Trochantertendinose / Trochantersyndrom

Die Trochantertendinose – häufig auch als Trochantersyndrom oder Greater Trochanteric Pain Syndrome (GTPS) bezeichnet – ist eine der häufigsten Ursachen für seitliche Hüftschmerzen. Betroffen sind vor allem die Sehnenansätze der Gesäßmuskulatur (Gluteus medius/minimus) am großen Rollhügel (Trochanter major) sowie die darüberliegenden Schleimbeutel. Typisch sind Druckschmerz an der Außenseite der Hüfte und Beschwerden beim Liegen auf der betroffenen Seite, beim Treppensteigen oder längeren Gehen. In unserer orthopädischen Praxis in Hamburg-Winterhude legen wir Wert auf eine sorgfältige, ursachenorientierte Diagnostik und eine konservative, evidenzbasierte Therapie.

Konservative & regenerative Orthopädie – Operation nur als letzte Option.

Anatomie: Was schmerzt beim Trochantersyndrom?

Der Trochanter major ist ein Knochenvorsprung an der Außenseite des Oberschenkelknochens. Hier setzen wichtige Abduktoren der Hüfte an – insbesondere der Gluteus medius und der Gluteus minimus. Über dem Trochanter liegen Schleimbeutel (Bursae), die Gleitbewegungen erleichtern und Reibung reduzieren.

Bei der Trochantertendinose handelt es sich vor allem um eine Reizung bzw. Degeneration der Sehnenansätze (Tendinopathie). Häufig kommt eine Schleimbeutelentzündung (Bursitis trochanterica) hinzu. Auch die straffe Traktus-iliotibialis-Struktur und der Tensor-fasciae-latae-Muskel können durch erhöhte Spannung zusätzlichen Druck auf die Sehnen ausüben.

  • Strukturen: Gluteus-medir und -minimus-Sehnen, Schleimbeutel, Traktus iliotibialis
  • Funktion: Stabilisierung des Beckens beim Gehen und Stehen auf einem Bein
  • Schmerzquelle: mechanische Überlastung und Kompression der Sehnen am Trochanter major

Symptome: Woran erkenne ich die Trochantertendinose?

  • Seitlicher Hüftschmerz mit möglicher Ausstrahlung in den äußeren Oberschenkel
  • Druckschmerz direkt über dem „Knochenhöcker“ an der Außenseite
  • Schmerzen beim Liegen auf der betroffenen Seite (Nacht-/Lagerungsschmerz)
  • Beschwerden beim Treppensteigen, Aufstehen aus dem Sitzen oder längerem Gehen
  • Schmerzverstärkung bei einbeiniger Standphase oder bei überkreuzten Beinen (Hüftadduktion)
  • Morgendliche Steifigkeit, Anlaufschmerz bei den ersten Schritten

Ursachen und Risikofaktoren

Die Entstehung ist meist multifaktoriell. Entscheidend ist ein Missverhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit der Sehnen, oft verstärkt durch mechanische Kompression.

  • Überlastung durch Trainingsfehler (plötzliche Umfangs-/Intensitätssteigerung, viel Bergaufgehen)
  • Schwäche der seitlichen Hüftmuskulatur mit „Beckenabsinken“ in der Einbeinphase
  • Lang anhaltende Positionen mit Adduktion (Beine übereinanderschlagen, seitliches Liegen ohne Kissen)
  • Beinlängendifferenz, Fußfehlstellungen, verminderte Becken-/Rumpfstabilität
  • Begleitende Hüftarthrose oder LWS-/Sakroiliakalgelenk-Beschwerden
  • Höheres Lebensalter, weibliches Geschlecht (häufiger zwischen 40–70 Jahren)
  • Übergewicht, Stoffwechselfaktoren

Abgrenzung zu anderen Ursachen seitlicher Hüftschmerzen

Nicht jeder seitliche Hüftschmerz ist ein Trochantersyndrom. Eine saubere Abklärung hilft, zielgerichtet zu behandeln.

