Tendinopathie-Injektionen
Gezielte Injektionen rund um schmerzende Sehnen können in ausgewählten Situationen helfen, Schmerzen zu lindern und die Rehabilitation zu unterstützen. In unserer orthopädischen Praxis in Hamburg setzen wir Infiltrationen zurückhaltend und evidenzbasiert ein – stets nach Ausschöpfen konservativer Maßnahmen wie Aufklärung, Lastmanagement und spezifischem Trainingsaufbau. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick zu Indikationen, Ablauf, Wirkstoffen, Nutzen und Risiken.
- Kurzüberblick: Was sind Tendinopathie-Injektionen?
- Was ist eine Tendinopathie?
- Wann sind Injektionen sinnvoll – und wann nicht?
- Häufige Bereiche und Besonderheiten
- Verfahren und Wirkstoffe
- Ablauf in unserer Praxis
- Nutzen und Evidenz
- Risiken, Nebenwirkungen und Kontraindikationen
- Vorbereitung und Nachsorge
- Konservative Alternativen und Ergänzungen
- Ihre orthopädische Anlaufstelle in Hamburg
Kurzüberblick: Was sind Tendinopathie-Injektionen?
Unter Tendinopathie versteht man schmerzhafte Veränderungen an Sehnen oder deren Ansatzstellen. Injektionen werden peritendinös (um die Sehne herum) oder in nahe Strukturen wie Sehnenscheide oder entzündete Gleitgewebe platziert. Ziel ist die Schmerzreduktion, um ein strukturiertes Trainingsprogramm zu ermöglichen. Der Sehnenselbstheilung wird nicht „gespritzt“, vielmehr kann eine zeitweise Entlastung des Schmerzes die aktive Therapie erleichtern.
Was ist eine Tendinopathie?
Tendinopathien entstehen häufig durch Über- oder Fehlbelastung. Sie sind weniger eine akute Entzündung als vielmehr eine schmerzhafte Anpassungsstörung mit Veränderungen der Kollagenstruktur und der Schmerzverarbeitung. Eine reine „Tendinitis“ (akute Entzündung) ist seltener. Die Behandlung richtet sich daher primär auf Laststeuerung und gezieltes Krafttraining.
- Typische Beschwerden: belastungsabhängige Schmerzen am Sehnenansatz oder entlang der Sehne
- Morgendliche Anlaufschmerzen, Steifigkeit
- Schmerzprovokation bei Zug- oder Druckbelastung
- Häufige Orte: Achillessehne, Patellarsehne, Epicondylen (Tennis-/Golferellenbogen), Glutealsehnen am Trochanter, Rotatorenmanschette, Plantarfaszie
Wann sind Injektionen sinnvoll – und wann nicht?
Injektionen kommen infrage, wenn eine leitliniengerechte konservative Therapie über mehrere Wochen nicht ausreichend wirkt oder Schmerzen den Trainingsaufbau blockieren. Sie sind kein Ersatz für aktive Therapie, sondern eine Option, um diese zu ermöglichen. Bei bestimmten Sehnen ist besondere Zurückhaltung geboten.
- Sinnvoll bei: persistierenden Schmerzen trotz 6–12 Wochen strukturierten Trainings, um begleitend die Belastungssteigerung zu ermöglichen
- Sinnvoll bei: ausgeprägter Reizsituation von Sehnenscheiden oder Gleitgeweben
- Vorsicht/Zurückhaltung: Achillessehne und Patellarsehne – hier wird Kortison peritendinös sehr zurückhaltend eingesetzt; intratendinöse Steroidgaben werden vermieden
- Nicht geeignet als Primärtherapie oder „Schnelllösung“ ohne begleitenden Reha-Plan
- Diagnosesicherung: klinische Untersuchung, ggf. Ultraschall
- Besprechung konservativer Optionen und Trainingskonzept
- Abwägung Nutzen/Risiko und Auswahl des Verfahrens
- Gegebenenfalls Injektion mit anschließender, angeleiteter Belastungssteigerung
Häufige Bereiche und Besonderheiten
Je nach betroffener Sehne unterscheiden sich die Verfahren und die Vorsichtmaßnahmen. Eine ultraschallgestützte Platzierung erhöht die Präzision und Sicherheit.
