Teres-minor-Tendinopathie
Die Teres-minor-Tendinopathie bezeichnet eine schmerzhafte Reizung oder Degeneration der Sehne des Musculus teres minor, eines hinteren Muskels der Rotatorenmanschette. Betroffene spüren häufig einen dumpfen, stechenden Schmerz im hinteren oder posterolateralen Schulterbereich – besonders bei Außenrotation, Überkopfarbeiten oder beim in die Jacke schlüpfen. Unsere orthopädische Praxis in Hamburg setzt zunächst auf eine strukturierte konservative Behandlung mit gezielter Physiotherapie, Belastungssteuerung und schmerzmodulierenden Maßnahmen. Operative Eingriffe sind bei isolierter Teres-minor-Beteiligung selten nötig und nur in ausgewählten Fällen sinnvoll.
- Was ist eine Teres-minor-Tendinopathie?
- Anatomie: Rolle des Teres minor
- Symptome
- Ursachen und Risikofaktoren
- Diagnostik: Schritt für Schritt
- Differenzialdiagnosen
- Konservative Therapie: Basis der Behandlung
- Übungen: Sicher und progressiv aufbauen
- Interventionelle Optionen
- Operative Therapie: selten notwendig
- Verlauf und Prognose
- Prävention und Selbsthilfe
- Wann ärztlich abklären?
- Besonderheiten bei Sport und Arbeit
- Ihr Orthopäde in Hamburg
Was ist eine Teres-minor-Tendinopathie?
Der Musculus teres minor gehört zur Rotatorenmanschette und stabilisiert das Schultergelenk, insbesondere in der Außenrotation. Bei einer Tendinopathie ist seine Sehne überlastet, degenerativ verändert oder entzündet-ähnlich gereizt. Das kann durch wiederholte Belastung, Fehlbelastung, Begleitengungen im Schulterraum oder altersbedingte Veränderungen entstehen.
- Typische Lokalisation: hintere/posterolaterale Schulter, teils Ausstrahlung in den Oberarm
- Schmerzzunahme bei Außenrotation gegen Widerstand, beim Abstützen oder bei Wurf-/Schlagbewegungen
- Mitbetroffen sein können angrenzende Strukturen wie die Infraspinatus-Sehne oder die hintere Gelenkkapsel
Anatomie: Rolle des Teres minor
Der Teres minor entspringt vom lateralen Rand des Schulterblatts (Scapula) und setzt am unteren Anteil des Tuberculum majus (Oberarmkopf) an. Er wird vom N. axillaris innerviert und arbeitet eng mit dem Infraspinatus zusammen. Beide Muskeln unterstützen die Außenrotation und sorgen für die zentrierte Führung des Oberarmkopfs in der Gelenkpfanne.
- Funktion: Außenrotation, Stabilisierung der Schulter, Feineinstellung der Gelenkmechanik
- Nachbarschaft: Infraspinatus-Sehne, hintere Kapsel, Subakromialraum
- Belastungsprofil: beansprucht bei Wurf-/Schlag- und Zugbewegungen, beim Rückwärtsgreifen und bei Überkopfarbeit
Symptome
- Hinterer oder posterolateraler Schulterschmerz, oft belastungsabhängig
- Schmerz und/oder Schwäche bei Außenrotation (z. B. Mantel anziehen, Föhnen, Sportwürfe)
- Druckschmerz in der hinteren Schulter, teils schmerzhafter Liegen auf der betroffenen Seite
- Bewegungseinschränkung und rasche Ermüdung bei Überkopfaktivitäten
- Nachtschmerz möglich, vor allem bei entzündlicher Reizung oder höherer Belastung
Ursachen und Risikofaktoren
Häufig liegt eine Kombination aus Überlastung und biomechanischen Faktoren vor. Besonders Sportarten mit repetitiver Außenrotation und hoher Zugbelastung sind prädestiniert.
- Repetitive Überlastung: Wurf- und Schlagsportarten, Rudern, Klettern, Krafttraining (z. B. Latziehen, Rudern mit hoher Last)
- Haltungs- und Technikfaktoren: Skapuladyskinesie, unzureichende Rumpf-/Schulterblattkontrolle, Technikfehler
- Degenerative Veränderungen der Sehne mit zunehmendem Alter
- Posterosuperiores Impingement (Innenimpingement) bei Überkopfsportlerinnen und -sportlern
- Muskelungleichgewichte zwischen Innen- und Außenrotatoren, verkürzte vordere Kette
- Selten: Verkalkungen, Einengungen im Quadrilateral- oder Rotatorenintervall-Bereich, axilläre Nervenproblematik
Diagnostik: Schritt für Schritt
Die Diagnose ergibt sich aus Anamnese, klinischer Untersuchung und – bei Bedarf – bildgebenden Verfahren. Wichtig ist die Abgrenzung zu Infraspinatus-Tendinopathie, subakromialem Impingement, Bizepssehnenproblemen und zervikalen Schmerzursachen.
