Calcaneusfrakturen (Fersenbeinbruch)

Eine Calcaneusfraktur ist ein Bruch des Fersenbeins, häufig verursacht durch Stürze aus Höhe oder starke Umknick- bzw. Anpralltraumen. Betroffen ist häufig auch das angrenzende untere Sprunggelenk (Subtalargelenk). Ziel der Behandlung ist es, Schmerzen zu reduzieren, die Fußachsen möglichst zu erhalten und eine belastbare, alltags- und arbeitsfähige Funktion wiederherzustellen – bevorzugt konservativ, wenn die Bruchform das zulässt.

Konservative & regenerative Orthopädie – Operation nur als letzte Option.

Anatomie: Fersenbein und unteres Sprunggelenk

Das Fersenbein (Calcaneus) ist der größte Knochen des Fußes und bildet mit dem Sprungbein (Talus) das Subtalargelenk. Es trägt einen erheblichen Teil des Körpergewichts, formt die Ferse und beeinflusst über seine Form die Stellung der Fußlängsachse.

  • Hintere Auftrittsfläche: Kontakt zum Boden, wichtig für Dämpfung
  • Gelenkfläche zum Talus: entscheidend für Beweglichkeit (Inversion/Eversion)
  • Ansatz der Achillessehne: große Zugkräfte bei Abstoßbewegungen
  • Laterale Wand und Sustentaculum tali: Orientierungspunkte für Diagnostik/OP

Ursachen und Risikofaktoren

Typische Auslöser sind axialer Krafteinfluss (Sturz von der Leiter, Unfall) oder starke Umknickmechanismen. Seltener treten Stressfrakturen durch Überlastung auf. Osteoporose, Rauchen oder Stoffwechselerkrankungen können das Risiko für einen Bruch und für Heilungsstörungen erhöhen.

  • Sturz aus Höhe mit Landung auf der Ferse
  • Verkehrsunfälle oder Sporttrauma (z. B. Snowboard, Parkour)
  • Schwere Umknickverletzungen mit Scherkräften im Subtalargelenk
  • Osteoporose und verminderte Knochenqualität
  • Vorangegangene Fersenverletzungen

Symptome: Woran erkennt man einen Fersenbeinbruch?

  • Akuter, starker Fersenschmerz, Belastung kaum möglich
  • Ausgeprägte Schwellung und Bluterguss an der Ferse/seitlich am Fuß
  • Druckschmerz über dem Calcaneus, evtl. Verbreiterung der Ferse
  • Schmerzhaft eingeschränkte Beweglichkeit des Sprung- und Subtalargelenks
  • In seltenen Fällen Taubheitsgefühl (Weichteilschaden/Nervenirritation)

Warnzeichen, die dringend ärztlich abgeklärt werden müssen: offene Verletzungen, Fehlstellung, starke Ruheschmerzen trotz Schonung und Kühlung, Taubheit, Blässe oder Kälte im Fuß.

Erste Hilfe und wann zum Arzt?

Nach einem Trauma hilft die PECH-Regel: Pause, Eis, Compression, Hochlagerung. Bitte nicht weiter belasten. Frühzeitig ärztlich vorstellen – bei starken Schmerzen, Schwellung oder Belastungsunfähigkeit noch am selben Tag, bei offenen Verletzungen/Fehlstellung als Notfall.

Diagnostik: So wird die Calcaneusfraktur erkannt

Die Diagnose wird über Anamnese, klinische Untersuchung und Bildgebung gestellt. Wichtig ist auch die Einschätzung der Weichteile (Hautspannung, Blasenbildung), da sie das Behandlungsfenster beeinflusst.

  • Klinik: Inspektion, Umfangmessung, Palpation des Calcaneus, neurovaskulärer Status
  • Röntgen in 2 Ebenen: Beurteilung von Achsen, Gelenkbeteiligung, Böhler- und Gissane-Winkel
  • Computertomographie (CT): Standard zur Operationsplanung, Einteilung der intraartikulären Frakturen
  • MRT: bei Verdacht auf Stressfraktur, Band-/Knorpelschaden oder unklarem Befund
  • Differenzialdiagnosen: Prellung, Plantarfaszitis, Talusfraktur, Bänderriss der Fußwurzel

Das Ausmaß der Verschiebung (Dislokation), die Gelenkbeteiligung und die Fußachsen sind entscheidend für die Therapieentscheidung.

Konservative Therapie: Wann ohne Operation behandelt wird

Nicht verschobene, extraartikuläre oder wenig dislozierte Calcaneusfrakturen lassen sich häufig erfolgreich konservativ behandeln. Der Fokus liegt auf Schmerzlinderung, Abschwellung, Schutz der Fraktur und frühfunktioneller Mobilisation im sicheren Rahmen.