- Achillessehne: primär Training und Lastmanagement; Steroid peritendinös nur sehr zurückhaltend; PRP-Evidenz gemischt
- Patellarsehne (Springerknie): Fokus auf exzentrisches/Heavy-Slow-Resistance-Training; Injektionen zurückhaltend; Steroid intratendinös vermeiden
- Epicondylopathie (Tennis-/Golferellenbogen): Injektionen können kurzfristig Schmerzen reduzieren; PRP zeigt teils mittelfristige Effekte; Rezidive möglich
- Gluteale Tendinopathie (Trochanterschmerz): peritendinöse Infiltration oder Bursainfiltration kann helfen, kombiniert mit Hüftabduktortraining
- Rotatorenmanschette: je nach Befund subakromiale Infiltration (nicht intratendinös) zur Schmerzreduktion und Trainingsfähigkeit
- Plantarfaszie: streng genommen Faszie, kein Muskel-Sehnen-Komplex; Injektionen möglich, jedoch mit Bedacht und bevorzugt kombiniert mit Dehn-/Kräftigungsprogramm
Verfahren und Wirkstoffe
Die Auswahl des Verfahrens richtet sich nach Lokalisation, Beschwerdebild, Begleiterkrankungen und Ihren Zielen. Wir besprechen die Optionen transparent, inklusive Nutzen, Risiken und Evidenzlage.
- Kortikosteroid plus Lokalanästhetikum: kann kurz- bis mittelfristig Schmerzen reduzieren, besonders bei peritendinösen Reizzuständen oder Bursitis; intratendinöse Steroidgaben werden vermieden
- Lokalanästhetikum allein: kurzfristige Schmerzlinderung zur Funktionsdiagnostik oder zur gezielten Entzündungshemmung der Umgebung
- Autologes konditioniertes Plasma (ACP/PRP): patienteneigenes Blutplasma mit Thrombozyten; Studienlage heterogen – je nach Lokalisation teils positive, teils neutrale Effekte; immer kombiniert mit strukturiertem Training
- Hochvolumen-Injektion (High-Volume): Salin mit/ohne Lokalanästhetikum zur Lösung von Adhäsionen um die Sehne; Evidenz begrenzt, individuelle Entscheidung
- Sklerosierende Verfahren: werden selten eingesetzt und nur nach strenger Indikationsstellung
- Ultraschall-gesteuerte Technik: unterstützt die millimetergenaue Platzierung außerhalb der Sehne und das Vermeiden sensibler Strukturen
Häufig reichen 1–2 Injektionen mit ausreichendem Abstand. Mehrfachserien ohne klaren Nutzen werden vermieden. Die Kombination mit einem adaptiven Trainingsplan ist zentral.
Ablauf in unserer Praxis
Wir planen Infiltrationen strukturiert und patientenindividuell. Der Ablauf ist transparent und umfasst Aufklärung, sterile Durchführung und Nachbetreuung.
- Anamnese, Untersuchung, ggf. Sonografie; Besprechung konservativer Optionen
- Indikationsstellung, Aufklärung über Nutzen, Risiken, Alternativen; Einwilligung
- Steriles Vorgehen, ultraschallgestützte Platzierung der Kanüle
- Injektion des gewählten Präparats peritendinös/in die Sehnenscheide oder nahe Gleitgewebe
- Kurze Nachbeobachtung; Information zu Verhaltensempfehlungen, Warnzeichen und Trainingsplan
- Kontrolltermin zur Anpassung des Belastungsaufbaus
Nutzen und Evidenz
Die Wirksamkeit von Injektionen hängt stark von Lokalisation, Technik und Begleittherapie ab. Kortikosteroide können kurzfristig Schmerzen reduzieren, die Rezidivrate ist jedoch je nach Sehne erhöht. Für PRP sind die Ergebnisse gemischt: Bei Epicondylopathie und Plantarfasziopathie finden sich in einigen Studien Vorteile gegenüber Placebo oder Steroid im Verlauf, bei Achillessehnen- oder Patellarsehnenbeschwerden sind Ergebnisse uneinheitlich. Insgesamt gilt: Der größte Effekt entsteht in Kombination mit einem strukturierten, progressiven Trainingsprogramm.
