Adduktorentendinopathie

Die Adduktorentendinopathie ist eine schmerzhafte Überlastung bzw. degenerative Veränderung der Adduktoren-Sehnen, meist am Ansatz des Musculus adductor longus am Schambein. Typisch sind ziehende Leistenschmerzen beim Sprints, Richtungswechseln, Schießen oder beim Zusammenpressen der Beine. Betroffen sind häufig Fußballerinnen und Fußballer, Hockey-, Eishockey- und Laufsportlerinnen/-sportler – aber auch Nichtsportler mit einseitigen Belastungen. Im Vordergrund steht eine strukturierte, konservative Behandlung mit Laststeuerung und gezieltem Kraftaufbau. In unserer orthopädischen Praxis in Hamburg (Dorotheenstraße 48, 22301 Hamburg) beraten wir evidenzbasiert und individuell – ohne Heilversprechen.

Konservative & regenerative Orthopädie – Operation nur als letzte Option.

Was ist eine Adduktorentendinopathie?

Unter Adduktorentendinopathie versteht man schmerzhafte Veränderungen der Sehne(n) der Adduktorenmuskeln im Bereich der Leiste. Häufig betroffen ist der Ansatz (Enthese) des Musculus adductor longus am Schambein. Anders als der Begriff „Tendinitis“ vermuten lässt, stehen nicht primär Entzündung, sondern Mikroverletzungen, Strukturumbau und reduzierte Sehnenqualität im Vordergrund. Akute Reizzustände und Teilrisse sind möglich, chronische Verläufe treten vor allem nach wiederholter Überlastung auf.

  • Lokalisation: meist Ansatz des Adductor longus, seltener brevis, gracilis oder adductor magnus
  • Beschwerden: belastungsabhängiger Leistenschmerz, Druckschmerz am Schambein, Kraftverlust beim Adduzieren
  • Verlauf: von akuter Reizung bis chronischer, immer wiederkehrender Symptomatik

Anatomie: Adduktoren im Überblick

Die Adduktoren bestehen aus mehreren Muskeln an der Oberschenkelinnenseite: adductor longus, brevis und magnus, dazu gracilis und pectineus. Sie entspringen überwiegend am Schambein (Os pubis) nahe der Schambeinfuge (Symphyse) und ziehen zur Innenseite des Oberschenkels. Ihre Hauptfunktion ist das Heranziehen des Beins zur Körpermitte sowie Stabilisierung von Becken und Hüfte – besonders bei schnellen Richtungswechseln, Abbremsen, Schussbewegungen und einbeinigen Standphasen.

  • Höchste Lasten am Sehnenansatz bei abrupten Richtungswechseln und Schussbewegungen
  • Enges funktionelles Zusammenspiel mit Bauch- und Hüftabduktorenmuskulatur
  • Bedeutung für Beckenstabilität und Leistensymmetrie

Symptome

  • Stechender oder ziehender Schmerz in der Leiste, oft punktgenau am Sehnenansatz tastbar
  • Schmerzen bei Adduktion gegen Widerstand (Zusammendrücken der Beine), beim Sprinten, Schießen, Richtungswechseln
  • Morgendliche Steifigkeit, „Anlaufschmerz“, Verbesserung nach Aufwärmen, erneute Zunahme nach Belastung
  • Ausstrahlung an die Oberschenkelinnenseite, gelegentlich in Richtung Symphyse
  • Schmerzprovokation beim Squeeze-Test (Beine zusammenpressen in 0°, 45° oder 90° Hüftbeugung)

Ursachen und Risikofaktoren

Meist liegt eine Über- oder Fehlbelastung vor: Trainingssprünge ohne adäquate Anpassung, zu wenig Regeneration, technische Defizite oder muskuläre Dysbalancen. Auch eingeschränkte Hüftbeweglichkeit und Beckenstabilität begünstigen die Beschwerden.

