Bankart-Läsion
Die Bankart-Läsion ist eine typische Verletzung nach vorderer Schulterluxation: Der faserknorpelige Pfannenrand (Labrum) reißt an der Vorder-Unterseite von der Gelenkpfanne (Glenoid) ab – häufig mit Beteiligung der Gelenkkapsel. Folge können ein Unsicherheitsgefühl, wiederkehrende Ausrenkungen (Instabilität) und Schmerzen sein. In unserer orthopädischen Praxis in Hamburg setzen wir auf eine sorgfältige Diagnose und eine evidenzbasierte, zunächst konservative Therapie – und besprechen operative Optionen nur bei klarer Indikation.
- Anatomie: Labrum, Kapsel und Schulterstabilität
- Was ist eine Bankart-Läsion?
- Ursachen, Mechanismus und Risikofaktoren
- Symptome und Warnzeichen
- Diagnostik: Klinik und Bildgebung
- Differenzialdiagnosen und Begleitverletzungen
- Konservative Therapie: zuerst strukturiert stabilisieren
- Operative Therapie: Indikation und Verfahren
- Nachbehandlung, Rehabilitation und Rückkehr zum Sport
- Prävention und Alltagstipps
- Ihre Behandlung in Hamburg
Anatomie: Labrum, Kapsel und Schulterstabilität
Das Schultergelenk besteht aus dem kugelförmigen Oberarmkopf (Humerus) und der vergleichsweise flachen Gelenkpfanne des Schulterblatts (Glenoid). Stabilität entsteht durch ein Zusammenspiel aus passiven Strukturen (Labrum, Gelenkkapsel, Bänder) und aktiven Stabilisatoren (Rotatorenmanschette, Schulterblattmuskulatur).
- Labrum: Faserknorpelring, vergrößert die Pfannenfläche und dient als Ansatz für die Gelenkkapsel.
- Gelenkkapsel und Bänder: Besonders das anteroinferiore Kapsel-Band-Komplex (IGHL) begrenzt das Verkippen des Oberarmkopfs nach vorn.
- Dynamische Stabilität: Rotatorenmanschette und Scapula-Muskeln positionieren den Oberarmkopf zentriert („Schulterblattkontrolle“).
Bei einer Bankart-Läsion ist der anteroinferiore Labrum-Kapsel-Komplex betroffen. Das kann die „vordere Barriere“ der Schulter schwächen und zu Instabilität in Abspreiz- und Außenrotationsstellung führen.
Was ist eine Bankart-Läsion?
Als Bankart-Läsion bezeichnet man den Abriss des vorderen unteren Labrums einschließlich des Kapselansatzes von der Glenoidpfanne. Sie entsteht meist nach einer vorderen Schulterluxation oder einer ausgeprägten Subluxation.
- Weichteil-Bankart: Abgerissenes Labrum/Kapsel ohne Knochenbeteiligung.
- Knöcherner Bankart: Zusätzlich ist ein Knochenfragment am vorderen Glenoid abgesprengt.
- Varianten: Perthes-, ALPSA- oder GLAD-Läsion (Unterschiede in Verlagerung/Einheilung und Knorpelbeteiligung).
Abgrenzung: Eine SLAP-Läsion betrifft den oberen Pfannenrand und den Bizepssehnenanker, während die Bankart-Läsion vorn-unten liegt. Häufige Begleitverletzung ist die Hill-Sachs-Delle am Oberarmkopf, die bei wiederholten Luxationen „einklinken“ kann.
Ursachen, Mechanismus und Risikofaktoren
Typischer Auslöser ist ein Sturz oder eine Krafteinwirkung auf den ausgestreckten Arm in Abduktion und Außenrotation, wodurch der Oberarmkopf nach vorn aus der Pfanne springt. Dabei reißt der Labrum-Kapsel-Komplex vom Glenoid ab.
- Jüngeres Alter und Kontaktsportarten (z. B. Handball, Rugby, Kampfsport).
- Allgemeine Bandlaxität oder angeborene Überbeweglichkeit.
- Vorangegangene Luxationen/Subluxationen (rezidivierende Instabilität).
- Knöcherne Defekte: Glenoidrand-Verlust (knöcherner Bankart) oder ausgeprägte Hill-Sachs-Delle.
- Kapselüberdehnung nach wiederholten Mikrotraumen.
