Freiberg-Krankheit (Morbus Köhler II)
Die Freiberg-Krankheit – auch Morbus Köhler II genannt – ist eine seltene Durchblutungs- und Belastungsstörung des Mittelfußköpfchens, meist des 2. Strahls. Typisch sind belastungsabhängige Schmerzen im Vorfuß, Schwellung und eine zunehmende Einschränkung der Beweglichkeit im Grundgelenk der betroffenen Zehe. Häufig betroffen sind Jugendliche und junge Erwachsene, etwas häufiger Frauen. In unserer orthopädischen Praxis in Hamburg (Dorotheenstraße 48, 22301 Hamburg) steht eine schonende, konservative Behandlung im Vordergrund. Operative Optionen werden erst bei ausbleibender Besserung oder fortgeschrittenen Stadien erwogen – nach transparenter Aufklärung.
- Anatomie: Vorderfuß und Mittelfußköpfchen
- Was ist die Freiberg-Krankheit?
- Symptome
- Ursachen und Risikofaktoren
- Krankheitsverlauf und Smillie-Klassifikation
- Diagnostik in der Praxis
- Konservative Therapie – zuerst ausschöpfen
- Operative Optionen – bei Versagen konservativer Maßnahmen
- Rehabilitation, Verlauf und Prognose
- Selbsthilfe und Prävention
- Besondere Situationen: Sport, Wachstum, Alltag
- Ihre Behandlung in Hamburg
Anatomie: Vorderfuß und Mittelfußköpfchen
Der Vorderfuß besteht aus den fünf Mittelfußknochen (Ossa metatarsalia) und den Zehen. Die Mittelfußköpfchen bilden mit den Grundphalangen die Zehengrundgelenke (MTP-Gelenke). Über Sehnen, Bänder und die plantare Platte wird das Quergewölbe stabilisiert; die Belastung beim Abrollen verteilt sich vor allem auf das 1. und 2. Mittelfußköpfchen.
- Das 2. Mittelfußköpfchen trägt häufig hohe Spitzenlasten (z. B. bei Sport, hartem Untergrund, hohen Absätzen).
- Die Blutversorgung der Knochenenden ist fein verzweigt und gegenüber Druck- und Scherkräften empfindlich.
- Störungen der Durchblutung und wiederholte Mikrotraumen können die Knorpel-Knochen-Grenze schädigen.
Was ist die Freiberg-Krankheit?
Die Freiberg-Krankheit ist eine osteochondrale Schädigung mit Durchblutungsstörung (Osteonekrose) am Mittelfußköpfchen, meist am 2., seltener am 3. Strahl. Sie führt zu Knorpel- und Knocheneinbrüchen, Abflachung des Köpfchens und Gelenkverschleiß. Im deutschsprachigen Raum wird sie Morbus Köhler II genannt (Morbus Köhler I betrifft das Kahnbein des Fußes und ist eine andere Erkrankung).
- Synonyme: Freiberg-Infraction, Morbus Köhler II
- Typisches Alter: Adoleszenz bis junges Erwachsenenalter; auch Erwachsene können betroffen sein
- Häufigkeitsgipfel: 2. Mittelfußköpfchen
Symptome
- Vorfußschmerz unter dem 2. Mittelfußkopf, anfangs belastungsabhängig, später auch in Ruhe
- Druckschmerz und Schwellung über dem betroffenen Grundgelenk
- Eingeschränkte Beweglichkeit, besonders Dorsalextension; schmerzhafte Endgrade
- Schonhinken, Abrollen über die Außenkante, Vermeidung des Zehenabstoßes
- Schmerzhafte Hornhautbildung (Schwielen) unter dem betroffenen Strahl
- Mitunter ein Schnappen/Blockieren bei Gelenkflitter oder freien Gelenkkörpern
Ursachen und Risikofaktoren
Die Freiberg-Krankheit entsteht meist durch ein Zusammenwirken aus mechanischer Überlastung und empfindlicher Blutversorgung des Mittelfußköpfchens. Ein einzelnes Trauma ist nicht zwingend erforderlich.
- Wiederholte Mikrotraumen (Sport mit Sprint/Stop-and-go, Tanzen, langes Laufen auf hartem Untergrund)
- Biomechanische Faktoren: langes 2. Mittelfußbein (Index minus), Hohlfuß, Spreizfuß, eingeschränktes Großzehengrundgelenk
- Schuhwerk mit hohen Absätzen oder sehr harter/steifer Sohle
- Systemische Faktoren: seltene Durchblutungs- oder Stoffwechselstörungen
- Vorangegangene lokale Entzündungen oder Infektionen (selten)
Krankheitsverlauf und Smillie-Klassifikation
Der Verlauf reicht von frühen, oft nur im MRT sichtbaren Veränderungen bis zu fortgeschrittenen, röntgenologisch gut erkennbaren Gelenkdestruktionen. Die Smillie-Klassifikation beschreibt typische Stadien.