  • Plötzliche Trainingssteigerung, Turnierphasen, Saisonstart
  • Viele Richtungswechsel, Schuss-/Passbelastung, rutschige oder harte Untergründe
  • Schwäche der Hüftabduktoren und des Rumpfs (Core) mit erhöhter Adduktorenlast
  • Eingeschränkte Hüftinnenrotation, Verkürzung myofaszialer Strukturen
  • Vorangegangene Leistenschmerzen, unvollständige Rehabilitation
  • Systemische Faktoren: Rauchen, Schlafmangel, Stress

Diagnostik in der Praxis

Die Diagnose beruht auf Anamnese, klinischer Untersuchung und – bei Bedarf – Bildgebung. Wichtig ist das Erkennen begleitender Ursachen (z. B. Symphysenreizung, Hüftgelenksimpingement) sowie die Abgrenzung zu anderen Leistensyndromen.

  • Palpation: Druckschmerz direkt am Sehnenansatz am Schambein
  • Kraft-/Schmerztests: Squeeze-Test in 0°, 45° und 90° Hüftbeugung, Adduktion gegen Widerstand
  • Funktion: Becken- und Rumpfstabilität, Hüftbeweglichkeit, Beinachsenkontrolle
  • Differenzierung: Hüftgelenk (Impingement/Labrum), Leistenhernie, Schambeinfugenreizung, Nervenengpass

Bildgebung: Wann sinnvoll?

Bildgebung ergänzt die klinische Untersuchung – vor allem bei unklarer Situation, schweren Verläufen, anhaltenden Beschwerden oder Verdacht auf Teilriss.

  • Ultraschall: Sehnendicke, Echoveränderungen, ggf. vermehrte Gefäße (Neovaskularisation), Ausschluss signifikanter Einrisse
  • MRT: Beurteilung von Sehne, Enthesitiszeichen, Ödem am Schambein, Mitbeurteilung der Symphyse und angrenzender Strukturen
  • Röntgen: selten nötig; ggf. bei Verdacht auf knöcherne Veränderungen an der Symphyse

Konservative Therapie – der Standard

Ziel ist eine schrittweise Belastungsanpassung mit konsequenter Kräftigung der Adduktoren und der Beckenstabilisatoren. Passive Maßnahmen können den Einstieg erleichtern, entscheidend ist aber aktives Training. Eine individualisierte Planung erfolgt nach Schmerz- und Funktionsstatus.

  • Laststeuerung: Reduktion schmerzauslösender Belastungen (Sprints, Richtungswechsel, Schussserien), Erhalt der Grundfitness
  • Schmerzmanagement: kurzfristig Kühlung/Entzündungshemmung, analgetische Maßnahmen nach Bedarf; NSAR – falls verträglich und nur kurzfristig
  • Physiotherapie: progressive Kräftigung (isometrisch → konzentrisch/exzentrisch), neuromuskuläre Kontrolle, Becken-/Rumpfstabilität
  • Technik- und Laufstil-Optimierung, Schuhwerk/Untergrund prüfen
  • Manualtherapie/Weichteiltechniken als Ergänzung, kein Ersatz für Training
  • Stoßwellentherapie (ESWT): Option bei chronischen Verläufen nach erfolgloser Basistherapie
  • Infiltrationen: diagnostische Lokalanästhesie möglich; Kortison an der Enthese wegen Sehnenrisiko zurückhaltend; PRP nur selektiv nach Aufklärung

Rückkehr in Sportbelastungen erfolgt stufenweise: erst schmerzfreies Gehen und Radfahren, dann lockeres Laufen, Tempowechsel, Richtungswechsel, sportartspezifische Drills, schließlich voller Wettkampf – jeweils schmerz- und funktionsgeleitet.

Übungen und Rehabilitation

Die folgenden Prinzipien dienen als Orientierung. Intensität und Progression sollten individuell dosiert und idealerweise physiotherapeutisch begleitet werden.