  • Hüftgelenksarthrose (häufig eher Leistenschmerz, Anlaufschmerz, Bewegungseinschränkung)
  • Lendenwirbelsäulen-bedingte Schmerzen oder Nervenreizung (Ausstrahlung, Taubheit, Rückenschmerz)
  • Piriformis-Syndrom oder andere Gesäßmuskel-Syndrome
  • Externe Schnapphüfte (Traktus iliotibialis gleitet über den Trochanter)
  • Teilrisse/Vollrisse von Gluteus-medir/-minimus-Sehnen
  • Stressfrakturen, Infektionen oder Systemerkrankungen (selten – bei Warnzeichen dringend abklären)

Selbstcheck und Warnzeichen

  • Druck über dem Trochanter tut deutlich weh
  • Seitliches Liegen verstärkt die Beschwerden
  • Einbeinstand auf der schmerzhaften Seite ist innerhalb kurzer Zeit schmerzhaft

Diese Hinweise sprechen für ein Trochantersyndrom, ersetzen aber keine ärztliche Untersuchung.

Sofortige ärztliche Abklärung ist sinnvoll bei: Ruheschmerz in der Nacht ohne Belastung, Fieber, Rötung/Überwärmung, akuter starker Schmerz nach Sturz, deutlicher Kraftverlust, Taubheitsgefühlen oder anhaltender, unerklärlicher Gewichtsabnahme.

Diagnostik: So gehen wir vor

Die Diagnose stützt sich auf Anamnese, körperliche Untersuchung und bei Bedarf Bildgebung.

  • Anamnese: Belastungsprofil, Beginn/Verlauf, nächtliche Beschwerden, Sport- und Berufsanforderungen
  • Klinik: Druckschmerz am Trochanter, Schmerz bei Widerstand gegen Abduktion, Tests mit Adduktion/Innenrotation (Kompressionstests)
  • Gangbild und Beckenstabilität (Trendelenburg-Zeichen), Beurteilung von Rumpf-/Fußstatik
  • Sonographie (Ultraschall): Darstellung von Schleimbeutelreizung, Sehnenstruktur, ggf. dynamische Beurteilung
  • Röntgen: Ausschluss knöcherner Ursachen, Beurteilung der Hüftgelenke
  • MRT: bei unklaren Befunden oder Verdacht auf Sehnenriss/fortgeschrittene Tendinopathie
  • Diagnostische Injektion unter Ultraschall kann in Einzelfällen zur Zuordnung beitragen

Wichtig ist die Einordnung im Gesamtkontext: Auch Beschwerden aus der Lendenwirbelsäule oder dem Iliosakralgelenk können seitliche Hüftschmerzen imitieren oder verstärken.

Konservative Therapie: Basis und erste Wahl

Die meisten Patientinnen und Patienten profitieren von einer strukturierten, konservativen Behandlung. Ziel ist die Reduktion von Schmerz und Kompression, der Aufbau der Sehnenbelastbarkeit und die Optimierung der Hüftmechanik.

  • Aufklärung und Aktivitätsanpassung: vorübergehend weniger Hügel/ Treppen, keine langen Gehstrecken in Schmerzphasen
  • Kompressionsreduktion: nicht auf der schmerzhaften Seite liegen; beim Seitenschlaf Kissen zwischen die Knie, Beine nicht überkreuzen
  • Alltagsanpassungen: weiche Sitzunterlage, Pausen bei langem Sitzen/Stehen, Tragen verteilen
  • Medikamentös: kurzzeitig antientzündliche Schmerzmittel nach ärztlicher Rücksprache; lokale Kälte/ Wärme je nach Verträglichkeit
  • Physiotherapie mit progressivem Übungsaufbau: isometrische Spannungsübungen → langsame, kontrollierte Kraftübungen (Heavy Slow Resistance) → funktionelle Belastungen
  • Schwerpunkt: Kräftigung der Hüftabduktoren und -außenrotatoren, Rumpfstabilität, Gangschule
  • Mobilität: sanfte Dehnung überlastender Strukturen (z. B. Traktus/TFL) ohne schmerzprovokative Endpositionen
  • Cardio-Alternativen: Radfahren mit niedriger Last, Walking auf ebenem Untergrund; Brustschwimmen nur, wenn schmerzfrei
  • Hilfen: Tape, temporäre Einlagen/Absatzerhöhung bei Beinlängendifferenz nach Prüfung

Stoßwellentherapie (ESWT) kann in ausgewählten Fällen eine Option sein. Die Studienlage zeigt teils kurz- bis mittelfristige Besserungen; sie ersetzt jedoch nicht Training und Belastungssteuerung.

