De-Quervain-Tendovaginitis
Die De-Quervain-Tendovaginitis ist eine schmerzhafte Reizung der Sehnenscheiden am radialen (daumenseitigen) Handgelenk. Betroffen ist das erste Strecksehnenfach mit den Sehnen von Abductor pollicis longus (APL) und Extensor pollicis brevis (EPB). Typisch sind Schmerzen beim Greifen, Heben und Abspreizen des Daumens. Wir diagnostizieren und behandeln diese Erkrankung in unserer orthopädischen Praxis in Hamburg-Winterhude, Dorotheenstraße 48, evidenzbasiert und überwiegend konservativ.
- Was ist die De-Quervain-Tendovaginitis?
- Anatomie: Das erste Strecksehnenfach
- Typische Symptome
- Ursachen und Risikofaktoren
- Diagnostik: So stellen wir die Diagnose
- Konservative Therapie: schonend und strukturiert
- Injektionstherapie: gezielte Entzündungshemmung
- Regenerative Verfahren: nur selektiv
- Operation: Entlastung des ersten Strecksehnenfachs
- Verlauf und Prognose
- Selbsthilfe und Übungen
- Differenzialdiagnosen im Überblick
- Prävention und Arbeitsplatz-Tipps
- Wann sollten Sie ärztlich vorstellig werden?
- Ihre Behandlung in Hamburg-Winterhude
Was ist die De-Quervain-Tendovaginitis?
Unter der De-Quervain-Tendovaginitis versteht man eine entzündliche bzw. entzündungsähnliche Reizung der Sehnenscheiden der Daumenstreck- und -abspreizsehnen im ersten Strecksehnenfach am Processus styloideus radii. Verdicktes Sehnengleitgewebe und ein enges Sehnenfach führen zu Reibung, Schmerzen und Funktionsverlust.
Synonyme: Tendovaginitis de Quervain, Radialisstyloiditis. ICD-10: M65.4.
- Häufig bei repetitiven Belastungen (z. B. Babys tragen, Gartenarbeit, Handwerk, intensives Smartphone-Nutzen)
- Typische Patientengruppen: frischgebackene Eltern, Handwerker:innen, Musiker:innen, Sportler:innen, Personen mit Schreibtischarbeit
Anatomie: Das erste Strecksehnenfach
Auf der Daumenseite des Handgelenks verlaufen zwei wichtige Sehnen in einem gemeinsamen Kanal (erstes Strecksehnenfach): die Sehne des Abductor pollicis longus (APL) und die des Extensor pollicis brevis (EPB). Überzogen werden sie vom Retinaculum extensorum, das die Sehnen eng am Knochen führt.
- APL: führt das Abspreizen des Daumens
- EPB: streckt das Daumengrundgelenk
- Sehnenscheide: vermindert Reibung und ermöglicht gleitende Bewegung
- Anatomische Variante: Trennwand (Septum) zwischen APL und EPB – wichtig für Therapieplanung
Kommt es zu einer Schwellung der Sehnenscheide oder zu Verdickungen des Retinaculums, entsteht ein Engpass. Das führt zu Schmerzen beim Bewegen des Daumens und beim Umfassen von Gegenständen.
Typische Symptome
- Stechende oder ziehende Schmerzen an der Daumenseite des Handgelenks (radial)
- Schmerzverstärkung beim Greifen, Abspreizen, Heben oder Drehen (z. B. Flaschen öffnen, Kind hochheben)
- Druckschmerz über dem Processus styloideus radii
- Manchmal tastbare Verdickung oder Reiben/Knirschen (Krepitation)
- Kraftminderung im Griff, unsicheres Halten
- Gelegentlich ausstrahlende Schmerzen in den Unterarm
Charakteristisch ist ein positiver Finkelstein- bzw. Eichhoff-Test: Beim Einklappen des Daumens in die Hand und Beugen der Hand Richtung Kleinfingerseite treten die Schmerzen über dem ersten Strecksehnenfach deutlich auf.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Erkrankung entsteht meist durch Überlastung und wiederholte Mikrotraumata. Seltener sind akute Verletzungen ursächlich. Hormonelle Faktoren (z. B. postpartal, Stillzeit) und Begleiterkrankungen können die Sehnen und das Sehnengleitgewebe empfindlicher machen.
- Repetitive Tätigkeiten: häufiges Heben, Tragen, Schrauben, Tippen/Wischen am Smartphone
- Sportarten und Hobbys mit Daumen- und Handgelenkbelastung (z. B. Klettern, Rudern, Tennis, Musikinstrumente)
- Postpartal/Stillzeit: häufiges Tragen des Babys, hormonelle Umstellungen
- Begleiterkrankungen: Rheumatoide Arthritis, Diabetes, Schilddrüsenfunktionsstörungen
- Berufsbedingte Belastungen und mangelnde Regenerationszeit
- Anatomische Engstellen oder ein separates EPB-Sehnenfach
Diagnostik: So stellen wir die Diagnose
Die Diagnose ist vor allem klinisch. Eine sorgfältige Anamnese und Untersuchung sind entscheidend, um Differenzialdiagnosen auszuschließen und die passende Behandlung zu planen.