  1. Akut/subakut (Schmerzberuhigung): isometrische Adduktionshalte (z. B. Ball oder Kissen zwischen den Knien, 5–10 Sekunden halten), leichte Brücken, Rumpfkontrolle (Dead Bug).
  2. Aufbauphase: seitlicher Unterarmstütz mit Adduktionshebeübungen (Copenhagen-Varianten), Hüftadduktion mit Miniband oder Kabelzug, exzentrische Adduktionsarbeit in Seitenlage.
  3. Integration: einbeinige Kniebeugen, Ausfallschritte mit Fokus auf Beckenstabilität, Richtungswechsel-Drills mit niedriger Intensität.
  4. Return-to-Sport: sportartspezifische Belastungen (Sprints, Pivots, Schüsse) unter Monitoring; Umfang und Intensität allmählich steigern.
  • Dosierung: lieber häufige, moderat intensive Reize als seltene Maximalbelastungen
  • Adduktor-zu-Abduktor-Kraftbalance anstreben; Gluteus-medius/-minimus gezielt mittrainieren
  • Dehnen vorsichtig dosiert; in der Akutphase keine aggressiven Endpositions-Dehnungen

Akutmanagement bei frischer Reizung

  • Relative Entlastung 48–72 Stunden: schmerzauslösende Bewegungen meiden, Alltagsaktivität erhalten
  • Kühlung kurzzeitig (10–15 Minuten) mehrmals täglich, Hautschutz beachten
  • Sanfte isometrische Adduktionstoleranz testen; Schmerz als Leitsignal
  • Frühe, schmerzadaptierte Mobilität und Radfahren mit geringer Last sind oft möglich

Interventionen: Was ist wann sinnvoll?

Interventionen ergänzen die aktive Therapie, ersetzen sie jedoch nicht. Die Entscheidung erfolgt individuell nach Verlauf, Bildgebung und Zielen.

  • Stoßwellentherapie (ESWT): kann Schmerzen bei chronischer Tendinopathie reduzieren; mehrere Sitzungen notwendig
  • Ultraschallgezielte Injektion: Lokalanästhesie diagnostisch; Kortison an der Enthese nur in Ausnahmefällen (Sehnenrisiko) und nach Aufklärung
  • PRP (plättchenreiches Plasma): Option bei therapieresistenten Verläufen nach Monaten strukturierter Rehabilitation; Evidenzlage gemischt

Operation – selten notwendig

Chirurgische Verfahren (z. B. partielle Adductor-longus-Tenotomie, Enthesendebridement) sind Ausnahmen für ausgewählte Fälle mit langem, frustranen Verlauf und deutlichen Funktionseinschränkungen. Mögliche Nachteile sind Kraftverlust und veränderte Beckenmechanik. Vor jedem operativen Schritt sollte eine konsequente, mehrmonatige konservative Therapie ausgeschöpft sein.

Verlauf und Prognose

Viele Patientinnen und Patienten erreichen mit strukturierter, aktiver Therapie eine gute Symptomkontrolle und Rückkehr zum Sport. Bei akuter Reizung gelingt dies oft binnen Wochen, chronische und wiederkehrende Verläufe benötigen eher einige Monate. Rückfälle sind möglich – vor allem bei zu früher Belastungssteigerung oder unzureichendem Kraftaufbau. Realistische Ziele, Geduld und konsequentes Training sind entscheidend.

Prävention von Leistenschmerzen

  • Regelmäßige Adduktorenkräftigung (z. B. Copenhagen-Übungen) in die Trainingsroutine integrieren
  • Ausgewogene Rumpf- und Hüftabduktorenkraft zur Beckenstabilität
  • Langsame Steigerung von Umfang und Intensität, Pausen und Regeneration einplanen
  • Aufwärmen mit dynamischen Bewegungen; sportartspezifische Technik schulen
  • Passendes Schuhwerk und geeigneter Untergrund; rutschige oder extrem harte Flächen meiden

Wann ärztlich abklären?