  • Ruhigstellung mit Unterschenkelorthese, Walker-Boot oder Gips je nach Befund
  • Konsequente Entlastung an Unterarmgehstützen (meist 6–8 Wochen, je nach Heilungsverlauf)
  • Lagerung und Lymphdrainage zur Schwellungsreduktion
  • Medikamentöse Schmerztherapie nach Bedarf
  • Thromboseprophylaxe bei Immobilisation nach individueller Risikoabschätzung
  • Physiotherapie: frühzeitig Bewegungsübung im oberen/unteren Sprunggelenk im schmerzarmen Bereich
  • Später: Gangschulung, Kräftigung der Waden- und Fußmuskulatur, Propriozeption
  • Hilfsmittel: Fersenkissen, individuell angepasste Einlagen in der Aufbauphase

Vorteile der konservativen Behandlung sind das Vermeiden operationsbedingter Risiken. Voraussetzung ist jedoch eine stabile Bruchform ohne relevante Fehlstellung. Wir überwachen den Verlauf engmaschig mit klinischen Kontrollen und Bildgebung.

Operative Therapie: Indikation, Verfahren, Timing

Eine Operation kann sinnvoll sein, wenn die Fraktur stark verschoben ist, das Subtalargelenk deutlich beteiligt ist, die Fersenhöhe/-breite verändert sind oder Achsabweichungen drohen. Ziel ist die Wiederherstellung der Gelenkfläche, der Fersenform und der Achsen.

  • Offene Reposition und interne Fixation (ORIF) mit Schrauben/Platten über lateralen Zugang
  • Minimalinvasive/perkutane Schraubenosteosynthese bei geeigneten Frakturen
  • Primäre subtalare Arthrodese bei nicht rekonstruierbaren Trümmerfrakturen (selten, ausgewählte Fälle)

Das Operations-Timing richtet sich nach den Weichteilen: Operiert wird in der Regel, wenn die Schwellung rückläufig ist und sich die Hautfältchen wieder ausbilden. Offene Frakturen erfordern ein notfallmäßiges Vorgehen. Auch bei der OP gilt: Risiken wie Wundheilungsstörungen, Infektionen, Nervenreizung oder Thrombose werden vorab sorgfältig besprochen.

Nachbehandlung und Rehabilitation

Die Nachbehandlung entscheidet wesentlich über das funktionelle Ergebnis. Sie wird individuell an Frakturtyp, Stabilität der Versorgung und Allgemeinzustand angepasst.

  1. 0–2 Wochen: konsequente Hochlagerung, Schwellungsmanagement, Wundkontrolle (postoperativ), isometrische Übungen
  2. 2–6 Wochen: Teilbelastung nach ärztlicher Vorgabe, aktive/passive Mobilisation des unteren Sprunggelenks
  3. 6–10 Wochen: Steigerung der Belastung je nach Konsolidation, Beginn Kräftigung/Propriozeption
  4. Ab 10–12 Wochen: Übergang zu alltagsnahen Aktivitäten, Gangbildkorrektur, ggf. Einlagenversorgung
  5. Sport: je nach Verlauf ab 3–6 Monaten leichte Ausdauer, später Sprung-/Pivot-Sportarten; individuell länger
  • Arbeitsfähigkeit: Bürotätigkeit häufig nach 2–6 Wochen, körperliche Arbeit später
  • Autofahren: erst nach sicherer Vollbelastung und ausreichender Beweglichkeit/Kraft
  • Narben- und Gewebspflege: weiche Schuhe, sanfte Mobilisation, ggf. Narbenbehandlung

Prognose, mögliche Komplikationen und Spätfolgen

Die Prognose hängt von Frakturtyp, Gelenkbeteiligung, Weichteilsituation und der konsequenten Rehabilitation ab. Nicht jede schwere Fraktur erreicht wieder völlige Beschwerdefreiheit, belastbare Alltagsfunktion ist jedoch häufig erreichbar.

  • Mögliche Komplikationen: Wundheilungsstörung, Infektion, Nervenreizung
  • Fehlheilung (Malunion) mit Achsabweichung oder Verbreiterung der Ferse
  • Posttraumatische Arthrose des Subtalargelenks mit Belastungsschmerz
  • Komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS), anhaltende Schwellneigung
  • Thrombose/Embolie-Risiko bei Immobilisation
  • Risikofaktoren: Rauchen, Diabetes, Gefäßerkrankungen, ausgeprägte Weichteilschäden

Bei anhaltenden Beschwerden trotz optimaler Versorgung stehen sekundäre Maßnahmen (z. B. Einlagen, Physiotherapie, gezielte Schmerztherapie; in Einzelfällen gelenkversteifende Eingriffe) zur Verfügung – nach sorgfältiger Indikationsstellung.

Spezielle Situationen: Kinder, Osteoporose, Stressfrakturen

  • Kinder/Jugendliche: seltener, Wachstumsfugen beachten; häufig konservativ, engmaschige Kontrolle
  • Ältere/Osteoporose: geringere Krafteinwirkung genügt; Sturzprophylaxe und Knochengesundheit mit adressieren
  • Stressfrakturen: schleichender Beginn, MRT-hilfreich; Schonung und Belastungssteuerung zentral

Prävention und Rückfallprophylaxe

  • Sichere Leiter- und Gerüstanwendung, rutschfeste Schuhe
  • Gutes Schuhwerk mit Fersenführung im Alltag und Sport
  • Kraft- und Gleichgewichtstraining zur Sturzprophylaxe
  • Knochengesundheit: Vitamin D, Kalzium, ggf. Abklärung Osteoporose
  • Rauchen reduzieren – fördert die Knochenheilung

Unser Behandlungsansatz in Hamburg-Winterhude

Wir setzen zunächst auf eine sorgfältige Diagnostik und bevorzugen die konservative Behandlung, wenn die Bruchform dies zulässt. Entscheidend sind Präzision in der Einordnung des Bruchs, Schutz der Weichteile und eine strukturierte Nachbehandlung.