- Inspektion und Palpation: Druckschmerz über dem ersten Strecksehnenfach
- Provokationstests: Finkelstein-/Eichhoff-Test, WHAT-Test (Wrist Hyperflexion and Abduction of the Thumb)
- Funktionsprüfung: Daumenbeweglichkeit, Griffkraft
Bildgebung wird gezielt eingesetzt:
- Ultraschall: zeigt verdickte Sehnenscheide, Erguss, Gleitstörungen, Septen; dient auch der Injektionssteuerung
- Röntgen: zum Ausschluss knöcherner Ursachen (z. B. Rhizarthrose, alte Frakturen)
- MRT: selten nötig, bei unklaren Verläufen oder OP-Planung
Differenzialdiagnosen sind u. a. das Intersection-Syndrom (schmerzhafter Bereich weiter unterarmwärts), Rhizarthrose (Daumensattelgelenkarthrose), Ganglion, Reizung des Ramus superficialis des N. radialis (Wartenberg-Syndrom) sowie Band- und Sehnenläsionen.
Konservative Therapie: schonend und strukturiert
Ziel ist es, die Reizung zu beruhigen, die Gleitfähigkeit zu verbessern und belastbare Funktion wiederherzustellen. In den meisten Fällen ist eine konservative Behandlung erfolgreich.
- Belastungsanpassung: auslösende Bewegungen reduzieren, Pausen einbauen, Trage- und Grifftechniken optimieren
- Ruhigstellung: temporäre Daumen-Handgelenk-Schiene (Thumb-Spica) – meist 2–4 Wochen, nachts länger
- Schmerz- und Entzündungsmanagement: lokale Kühlung, entzündungshemmende Gele; orale NSAR nur kurzzeitig und nach ärztlicher Rücksprache
- Physio-/Ergotherapie: Sehnengleitübungen, Manualtherapie, Querfriktionen, progressive Kräftigung (später exzentrisch)
- Taping/Orthesen: zur Entlastung in Alltag und Beruf
- Alltags- und Arbeitsplatzergonomie: Anpassung von Maus/Tastatur, Griffverdickungen, beidhändiges Tragen
In der postpartalen Phase und Stillzeit bevorzugen wir zunächst schonende Maßnahmen (Schiene, Ergonomie, Physiotherapie). Therapieschritte werden individuell abgestimmt.
Injektionstherapie: gezielte Entzündungshemmung
Wenn Beschwerden trotz konsequenter Schonung und Therapie bestehen, kann eine ultraschallgesteuerte Injektion in das erste Strecksehnenfach erwogen werden. Verwendet wird meist ein niedrig dosiertes Kortikosteroid in Kombination mit einem Lokalanästhetikum.
- Vorteile: häufig rasche Linderung, kann eine Operation vermeiden
- Technik: ultraschallgestützt, präzise Deposition in das/die betroffenen Kompartiment(e), ggf. Berücksichtigung eines EPB-Septums
- Risiken: vorübergehende Schmerzen, Hautaufhellung/Gewebeatrophie, selten Sehnenschwächung oder -riss, Infektion (sehr selten)
In Schwangerschaft/Stillzeit nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung. Die Entscheidung treffen wir gemeinsam mit Ihnen auf Basis der individuellen Situation.
Regenerative Verfahren: nur selektiv
Für Eigenblut-/PRP-Injektionen oder Hyaluronsäure bei De-Quervain-Tendovaginitis ist die Evidenzlage derzeit begrenzt. In ausgewählten Fällen mit chronischem Verlauf kann dies als ergänzende Option diskutiert werden, stets nach Aufklärung über Nutzen und Unsicherheiten. Standard bleibt die konservative Therapie mit ggf. Kortikoidinjektion.
Operation: Entlastung des ersten Strecksehnenfachs
Eine chirurgische Dekompression kommt in Betracht, wenn Beschwerden trotz konsequenter konservativer Therapie (inklusive ggf. Injektion) über Wochen bis Monate fortbestehen oder früh eine klare Engpasssituation mit Funktionsverlust vorliegt.
- Verfahren: Spaltung des Retinaculums über dem ersten Strecksehnenfach, ggf. separate Eröffnung eines EPB-Unterfachs
- Ziel: Vergrößerung des Gleitkanals, Wiederherstellung schmerzarmen Gleitens
- Sorgfalt: Schonung des sensiblen oberflächlichen Radialisnervs, Eröffnung vorzugsweise dorsal, um ein volarseitiges Sehnensubluxieren zu vermeiden
Nachbehandlung: kurzfristige Schonung, frühfunktionelle Bewegungsübungen, Wundkontrolle. Leichte Tätigkeiten häufig nach 1–2 Wochen, stärkere Belastungen nach individueller Freigabe. Narbenpflege und gezielte Übungsprogramme unterstützen die Erholung.