Jüngere, sportlich aktive Patientinnen und Patienten haben ein erhöhtes Risiko für erneute Instabilitätsereignisse. Das wird bei der Therapieentscheidung individuell berücksichtigt.
Symptome und Warnzeichen
- Unsicherheitsgefühl oder Wegknicken der Schulter bei Abspreizung/Außenrotation (Apprehension).
- Schmerz an der vorderen Schulter, oft belastungsabhängig.
- Schnappen, Reiben oder „Subluxationsgefühl“ bei bestimmten Bewegungen.
- Kraftminderung, vor allem bei Überkopfsport.
- Nach akuter Luxation: Schwellung, Bewegungseinschränkung.
Warnzeichen nach Luxation: Taubheit, Kribbeln, Kältegefühl im Arm/Hand, fehlender Puls oder anhaltende Fehlstellung sollten zeitnah ärztlich abgeklärt werden.
Diagnostik: Klinik und Bildgebung
Die Diagnose basiert auf Anamnese (Unfallmechanismus, Instabilitätsepisoden), klinischen Tests und Bildgebung. Entscheidend ist auch die Einschätzung von Begleitverletzungen und knöchernen Defekten.
- Klinische Tests: Apprehension- und Relocation-Test (vordere Instabilität), Load-and-Shift, Beurteilung der allgemeinen Laxität; Kraft- und Funktionsprüfung der Rotatorenmanschette.
- Röntgen: Ausschluss von Frakturen, Beurteilung des Glenoidrands und der Oberarmkopfkontur (axiale/axilläre Aufnahme).
- MRT, ggf. MR-Arthrographie: Darstellung von Labrum, Kapsel, Rotatorenmanschette und Knorpel.
- CT (3D) bei Verdacht auf knöchernen Defekt: Quantifizierung des Glenoidkanten-Verlusts und Beurteilung der Hill-Sachs-Geometrie.
Für die Therapieplanung ist wichtig, ob die Hill-Sachs-Delle „einklinkt“ (engaging) und wie groß der Glenoidkanten-Verlust ist. Diese Parameter beeinflussen, ob eine Weichteilrekonstruktion genügt oder knöcherne Verfahren erwogen werden.
Differenzialdiagnosen und Begleitverletzungen
- SLAP-Läsion (oberer Pfannenrand, Bizepsanker).
- Hill-Sachs-Läsion (Eindruckdefekt Oberarmkopf) – häufige Begleitverletzung.
- Knorpelschäden des Glenoids (GLAD) und chondrolabraler Übergang.
- Rotatorenmanschettenläsionen oder Bizepssehnenerkrankungen.
- Fraktur des Tuberculum majus oder Glenoidrandfraktur.
- AC-Gelenk-Beteiligung, Kapselüberdehnung oder gereizte Gelenkschleimhaut (Synovitis).
Die exakte Abgrenzung ist relevant, da Therapiemaßnahmen variieren. Bei gleichzeitigen knorpeligen oder knöchernen Begleitschäden kann das Vorgehen angepasst werden.
Konservative Therapie: zuerst strukturiert stabilisieren
Die konservative Behandlung ist der erste Schritt – besonders bei Erstereignis, geringer Instabilität und ohne relevante knöcherne Defekte. Ziel ist, Schmerz zu reduzieren, die Schulter zu zentrieren und Muskulatur sowie Koordination zu verbessern.
- Akutphase: Kurzzeitige Ruhigstellung in Schlinge, Kühlung, Entzündungsmanagement, schmerzadaptierte Mobilisation.
- Frühfunktion: Physiotherapie mit Fokus auf Schulterblattkontrolle (Scapular Setting) und schmerzfreier Beweglichkeitswiedergewinnung.
- Stabilisation: Kräftigung der Rotatorenmanschette (Innen-/Außenrotatoren), hintere Schulterkette, Core- und Propriozeptionstraining.
- Sportmodifikation: Vermeiden von riskanten Positionen (max. Abduktion/Außenrotation) bis zur stabilen Kontrolle.
- Hilfsmittel: Taping/Schulterorthesen in Übergangsphasen – individuell erwägen.
Der Trainingsaufbau erfolgt stufenweise über Wochen. Erfolg und Zeitbedarf variieren je nach Ausmaß der Instabilität, Sportart und individuellen Faktoren. Bei wiederholten Luxationen oder persistierendem Unsicherheitsgefühl sollte die Indikation zur Operation geprüft werden.