Zeitliche Orientierung: Erste Verbesserungen sind häufig innerhalb weniger Wochen möglich. Ein stabiler, belastbarer Zustand benötigt meist mehrere Wochen bis Monate. Geduld und ein individualisierter Plan sind entscheidend.

Injektionen und regenerative Verfahren: Möglichkeiten und Grenzen

Injektionen können Schmerzen kurzfristig reduzieren oder eine Trainingsphase erleichtern. Sie sollten gezielt und unter Ultraschallkontrolle erfolgen.

  • Kortison-Injektion: kann den Schmerz kurzfristig (Wochen) lindern, v. a. bei deutlicher Bursitis; Wiederholungen zurückhaltend einsetzen, da Sehnen geschwächt werden können
  • Lokalanästhetikum-Diagnostik: hilft in Einzelfällen, Strukturen zu differenzieren
  • PRP/ACP (Eigenblutpräparate): für gluteale Tendinopathien werden teils positive Effekte berichtet; die Evidenz ist gemischt. Einsatz nur nach Ausschöpfen konservativer Basismaßnahmen und individueller Aufklärung
  • Prolotherapie/andere Präparate: derzeit keine klare, breite Evidenz; keine Standardtherapie

Regenerative Verfahren sind kein Ersatz für ein strukturiertes Rehabilitationsprogramm. Wir besprechen Nutzen, Risiken, Alternativen und Kosten transparent und treffen Entscheidungen gemeinsam mit Ihnen.

Operative Therapie: Nur in ausgewählten Fällen

Ein Eingriff wird selten notwendig. Er kommt in Betracht, wenn über Monate trotz konsequenter konservativer Behandlung erhebliche Einschränkungen bestehen und Bildgebung z. B. höhergradige Sehnenschäden zeigt.

  • Endoskopische Bursektomie und ggf. Traktus-Release zur Druckreduktion
  • Refixation von Gluteus-medir/-minimus-Rissen (offen oder endoskopisch), wenn funktionell relevant
  • Rehabilitation: stufenweiser Belastungsaufbau über Wochen bis Monate; realistische Erwartungen und Geduld sind wichtig

Ob und welche Operation sinnvoll sein kann, wird individuell anhand Befund, Funktionsziel und Lebenssituation entschieden.

Heilungsverlauf und Prognose

Die Prognose ist unter konsequenter konservativer Therapie insgesamt günstig. Dennoch verläuft die Heilung individuell: Sehnen passen sich langsam an, Rückschläge sind möglich und normal.

  • Kurzfristig (2–6 Wochen): Schmerzreduktion durch Kompressionsentlastung, isometrische Übungen, moderate Aktivität
  • Mittelfristig (6–12+ Wochen): Belastungssteigerung, funktionelle Kräftigung, Gangbild-Optimierung
  • Langfristig: Stabilisierung, Rückfallprophylaxe durch fortgesetztes Training und Alltagsstrategie

Rückfälle lassen sich durch ausreichenden Muskelaufbau, dosierte Trainingssteigerungen und das Vermeiden provokanter Positionen oft reduzieren.

Was Sie selbst tun können: Alltag und Training

  • Seitenschlaf nur mit Kissen zwischen den Knien; alternativ auf der nicht schmerzhaften Seite oder in Rückenlage schlafen
  • Sitzhaltung variieren, Beine nicht längere Zeit übereinanderschlagen
  • Beim Gehen auf ebenem Untergrund starten; Schrittfrequenz moderat erhöhen, um Schrittlänge und Kompression zu reduzieren
  • Schuhwerk mit guter Dämpfung und ggf. seitlicher Stabilität
  • Trainingsplan mit kleinen, regelmässigen Schritten steigern (10–15 % pro Woche als grobe Obergrenze)
  • Zu starke Dehnungen in starker Adduktion vermeiden, besonders in akuten Phasen

Beispielübungen (nach Befund und Verträglichkeit):

  1. Isometrische Hüftabduktion im Stehen an der Wand: sanft gegen die Wand drücken, Spannung halten, schmerzarm
  2. Seitstütz-Varianten mit Knien am Boden zur seitlichen Rumpf- und Hüftstabilität
  3. Abduktion mit Miniband im Stehen (kleine Bewegungsamplituden, kontrolliert)
  4. Hüftscharnier-Übungen (Hip Hinge) zur posterioren Kettenaktivierung ohne Kompressionsprovokation

Bitte lassen Sie sich die für Sie passenden Übungen in der Physiotherapie zeigen. Qualität der Ausführung ist wichtiger als Quantität.