Wie bei jedem Eingriff bestehen Risiken (z. B. Wundheilungsstörung, Nervenreizungen, anhaltende Sensibilität der Narbe, selten persistierende Beschwerden). Wir besprechen Vorgehen und Alternativen vorab ausführlich.
Verlauf und Prognose
Viele Betroffene profitieren bereits innerhalb weniger Wochen von konsequenter Entlastung, Schiene und gezielter Therapie. Bei länger bestehenden oder ausgeprägten Fällen kann die Genesung mehrere Wochen bis wenige Monate dauern. Rückfälle sind möglich, insbesondere bei unveränderter Belastung.
- Frühe Intervention verbessert oft die Heilungschancen
- Arbeitsfähigkeit: abhängig von Tätigkeit und Händigkeit; Anpassungen am Arbeitsplatz sind hilfreich
- Sport: stufenweiser Wiedereinstieg, zunächst schmerzadaptierte Übungen, später Belastungssteigerung
Selbsthilfe und Übungen
- Schonende Alltagsstrategien: Lasten nah am Körper tragen, Gewicht beidseitig verteilen, Daumen nicht als Hauptstütze verwenden
- Kühlung 2–3× täglich 10–15 Minuten (nicht direkt auf die Haut)
- Dehnung APL/EPB: Handgelenk neutral, Daumen sanft in Richtung Handfläche und Kleinseite führen, Dehnspannung 20–30 Sekunden, 3–5 Wiederholungen
- Sehnengleitübungen: schmerzfrei geführte Daumenabspreizung/-streckung, 10–15 Wiederholungen, 2–3 Serien
- Kräftigung (später): exzentrische Daumenabspreizung mit leichtem Gummiband, langsam geführte Bewegung, 8–12 Wiederholungen, 2–3 Serien, 3×/Woche
- Ergonomie: gepolsterte Maus/Handballenauflage, größere Griffstärken (z. B. an Pfannenstielen), häufige Mikropausen
Übungen sollten schmerzarm durchgeführt werden. Steigende Beschwerden, Taubheit oder deutliche Schwellung sind ein Signal zur Anpassung und ärztlichen Rücksprache.
Differenzialdiagnosen im Überblick
- Intersection-Syndrom: schmerzhafter Bereich 4–6 cm unterarmwärts, häufig mit Reibegeräusch
- Rhizarthrose (Daumensattelgelenkarthrose): Belastungsschmerz im Daumenballen, positives Grind-Test
- Ganglion am Handgelenk: tastbare prallelastische Zyste
- Wartenberg-Syndrom: Reizung des sensiblen Radialisastes mit brennenden Missempfindungen
- Sehnen- oder Bandverletzungen (z. B. SL-Bandverletzung), Frakturen, Sehnenrupturen
- TFCC-Läsionen: eher ulnare (kleinfingerseitige) Handgelenksschmerzen
Die Unterscheidung ist wichtig, da Therapie und Prognose variieren. Bei Bedarf klären wir dies mit Ultraschall und weiteren Tests.
Prävention und Arbeitsplatz-Tipps
- Belastungen dosieren, Pausen einplanen, Aufgaben variieren
- Ergonomische Hilfsmittel nutzen: Handgelenkauflage, vertikale Maus, größere Griffdurchmesser
- Richtige Hebe- und Trage-Technik: Handflächen nach oben, Daumen nicht überstrecken
- Aufwärmen vor Sport/Tätigkeiten, regelmäßige Mobilisation
- Frühzeitig reagieren bei ersten Beschwerden – nicht „durcharbeiten“
Wann sollten Sie ärztlich vorstellig werden?
- Zunehmende Schmerzen trotz Entlastung über mehr als 2–3 Wochen
- Nächtliche Ruheschmerzen, deutliche Schwellung oder Rötung
- Taubheit, Kribbeln oder Kraftverlust
- Nach Trauma mit anhaltenden Schmerzen
- Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl (Infektverdacht)
Eine frühzeitige Abklärung hilft, den Verlauf positiv zu beeinflussen und Komplikationen zu vermeiden.
Ihre Behandlung in Hamburg-Winterhude
In unserer Praxis in der Dorotheenstraße 48, 22301 Hamburg, bieten wir eine strukturierte Diagnostik mit klinischer Untersuchung und hochauflösendem Ultraschall. Die Therapie orientiert sich an Ihren Zielen und der Krankheitsphase: konservativ, bei Bedarf ergänzt um gezielte Injektionen und – falls erforderlich – operative Entlastung in enger Kooperation mit handchirurgischen Partnern.
Gemeinsam legen wir einen individuellen Stufenplan fest und begleiten Sie bis zur sicheren Rückkehr in Alltag, Beruf und Sport – ohne vorschnelle Eingriffe, aber mit klaren Optionen, wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen.
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