- Stadium I: Frühphase mit Knochenmarksödem und subchondralen Veränderungen; evtl. im Röntgen unauffällig, im MRT sichtbar.
- Stadium II: Subchondrale Fraktur/Impression, beginnende Abflachung des Köpfchens, sklerotische Areale.
- Stadium III: Deutliche Abflachung, Fragmentierung; Gelenkspalt unregelmäßig.
- Stadium IV: Kollaps mit freien Gelenkkörpern, Osteophyten; Bewegung schmerzhaft eingeschränkt.
- Stadium V: Sekundäre Arthrose des MTP-Gelenks, deutliche Deformierung und chronischer Schmerz.
Diagnostik in der Praxis
Die Diagnose stützt sich auf Anamnese, körperliche Untersuchung und bildgebende Verfahren. Ziel ist, Stadium und Begleitfaktoren zu erkennen, um gezielt und möglichst schonend zu behandeln.
- Klinik: Lokaler Druckschmerz über dem 2. Mittelfußkopf, schmerzhafte Bewegung im MTP II, Funktionstests der plantaren Platte und Zehenbeugesehnen.
- Röntgen unter Belastung: Beurteilung von Abflachung, Sklerose, Fragmenten, Gelenkspalt und Metatarsallänge.
- MRT (bei unklarem Röntgen oder Planungsbedarf): Knochenmarksödem, Knorpeldefekte, Ausmaß der subchondralen Schädigung.
- Sonografie: Erguss, Synovitis; dynamische Beurteilung der plantaren Platte.
- Differenzialdiagnosen: Stressfraktur, Synovitis, plantare Plattenläsion ohne Nekrose, Morton-Neurom, Sesamoiditis (am 1. Strahl), rheumatische Arthritiden.
Konservative Therapie – zuerst ausschöpfen
In frühen und mittleren Stadien kann eine konsequente Entlastung das Fortschreiten bremsen und Beschwerden deutlich lindern. Der konservative Ansatz ist leitlinienkonform und wird über Wochen bis wenige Monate konsequent verfolgt.
- Belastungsanpassung: Reduktion von Lauf- und Sprungsport; Meiden harter Untergründe; Pausen statt Schmerzprovokation.
- Kurzfristige Ruhigstellung: Schiene oder Walker-Stiefel für 2–4 Wochen bei akuter Schmerzspitze (ärztliche Indikation).
- Schuh- und Einlagenversorgung: Weiche Vorfußbettung, Pelotte/Metatarsalpolster zur Druckumverteilung, steifere Sohle/Abrollhilfe.
- Physiotherapie: Mobilisation schmerzfreier Bewegungsgrade, Dehnung Waden-/Plantarfaszie, Gangschulung, Stabilität des Fußgewölbes.
- Medikamentöse Schmerztherapie: Entzündungshemmende Analgetika kurzfristig nach ärztlicher Empfehlung; lokale Kühlung.
- Arbeits- und Alltagsanpassung: Zeitweise Reduktion langer Steh-/Gehphasen; geeignetes Schuhwerk im Beruf.
Injektionen in das MTP-Gelenk werden zurückhaltend eingesetzt. Kortikosteroid-Injektionen können Schmerzen kurzfristig lindern, sind jedoch wegen potenzieller Knorpel-/Gewebsbeeinträchtigung sorgfältig zu indizieren. Biologische Verfahren (z. B. PRP) werden untersucht, die Evidenz ist aktuell begrenzt – hierzu beraten wir individuell.
Operative Optionen – bei Versagen konservativer Maßnahmen
Eine Operation kommt in Frage, wenn trotz konsequenter Schonung, Einlagen und Physiotherapie anhaltend relevante Beschwerden bestehen oder fortgeschrittene strukturelle Schäden vorliegen. Ziel ist die Schmerzreduktion und möglichst die Gelenkerhaltung.
- Gelenkerhaltend (häufig bei Smillie II–III): Debridement von nekrotischem Knorpel/Knochen, Entfernung freier Gelenkkörper; ggf. Mikrofrakturierung oder knorpelregenerative Techniken in ausgewählten Fällen.