- Funktionstests: Außenrotation gegen Widerstand, Hornblower-/Patte-Zeichen (Schmerz/Schwäche in abduzierter Außenrotation), External-Rotation-Lag-Sign
- Palpation: Druckschmerz posterolateral, Assessments der Skapulafunktion und Haltung
- Beweglichkeitsprüfung: Innen-/Außenrotation, Kapselbefunde (z. B. hintere Kapselspannung)
- Ultraschall: dynamische Beurteilung der Sehne, Verdickung, Teilrisse, Gleitverhalten
- MRT: differenzierte Darstellung von Sehnenqualität, Teil- oder Kombinationsläsionen, Muskelatrophie; Röntgen bei Verdacht auf Verkalkungen oder knöcherne Enge
Differenzialdiagnosen
- Infraspinatus-Tendinopathie oder -Teilruptur
- Supraspinatus-Tendinopathie mit subakromialem Impingement
- Lange Bizepssehne (Tendinitis/Luxation)
- Zervikale Radikulopathie, myofasziale Triggerpunkte
- Posteriore Labrumläsion, Innenimpingement bei Überkopfsport
- Quadrilateral-Space-Syndrom (Kompression N. axillaris/Arteria circumflexa humeri posterior)
Konservative Therapie: Basis der Behandlung
Die meisten Teres-minor-Tendinopathien sprechen auf eine konsequente konservative Behandlung an. Ziel ist es, Schmerzen zu reduzieren, die Sehne dosiert zu belasten und die Schulterblatt- und Rotatorenmanschettenfunktion zu normalisieren.
- Belastungsanpassung: vorübergehende Reduktion provokativer Bewegungen (repetitive Außenrotation, explosive Überkopfarbeit), schrittweiser Wiedereinstieg
- Schmerzmanagement: kurzzeitig NSAR (wenn verträglich), lokale Kühlung in der akuten Phase, später Wärme und Durchblutungsförderung
- Physiotherapie (schmerzadaptierte Progression): isometrische Außenrotationsübungen, gefolgt von exzentrisch-konzentrischem Training der Außenrotatoren
- Skapulastabilität: Serratus anterior, Trapezius (untere/mittlere Anteile), Rotatorenmanschette in geschlossenen Ketten
- Mobilität: sanfte posterior-kapsuläre Mobilisation, Brustwirbelsäulenmobilität; Sleeper-Stretch nur fachlich angeleitet und symptomgesteuert
- Alltagsergonomie: Arbeitsplatzanpassung, Lastmanagement beim Sport (volumen/intensitätsgesteuert)
- Optionale Maßnahmen: Taping zur Propriozeption, kurzzeitige manuelle Therapie zur Schmerzlinderung
Übungen: Sicher und progressiv aufbauen
Übungen sollten individuell dosiert, schmerzarm und regelmäßig durchgeführt werden. Nachfolgend typische Bausteine – die konkrete Umsetzung bitte physiotherapeutisch begleiten lassen.
- Akutphase (Woche 1–2): isometrische Außenrotation mit Theraband nahe Körperseite (3–5× täglich, 5–10 Sekunden halten), Pendelübungen, Scapula-Setting
- Aufbauphase (Woche 3–6): exzentrische Außenrotation in Seitlage, Row-Varianten mit Fokus auf Scapula, Face Pulls mit leichter Last, Y/T-W-Übungen
- Fortgeschritten (ab Woche 6–12): Außenrotation bei 90° Abduktion, sportartspezifische Drills, Plyometrics (nur bei Beschwerdearmut), Techniktraining
- Begleitend: Rumpfkraft, Hüft-/Thoraxmobilität, progressive Belastungssteuerung nach Symptomantwort
Interventionelle Optionen
Bei anhaltenden Beschwerden trotz strukturierter konservativer Therapie können gezielte Interventionen erwogen werden. Wir besprechen Nutzen und Risiken transparent und individuell.