Risiken, Nebenwirkungen und Kontraindikationen
Injektionen sind in der Regel gut verträglich. Dennoch bestehen Risiken, die wir offen ansprechen. Eine sichere Technik (z. B. Ultraschall) und die richtige Indikationsstellung sind entscheidend.
- Lokale Reaktionen: vorübergehender Schmerzanstieg, Bluterguss, Schwellung
- Hautveränderungen nach Steroid: Depigmentierung, Haut- oder Fettgewebsatropie
- Sehnenrisiko: Steroid kann Sehnengewebe schwächen; intratendinöse Steroidgaben werden vermieden; peritendinös nur bei strenger Indikation
- Infektion: sehr selten, wird durch sterile Technik minimiert
- Systemeffekte von Steroid: vorübergehender Blutzuckeranstieg, Flush, Schlafstörungen
- Kontraindikationen: lokale/ systemische Infektion, ungeklärte Schmerzen, frische Sehnenruptur, unkontrollierter Diabetes, relevante Gerinnungsstörung; Blutverdünner individuell abklären
Vorbereitung und Nachsorge
Eine gute Vorbereitung und ein klarer Plan nach der Injektion erhöhen die Erfolgsaussichten. Wir stimmen dies mit Ihnen und Ihrer Physiotherapie ab.
- Vorbereitung: Medikamentenliste, relevante Vorbefunde, Info zu Blutverdünnern und Stoffwechselerkrankungen
- Am Tag der Injektion: bequeme Kleidung; nach der Injektion ggf. keine intensive Belastung
- Belastungsaufbau: 24–48 Stunden relative Ruhe, dann schrittweise, symptomorientierte Steigerung nach Plan
- Training: Fokus auf exzentrische/Heavy-Slow-Resistance-Protokolle; Technik- und Lastadaption
- PRP-spezifisch: auf NSAR um die Behandlung herum möglichst verzichten (individuelle Abstimmung)
- Warnzeichen: rasch zunehmende Schmerzen, Fieber, Rötung – bitte ärztlich abklären
- Tag 0–2: Schmerzarme Alltagsaktivität, Kühlung bei Bedarf
- Woche 1: Beginn leichter isometrischer Übungen
- Woche 2–4: Progression zu exzentrischen/HSR-Übungen
- Ab Woche 4+: Sportartspezifische Belastung mit Monitoring; Anpassung je nach Reaktion
Konservative Alternativen und Ergänzungen
Der Grundpfeiler der Tendinopathie-Therapie ist konservativ. Injektionen sind Ergänzung – nie Ersatz – eines strukturierten Programms.
- Aufklärung, Lastmanagement und schrittweiser Trainingsaufbau
- Exzentrisches oder Heavy-Slow-Resistance-Training, angepasst an Schmerzskala
- Physiotherapie: Technikschulung, Sehnen- und umgebende Muskelketten
- Hilfsmittel: Tapes, Bandagen, Einlagen je nach Lokalisation
- Stoßwellentherapie (ESWT): bei bestimmten Lokalisationen eine Option, Evidenz moderat
- Schmerzmanagement: kurzzeitig NSAR oder topische Präparate – individuell abwägen
Ihre orthopädische Anlaufstelle in Hamburg
Wir behandeln Tendinopathien konservativ orientiert und bieten Injektionen zielgerichtet an – mit Aufklärung, sonografischer Steuerung und klarer Nachbetreuung. Standort: Dorotheenstraße 48, 22301 Hamburg. Termine erhalten Sie bequem online über Doctolib oder per E-Mail.
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Häufige Fragen
Beratung zu Tendinopathie-Injektionen
Wir planen Injektionen zurückhaltend, individuell und sonografisch gesteuert – immer mit klarem Reha-Konzept. Standort: Dorotheenstraße 48, 22301 Hamburg.
Information ersetzt keine individuelle Untersuchung. Bei Warnzeichen bitte ärztlich abklären.