Nikotinverzicht, Blutzuckerkontrolle, angemessener Trainingsumfang
  • Frühe Abklärung bei anhaltenden Achillessehnenschmerzen, um eine Ruptur vorzubeugen

Wann sollte ich ärztliche Hilfe suchen?

  • Unmittelbar bei plötzlichem Knallgefühl im Rückfuß mit Kraftverlust
  • Wenn Sie nicht mehr auf Zehenspitzen stehen können
  • Bei ausgeprägter Schwellung/Bluterguss und tastbarer Lücke
  • Bei Taubheitsgefühlen, zunehmenden Schmerzen oder Zeichen einer Infektion
  • Bei unklarem Verlauf trotz Schonung und Schmerzmitteln

Bis zur Untersuchung: entlasten, hochlagern, kühlen, ruhigstellen. Bitte keine forcierte Dehnung.

Ihr Termin in Hamburg-Winterhude

Unsere orthopädische Fuß- und Sprunggelenkssprechstunde befindet sich in der Dorotheenstraße 48, 22301 Hamburg. Wir klären Ihren Verdacht auf Achillessehnenriss zeitnah ab, besprechen konservative und operative Optionen und begleiten die Rehabilitation mit einem transparenten Stufenplan.

Terminvereinbarung bequem online über Doctolib oder per E-Mail. Bringen Sie vorhandene Befunde und ggf. Sport-/Schuhangaben mit.

Häufige Fragen

Nein. Frische Rupturen mit geringer Lücke und guter Sehnenqualität können konservativ mit funktioneller Orthese erfolgreich behandelt werden. Eine Operation wird erwogen bei großer Diastase, degenerativer Sehne, Avulsion, chronischem Riss oder hohen sportlichen Anforderungen. Die Entscheidung erfolgt individuell.

Typische Zeichen sind ein plötzlicher Knall, Kraftverlust und ein positiver Thompson-Test. Ultraschall zeigt Risshöhe und Lückengröße, ein MRT hilft bei unklaren oder komplexen Fällen. Eine frühzeitige Untersuchung ist wichtig.

Sehnenheilung ist langsam. Alltagsbelastung ist meist nach 8–12 Wochen erreichbar. Hobbysport kann oft nach 4–6 Monaten beginnen, sportartspezifisch intensives Training häufig erst nach 9–12 Monaten. Der Verlauf ist individuell.

Ja, einige Betroffene können noch gehen, allerdings ohne aktiven Zehenstand und mit deutlich verminderter Kraft. Das ist kein Ausschluss für einen Riss. Eine ärztliche Abklärung sollte rasch erfolgen.

Mögliche Risiken sind Re-Ruptur, Sehnenverlängerung mit Kraftverlust, Thrombose, Nervenreizungen und – bei Operation – Wundheilungsstörungen oder Infektionen. Eine strukturierte Nachbehandlung reduziert Risiken.

Bei klarer Klinik kann die Diagnose bereits gestellt werden. Ultraschall ist jedoch hilfreich, um Lückengröße und Sehnenqualität zu beurteilen und die Therapie zu planen. MRT wird bei unklaren Befunden oder OP-Planung eingesetzt.

PRP kann in Einzelfällen als Ergänzung erwogen werden. Die Studienlage zur Überlegenheit gegenüber Standardtherapien ist uneinheitlich. Im Vordergrund stehen adäquate Sehnenadaptation und strukturierte Rehabilitation.

Achillessehnenriss in Hamburg abklären

Orthopädische Fuß- und Sprunggelenkssprechstunde in der Dorotheenstraße 48, 22301 Hamburg. Termine online oder per E-Mail vereinbaren.

Information ersetzt keine individuelle Untersuchung. Bei Warnzeichen bitte ärztlich abklären.