  • Klinische Untersuchung und evidenzbasierte Bildgebung (Röntgen, CT bei Bedarf)
  • Individuelle Therapiepläne: konservativ vorrangig, operative Optionen bei klarer Indikation
  • Enges Nachsorgeschema mit Funktions- und Belastungssteuerung
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit mit radiologischen und operativen Partnern in Hamburg
  • Rehabilitation: Physiotherapie, Einlagen- und Schuhberatung, Arbeits- und Sportplanung

Gern beraten wir Sie auch als Zweitmeinung. Eine seriöse Aufklärung zu Nutzen und Risiken der jeweiligen Optionen ist selbstverständlich – ohne Heilversprechen.

Ablauf Ihres Termins: Was Sie mitbringen sollten

  • Unfallhergang und Zeitpunkt, bisherige Behandlungsmaßnahmen
  • Vorbefunde: Röntgen-, CT- oder MRT-Bilder (digital/auf CD), Entlassbriefe
  • Medikamentenliste, relevante Vorerkrankungen (z. B. Diabetes, Gerinnung)
  • Bequeme Kleidung/Schuhe, ggf. vorhandene Orthesen/Gehstützen

Unsere Praxis befindet sich in der Dorotheenstraße 48, 22301 Hamburg. Termine können Sie bequem online oder per E-Mail anfragen.

Häufige Fragen zu Calcaneusfrakturen

Brauche ich immer eine Operation? – Nein. Viele nicht verschobene oder extraartikuläre Brüche heilen unter konsequenter Entlastung und funktioneller Therapie gut. Eine Operation kommt bei deutlicher Verschiebung, Gelenkstufen oder Achsfehlern in Betracht.

Wie lange darf ich nicht belasten? – Häufig 6–8 Wochen Teil- bis Entlastung, abhängig von Frakturtyp und Kontrolle. Der genaue Plan wird individuell festgelegt.

Wann kann ich wieder arbeiten? – Bei sitzender Tätigkeit teils nach 2–6 Wochen, bei körperlicher Arbeit oft später. Wir stellen eine stufenweise Wiedereingliederung zusammen.

Darf ich Auto fahren? – Erst, wenn Sie den Fuß sicher voll belasten und das Pedal zuverlässig bedienen können; medizinisch-rechtlich eigenverantwortlich. Wir beraten individuell.

Muss das Metall wieder heraus? – Nur bei Beschwerden, Hautirritation, Infekt oder auf Wunsch nach Risiko-Nutzen-Abwägung. Eine routinemäßige Entfernung ist nicht immer nötig.

Was kann ich selbst tun? – Schwellungskontrolle (Hochlagern, Kühlen), konsequente Entlastung, Nichtrauchen, Physiotherapie und Heimübungen wie empfohlen.

Häufige Fragen

Ausschlaggebend sind Gelenkbeteiligung, Verschiebung, Achsveränderungen, Weichteilsituation und Ihre individuellen Anforderungen. Nach Bildgebung und Untersuchung besprechen wir die Optionen transparent.

Anfangs ist der Bruch schmerzhaft durch Schwellung und Instabilität. Kühlung, Hochlagerung und eine abgestufte medikamentöse Schmerztherapie lindern. Mit Ruhigstellung und dem Abklingen der Schwellung nehmen die Schmerzen in der Regel ab.

Übergangsweise können Fersenkissen und stützende Einlagen den Komfort verbessern. Später hilft geeignetes Schuhwerk mit guter Fersenführung. Die Auswahl erfolgt individuell nach Gangbild und Beschwerden.

Ja, besonders nach intraartikulären Frakturen. Ziel der Behandlung ist es, dieses Risiko zu reduzieren. Bei bleibenden Beschwerden stehen konservative Maßnahmen und – selten – gelenkversteifende Eingriffe zur Verfügung.

In vielen Fällen ja. Der Wiedereinstieg erfolgt schrittweise: zunächst Grundlagenausdauer, später sportartspezifische Belastungen. Sprung- und Pivot-Sportarten erfordern Geduld und ein stabiles Funktionsniveau.

Beratung zu Calcaneusfrakturen in Hamburg

Sie haben eine Fersenbeinverletzung oder möchten eine Zweitmeinung? Wir beraten Sie individuell – konservativ orientiert, mit klarer Indikationsstellung für Eingriffe. Praxis: Dorotheenstraße 48, 22301 Hamburg-Winterhude.

Information ersetzt keine individuelle Untersuchung. Bei Warnzeichen bitte ärztlich abklären.