Operative Therapie: Indikation und Verfahren
Eine Operation wird erwogen bei rezidivierender vorderer Instabilität, funktionell relevanter Apprehension trotz adäquater Physiotherapie, hohem sportlichen Anspruch oder bei nachgewiesenem knöchernem Defekt. Die Auswahl des Verfahrens richtet sich nach Weichteilschaden, Knochenverlust und Sportprofil.
- Arthroskopische Bankart-Refixation: Wiederannähen des Labrums am Glenoid mittels Ankern, häufig kombiniert mit Kapselraffung (Plication).
- Remplissage: Zusätzliche „Auffüllung“ einer einklinkenden Hill-Sachs-Delle durch Sehnen-/Kapselaugmentation zur Verhinderung des Einklinkens.
- Knöcherne Verfahren (z. B. Latarjet): Bei relevanter Glenoidkanten-Defizienz wird die Pfannenvorderkante mit Knochentransfer vergrößert und stabilisiert.
Die Eingriffe erfolgen üblicherweise minimal-invasiv (arthroskopisch); knöcherne Rekonstruktionen können offen oder arthroskopisch durchgeführt werden. Risiken umfassen u. a. Nachblutung, Infektion, Steifigkeit, Nervenreizung, anhaltende Instabilität oder Schmerzen. Die Aufklärung erfolgt individuell und umfassend.
Nachbehandlung, Rehabilitation und Rückkehr zum Sport
Die Rehabilitation ist entscheidend für das Ergebnis. Sie orientiert sich an Schmerz, Heilungsverlauf und dem durchgeführten Verfahren. Üblicherweise wird die Schulter schrittweise belastet und die Kontrolle der Schulterblatt- und Rotatorenmanschettenmuskulatur aufgebaut.
- Woche 0–2/3: Schlinge für den Alltag, passive/assistive Bewegungen im schmerzarmen Bereich, Lymphdrainage nach Bedarf.
- Woche 3–6: Erweiterung der Beweglichkeit, isometrische Kräftigung, Scapula- und Haltungsarbeit.
- Woche 6–12: Progressive Kraft, Propriozeption, sportartspezifische Vorübungen ohne Risikoendpositionen.
- Ab Monat 4–6: Rückkehr zu Kontaktsport/Überkopfsport nach funktionellen Kriterien (Kraftsymmetrie, Stabilitätstests, beschwerdearme Vollbeweglichkeit).
- Physiotherapie mit klaren Zielkorridoren (Bewegung – Kontrolle – Kraft – Sportartspezifik).
- Kriterienbasierte Steigerung statt starrer Zeitvorgaben.
- Prävention: Fortlaufend an Scapula- und Rotatorenmanschettenstabilität arbeiten.
Rückkehrzeiten sind Richtwerte und hängen vom individuellen Verlauf, der Sportart und intraoperativen Befunden ab.
Prävention und Alltagstipps
- Regelmäßiges Stabilisations- und Koordinationstraining für Schulter und Rumpf.
- Schulterblattkontrolle bei Überkopfarbeiten und im Training beachten.
- Technikschulungen in Kontakt- und Wurfsportarten; riskante Endpositionen vermeiden.
- Ausreichende Regeneration und schrittweise Belastungssteigerung nach Verletzungen.
- Bei Unsicherheit oder wiederkehrenden Subluxationsgefühlen frühzeitig orthopädisch vorstellen.
Ihre Behandlung in Hamburg
In unserer Praxis in der Dorotheenstraße 48, 22301 Hamburg, klären wir Bankart-Läsionen mit moderner klinischer Untersuchung und zielgerichteter Bildgebung ab. Wir verfolgen einen konservativen Ansatz mit strukturierter Physiotherapie und individueller Trainingsplanung. Operative Optionen werden nur bei nachvollziehbarer Indikation und nach ausführlicher Aufklärung besprochen – auf Wunsch in Kooperation mit erfahrenen Schulterchirurginnen und -chirurgen. Für Terminabsprachen stehen Doctolib und E-Mail zur Verfügung.
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Schulterinstabilität abklären – Termin in Hamburg
Wir beraten Sie individuell zu Diagnose und Behandlung der Bankart-Läsion. Praxis Dorotheenstraße 48, 22301 Hamburg. Termine bequem online oder per E-Mail.
Information ersetzt keine individuelle Untersuchung. Bei Warnzeichen bitte ärztlich abklären.