- Dorsale Keilosteotomie (Gauthier): Korrektur mit Rotation des intakten plantaren Knorpels in die Gelenkfläche; kann die Gelenkfunktion verbessern.
- Gelenkflächenrekonstruktion: In ausgewählten Fällen osteochondraler Autograft (OATS/Mosaicplastik) – selten und mit individueller Abwägung.
- Gelenkversteifung (Arthrodese) des MTP II: Gelenkentfernende Option bei ausgeprägter Arthrose/Deformierung, wenn gelenkerhaltende Maßnahmen nicht sinnvoll sind.
- Weichteil-/Begleitkorrekturen: Behandlung einer plantaren Platteninsuffizienz, Korrektur von Zehenfehlstellungen zur Entlastung.
Die Wahl des Verfahrens richtet sich nach Stadium, Knorpelqualität, Begleitfehlstellungen, Belastungsanspruch und individuellen Zielen. Wir besprechen Nutzen, Grenzen und mögliche Risiken (z. B. Wundheilungsstörungen, Infektion, Thrombose, verbleibende Schmerzen, Steifigkeit) ausführlich.
Rehabilitation, Verlauf und Prognose
- Konservativ: Besserung oft innerhalb von 6–12 Wochen; sportartspezifischer Wiedereinstieg stufenweise unter Schmerzfreiheit.
- Nach gelenkerhaltender OP: Häufig Teilbelastung im Vorfußentlastungsschuh 4–6 Wochen; frühe, dosierte Mobilisation nach Freigabe.
- Nach Osteotomie: Bildkontrollen; schrittweise Belastungssteigerung, Rückkehr zu Sport je nach Heilung meist nach 8–12+ Wochen.
- Nach Arthrodese: Längere Ruhigstellung und schrittweise Belastung; Ziel ist schmerzfreie Alltagsbelastung, Sportarten mit hoher Vorfußlast sind ggf. eingeschränkt.
Die Prognose ist in frühen Stadien unter konsequenter Entlastung häufig gut. In fortgeschrittenen Stadien kann eine Reststeifigkeit bestehen bleiben. Eine vollständige Beschwerdefreiheit lässt sich nicht garantieren; Ziel ist eine nachhaltige Funktionsverbesserung und Schmerzreduktion.
Selbsthilfe und Prävention
- Schuhe mit gut dämpfender, eher steifer Sohle und ausreichend Platz im Vorfußbereich wählen.
- Regelmäßige Dehn- und Kräftigungsübungen für Wadenmuskulatur, Fußgewölbe und Zehenbeuger.
- Belastung langsam steigern, Trainingswechsel (z. B. Schwimmen, Radfahren) einbauen.
- Hohe Absätze nur kurzzeitig tragen; bei Beruf mit viel Stehen Gehpausen einplanen.
- Frühzeitig auf Vorfußbeschwerden reagieren, statt „durch den Schmerz“ zu laufen.
Suchen Sie ärztlichen Rat, wenn Vorfußschmerzen länger als 2–3 Wochen bestehen, nächtlich werden, eine Schwellung auftritt oder Sie im Alltag deutlich eingeschränkt sind.
Besondere Situationen: Sport, Wachstum, Alltag
- Sport: Temporäre Sportpause und Umstieg auf vorfußschonende Aktivitäten. Einlagen können die Lastspitzen beim Laufen reduzieren.
- Jugendliche: Im Wachstum ist die Diagnostik sorgfältig zu planen; überzogene Trainingsumfänge vermeiden.
- Alltag/Beruf: Individuelle Lösungen für langes Stehen/Gehen (Einlagen, Schuhwechsel, kurze Entlastungspausen).
Ihre Behandlung in Hamburg
Wir behandeln die Freiberg-Krankheit mit einem klaren Stufenkonzept: konservativ zuerst, operativ nur bei Bedarf. In der Dorotheenstraße 48, 22301 Hamburg, erhalten Sie eine strukturierte Diagnostik mit Funktionsanalyse, belastungsadaptierter Bildgebung und individueller Therapieplanung. Ziel ist eine verlässliche Linderung Ihrer Beschwerden und die Rückkehr in Alltag und Sport – ohne unnötige Eingriffe.
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Konservative Orthopädie mit klarem Stufenkonzept für die Freiberg-Krankheit (Morbus Köhler II) in Hamburg. Termin in der Dorotheenstraße 48, 22301 Hamburg.
Information ersetzt keine individuelle Untersuchung. Bei Warnzeichen bitte ärztlich abklären.