- Ultraschallgezielte Injektion: peritendinöse Kortikoidinfiltration kann Schmerzen kurzfristig reduzieren; strenge Indikation, nicht intratendinös, Beachtung möglicher Nebenwirkungen
- Platelet-Rich Plasma (PRP): Evidenz bei nicht-kalzifizierenden Schultertendinopathien heterogen; kann in ausgewählten Fällen erwogen werden, Aufklärung über unklare Wirksamkeit
- Stoßwellentherapie (ESWT): solide Evidenz v. a. bei Kalkschulter; bei nicht-kalzifizierender Tendinopathie variabel – Einzelfallentscheidung
- Leitliniengerechtes Schmerzmanagement und ggf. temporäre Sportpause bei Überkopfsportlerinnen und -sportlern
Operative Therapie: selten notwendig
Eine isolierte Operation bei Teres-minor-Tendinopathie ist selten. Wenn konservative Maßnahmen über Monate ausgeschöpft sind und relevante Strukturdefekte bestehen, kann arthroskopisch behandelt werden – häufig im Rahmen komplexerer Rotatorenmanschettenläsionen.
- Arthroskopische Glättung (Debridement) bei irritierten, fransigen Sehnenanteilen
- Refixation bei relevanten Teil-/Rissformen, insbesondere bei Kombinationsläsionen
- Begleitprozeduren bei Impingement/Enge individuell prüfen
- Postoperative Reha mit schrittweiser, protokollbasierter Belastungssteigerung; Rückkehr zu Sport und Arbeit abhängig von Befund und Heilverlauf
Verlauf und Prognose
Mit konsequenter konservativer Therapie verbessern sich die meisten Fälle innerhalb von Wochen bis wenigen Monaten. Bei Überkopfsport ist die Rehabilitation oft länger und erfordert eine strukturierte Leistungssteigerung. Entscheidend sind Geduld, Technikschulung und das Vermeiden von Überlastspitzen.
- Frühes Eingreifen verkürzt häufig die Beschwerdedauer
- Chronifizierung möglich bei fortgesetzter Fehl- oder Überlastung
- Begleitpathologien (z. B. Infraspinatus- oder Bizepssehne) können den Verlauf beeinflussen
- Ziel ist die belastbare, alltags- und sporttaugliche Schulter – ohne Heilversprechen
Prävention und Selbsthilfe
- Langsamer Trainingsaufbau, v. a. bei neuen oder intensiveren Außenrotationsbelastungen
- Ausgewogenes Kraftprofil: Außenrotatoren und Skapulastabilisatoren gezielt stärken
- Technik- und Haltungsarbeit (Videoanalyse/Coaching im Sport)
- Pausen- und Regenerationsmanagement, Schlaf und Belastungsperiodisierung
- Arbeitsplatzergonomie: Bildschirmhöhe, Armauflagen, Pausenbewegung
- Frühzeitige Abklärung bei anhaltenden Schmerzen, um Chronifizierung zu vermeiden
Wann ärztlich abklären?
- Akuter Schulterschmerz nach Trauma mit deutlichem Kraftverlust
- Ausgeprägter Nachtschmerz, Ruheschmerz oder rasch zunehmende Beschwerden
- Taubheit, Kribbeln, Gefühls- oder Kraftausfälle (Hinweis auf Nervenbeteiligung)
- Fieber, Rötung, Überwärmung oder Schwellung der Schulter
- Persistierende Beschwerden trotz 4–6 Wochen gezielter Selbsthilfe/Physiotherapie
Besonderheiten bei Sport und Arbeit
Im Sport – besonders Wurf-, Schlag- und Klettersport – sind fein dosierte Progression und Technikschulung zentral. Im Arbeitsalltag hilft eine Anpassung der Hebe- und Überkopftätigkeiten.
- Return-to-Activity: symptomgeleitet, schmerzarm und stufenweise; objektive Kraft- und Kontrollmarker nutzen
- Trainingsplanung: 10–20 % Laststeigerung pro Woche als grobe Obergrenze, Deload-Wochen einplanen
- Arbeitsplatz: Hilfsmittel für Überkopfarbeit, Lastverteilung, Mikropausen
Ihr Orthopäde in Hamburg
In unserer orthopädischen Praxis in der Dorotheenstraße 48, 22301 Hamburg, beraten wir Sie ausführlich, untersuchen fundiert und erarbeiten mit Ihnen einen individuellen, konservativ orientierten Behandlungsplan. Bei Bedarf koordinieren wir Bildgebung, Physiotherapie und – nach Aufklärung – interventionelle Maßnahmen.
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Information ersetzt keine individuelle Untersuchung. Bei Warnzeichen bitte ärztlich abklären.