Prävention: Rückfall vermeiden

  • Regelmäßiges Krafttraining der Hüftabduktoren und -außenrotatoren
  • Langsamer Trainingsaufbau, ausreichende Regeneration
  • Modifikation provokanter Alltagsgewohnheiten (z. B. nicht auf der schmerzhaften Seite schlafen)
  • Gewichtsmanagement, falls relevant
  • Ausgleich muskulärer Dysbalancen und Beachtung des Gangbildes
  • Bei Beinlängendifferenz oder Fußfehlstellungen: orthopädische Abklärung und ggf. Versorgung

Wann sollten Sie ärztlichen Rat suchen?

  • Anhaltende seitliche Hüftschmerzen über mehr als 2–3 Wochen trotz Schonung
  • Nächtlicher Ruheschmerz, deutliche Bewegungseinschränkung oder Kraftverlust
  • Akuter Schmerz nach Sturz/Trauma
  • Unsicherheit bei Diagnose oder Wunsch nach strukturiertem Rehabilitationsplan

Wir klären in Hamburg-Winterhude differenziert ab, erstellen einen individuellen, konservativen Therapieplan und begleiten Sie durch die Rehabilitation.

Häufige Fragen

Häufig sind sowohl Sehnenansätze von Gluteus medius/minimus gereizt (Tendinopathie) als auch die Schleimbeutel (Bursitis). Der Begriff „Greater Trochanteric Pain Syndrome“ fasst diese Strukturen zusammen.

Erste Besserungen sind oft innerhalb weniger Wochen möglich. Ein belastbarer Zustand braucht meist mehrere Wochen bis Monate. Verlauf und Tempo sind individuell und hängen von Trainingsqualität, Belastungssteuerung und Begleitfaktoren ab.

Ja, häufig mit Anpassungen: flache Strecken, kürzere Einheiten, höhere Schrittfrequenz, keine Sprints/Berge und Schmerz als Leitplanke (keine Zunahme am Folgetag). Bei anhaltendem Schmerz vorübergehend Alternativen wie Radfahren nutzen.

In Studien zeigt sich teils eine kurz- bis mittelfristige Schmerzlinderung. Sie kann eine Ergänzung sein, ersetzt aber nicht Aufklärung, Belastungsmanagement und gezieltes Krafttraining.

Kortison kann kurzfristig lindern, sollte aber zurückhaltend eingesetzt werden. PRP wird teils genutzt, die Evidenz ist gemischt. Beides nur nach Aufklärung und wenn konservative Basismaßnahmen nicht ausreichend geholfen haben.

Arthrose macht typischerweise Leistenschmerz, Anlaufschmerz und Bewegungseinschränkungen im Hüftgelenk. Beim Trochantersyndrom steht der seitliche Druck- und Lagerungsschmerz im Vordergrund. Beides kann auch kombiniert auftreten.

Nicht immer. Ultraschall und Untersuchung reichen häufig aus. Ein MRT ist sinnvoll bei unklaren Befunden, Therapieresistenz oder Verdacht auf Sehnenriss.

Nur selten. Eine Operation wird erwogen, wenn trotz monatelanger, strukturierter konservativer Therapie erhebliche Einschränkungen bestehen und bildgebend relevante Sehnenschäden vorliegen.

Hüftschmerzen außen? Wir helfen strukturiert und konservativ.

Vereinbaren Sie einen Termin in unserer Praxis in der Dorotheenstraße 48, 22301 Hamburg (Winterhude). Wir klären die Ursache Ihrer Beschwerden und erstellen einen individuellen Therapieplan – ohne unnötige Eingriffe.

Information ersetzt keine individuelle Untersuchung. Bei Warnzeichen bitte ärztlich abklären.