  • Plötzlich einschießender Schmerz mit „Knacken“, ausgeprägter Kraftverlust oder Hämatom – Verdacht auf Teilriss
  • Persistierende Leistenschmerzen >2–3 Wochen trotz Entlastung und Basisübungen
  • Nächtliche Ruheschmerzen, Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl
  • Neu auftretende Taubheit, Brennen oder Ausstrahlen, das nicht belastungsabhängig ist
  • Unsicherheit bezüglich Trainingsfortsetzung oder Rückkehr in den Sport

Differenzialdiagnosen

  • Schambeinentzündung (Osteitis pubis), Symphysenproblematik
  • Hüftgelenksimpingement (FAI), Labrumläsion
  • Iliopsoas-Sehnenreizungen oder -Schnappen
  • Hamstring-Ansatzprobleme am Tuber ischiadicum
  • Nervenengpass (N. obturatorius), Leistenhernie, urologische/gynäkologische Ursachen

Häufige Fehler und wie man sie vermeidet

  • Nur passiv behandeln (Massagen/Dehnen) ohne aktiven Kraftaufbau
  • Zu schnelle Rückkehr zu Sprints/Schussserien ohne Stufenplan
  • Schmerz ignorieren statt Last und Technik anzupassen
  • Einseitiges Training der Adduktoren ohne Hüftabduktoren und Core
  • Keine Ursachenanalyse: Untergrund, Schuhe, Trainingssprünge, Alltagsbelastungen

Ihre orthopädische Anlaufstelle in Hamburg

Als Praxis für konservative Orthopädie in Hamburg-Winterhude (Dorotheenstraße 48, 22301 Hamburg) legen wir Wert auf eine gründliche Abklärung, transparente Aufklärung und eine alltags- bzw. sportorientierte Therapieplanung. Termine können Sie bequem online oder per E-Mail anfragen.

Häufige Fragen

Nicht zwingend. Häufig handelt es sich um eine degenerative Überlastung der Sehne mit Strukturumbau. Akute Reizungen können entzündliche Anteile haben, die Therapie fokussiert jedoch auf Laststeuerung und aktiven Kraftaufbau.

Ja, aber angepasst. Aktivitäten, die die Schmerzen deutlich provozieren (Sprints, harte Richtungswechsel, Schussserien), sollten vorübergehend reduziert werden. Erlaubt sind schmerzarme Alternativen (z. B. Radfahren mit niedriger Last) und gezielte Übungen. Steigern Sie in kleinen Schritten.

Nicht immer. Die Diagnose ist meist klinisch möglich. Ein MRT ist sinnvoll bei anhaltenden Beschwerden, unklarem Befund, Verdacht auf Teilriss oder zum Ausschluss anderer Ursachen.

Sie können Spannungsgefühl reduzieren und den Einstieg erleichtern. Entscheidend ist jedoch die kombinierte, progressive Kräftigung der Adduktoren und stabilisierender Muskulatur. Aggressives Dehnen in der Akutphase eher vermeiden.

Copenhagen-Varianten sind seitliche Stütz- und Adduktionsübungen, die gezielt die Adduktoren kräftigen. Sie sind für Reha und Prävention gut geeignet und können das Risiko für Leistenschmerzen im Sport senken, wenn sie regelmäßig und korrekt dosiert werden.

Nur in ausgewählten Fällen. Zunächst hat eine strukturierte, aktive Therapie Priorität. Bei chronischen, therapieresistenten Verläufen können Optionen wie PRP erwogen werden – nach individueller Aufklärung über Nutzen und Grenzen.

Akute Reizungen beruhigen sich oft innerhalb weniger Wochen unter adäquater Laststeuerung. Chronische Verläufe benötigen häufig mehrere Monate. Ein stufenweises, schmerzgeleitetes Vorgehen verbessert die Aussicht auf eine nachhaltige Rückkehr in Sport und Alltag.

Individuelle Beratung bei Leistenschmerz

Sie wünschen eine fundierte Abklärung und einen klaren Reha-Plan? In unserer Praxis in Hamburg (Dorotheenstraße 48, 22301 Hamburg) beraten wir Sie evidenzbasiert und sportartspezifisch.

Information ersetzt keine individuelle Untersuchung. Bei Warnzeichen bitte ärztlich abklären.